Die Grapenmühle hat eine lange Geschichte / Eigentümer möchte sanieren

Ein Konzept muss her

Hans-Joachim Euhus, hier an einem Mahlwerk, möchte die alte Wassermühle sanieren. Fotos: Bonath

Grapenmühlen - Von Wieland Bonath. Als Napoleon Bonaparte, von 1804 bis 1815 Kaiser der Franzosen, die heutige Bundesstraße 440 von Rotenburg über Visselhövede bis nach Dorfmark als eine seiner Heerstraßen bauen ließ und dabei auch Wittorf querte, stand sie schon mehrere Jahrzehnte und hatte Korn gemahlen für die heimischen Bauern und Bäcker: die Grapenmühle bei Wittorf am plätschernden gleichnamigen Bach, der in Nindorf entspringt und wenige Kilometer weiter in den Visselbach mündet.

1781, so ließ das damalige Müllerehepaar Christian Petersen und seine Frau Cathrin Ilse Inwiden samt dem Müllerwappen in den Eichenbalken über der Eingangstür schnitzen, sei die Wassermühle fertiggestellt worden. Ein Kleinod im grünen Mischwald. Direkt an der B 440 ein wahrer Blickfang und ein wenig geheimnisvoll, aber seit Jahrzehnten stillgelegt. Bis 1965 hatte Rudolf Euhus, der letzte Müller, die Grapenmühle betrieben, damals schon nicht mehr mit Wasserkraft, sondern mit einem Elektromotor.

Der Blick von ihrem Wohnhaus schräg über die Straße hin zu der alten Mühle ist für Hans-Joachim Euhus, seine Frau Birgit, für Tochter Annika und Sohn Christopher oft mit einem guten Stück Wehmut verbunden. Warum geschieht nichts, um dieses Technikdenkmal vor dem Verfall zu retten? Die Antwort ist einfach, die Lösung schwieriger: Für die Sanierung und Restaurierung fehlt das Geld. Dabei wurden in anderen Orten vergleichbare Rettungsarbeiten von Technik- und Kulturdenkmalen längst erfolgreich realisiert.

Hans-Joachim Euhus ist gelernter Landwirt und betreibt seit 15 Jahren eine Groß- und Außenhandelsfirma. Obwohl er das Müllerhandwerk nicht erlernt hat, hängt der 64-Jährige an der alten Wassermühle. Das liegt an den Kindheitserinnerungen, als er beim Kornmahlen noch helfen und die Mechanik des kleinen Aufzuges für die Säcke bedienen durfte. Es liegt an dem großen Mühlenteich, in dem das Wasser zum Betreiben des Mühlrades gespeichert wurde. Oder an den Ausflügen mit seiner Mutter Anneliese in die Geschichte der Wind- und Wassermühlen im Bereich Grapenmühlen/Nindorf. Vor der jetzigen Grapenmühle gab es nach Aufzeichnungen der Herzogtümer Bremen und Verden bereits 1680 eine Mühle. Am Hof Grapenmühlen Nr. 1 hat eine Bockwindmühle gestanden, die auf dem Mühlenberg zwischen 1823 und 1838 errichtet wurde. Sie brannte 1888 nach einem Blitzschlag ab.

Genau wie zahlreiche andere Wassermühlen wandelte sich durch Erfindungen und neue Techniken auch das Innenleben der Grapenmühle. Das oberschlächtige Wasserrad trieb Turbinen an. Für den Eigenbedarf wurde eine 110-Volt-Gleichstromanlage installiert.

Seit Ende des 20. Jahrhunderts werden historische Wassermühlen im Zuge der verstärkten Bedeutung der klimaneutralen erneuerbaren Energien wiederbelebt und zu Kleinwasserkraftwerken umgenutzt. Die Basis bilden moderne Wasserräder, die den historischen Charakter der Mühlen erhalten und dem Denkmalschutz gerecht werden.

Hans-Joachim Euhus zeigt dem Besucher die Grapenmühle und die nahe Umgebung. Der rund drei Hektar große Mühlenteich, in den das Wasser aus dem Viehbach geleitet und zum Betreiben des (inzwischen abgebauten) Wasserrades gestaut wurde, ist trockengelegt. Nur Erdwälle deuten die einstigen stattlichen Dimensionen an.

Das Dach der alten Mühle ist aus Schutzmaßnahmen vor einigen Jahren neu eingedeckt worden. Das Fachwerk und die Mauersteine der Wände sind zum großen Teil in einem passablen Zustand. Ein Teil der Treppen zu den verschiedenen Ebenen der Mühle müssten repariert oder erneuert werden. Drei Mahlwerke stehen nebeneinander. Eine Waage zum Wiegen von Kornsäcken. Zahnräder, Übersetzungen, Antriebsräder, daneben spröde Lederriemen. Im unteren Geschoss die Reste der Anlage zur Produktion des Stroms, die Sicherungen sind herausgeschraubt, die Wände weiß verputzt, als wäre der Maurer erst vor einigen Tagen dort gewesen.

Schnell erkennbar: In diesem Gebäude, in dem sehr viel Technikgeschichte versammelt ist, muss viel getan werden. Dazu gehört Geld. Euhus macht all denen, die in der Lage sind, ein mögliches Sanierungskonzept zu entwickeln, den Vorschlag, sich an ihn zu wenden.

„Im Jahre 1985”, so der 64-Jährige, „hat es schon einmal eine Sanierung von Dach und Fassade der Mühle gegeben. Das hatten damals die Denkmalschutzbehörde des Landkreises und wir als Eigentümer veranlasst. Unterstützend tätig war auch die PGN Rotenburg.” Das Ganze eine Schutzmaßnahme für die historische Wassermühle. Dabei sei es in den folgenden Jahren im Wesentlichen geblieben.

Hans-Joachim Euhus kann sich vorstellen, um die Grapenmühle zu retten und für die Zukunft zu erhalten, dass es zu einer gemeinsamen Aktion kommt, an der unter anderem die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz, die Kommune, der Landkreis, das Land Niedersachsen, die EU und der Heimatverein beteiligt sind.

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