Klimakrise im Kopf: Wie eine Psychotherapeutin zum Handeln anregt

Die Klimakrise wirkt sich nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die menschliche Psyche aus. Psychotherapeutin Katharina van Bronswijk setzt sich dafür ein, diese Ängste zu lindern und zum Handeln zu motivieren. Ihr Buch 'Klima im Kopf' ist ein wichtiger Teil ihrer Mission.
Die Angst vor Umweltkatastrophen – wie der Überschwemmung Anfang 2024 oder der jüngsten Brände in Los Angeles – herrscht in vielen Köpfen. Die Autorin und Psychotherapeutin Katharina van Bronswijk beschäftigt sich – unter anderem in ihrem Buch „Klima im Kopf“ – mit dem Einfluss der Klimakrise auf die menschliche Gesundheit. Viele Menschen beherrscht der Gedanke, dass sie nichts erreichen können. Doch die Psychologin, die in Schneverdingen eine Therapiepraxis betreibt, versucht, mit ihren Vorträgen, die Menschen zum Handeln zu bewegen. Viele wissen um die Klimakrise und auch, dass jeder etwas dagegen tun kann. Dass die Gemeinschaft viel bewirken kann, ist ihre Hauptbotschaft. Gemeinsam mit anderen Psychologinnen und Psychologen aus ganz Deutschland hat van Bronswijk bereits mehrere Fachbücher veröffentlicht. Das Buch „Klima im Kopf“ ist ihr eigenes Werk. Im Interview erklärt die Psychologin, wie sie zur Klimaaktivistin wurde, um sich dafür einzusetzen, dass die Menschen zum Schutz der Erde aktiv werden.

Wie kamen Sie dazu sich mit Klimaschutz im psychologischen Kontext zu beschäftigen?
Ich bin schon seit 2009 im Klimaschutz und Umweltschutz aktiv. Da bin ich so zufällig reingestolpert. 2009 war ich kurz vor der Klimakonferenz in Kopenhagen im Kino und habe „The Age of Stupid“ gesehen. Ich bin da ganz selbstzufrieden rausgegangen und habe gedacht: „Ich bin Vegetarierin und ich habe Ökostrom. Check!“
Dann kam ich an einem Gespräch an einem Infostand von Greenpeace vorbei. Die Aktivistin sagte: „Es reicht ja nicht, das eigene Leben zu ändern, man muss auch andere davon überzeugen.“ Ich bin angewurzelt stehen geblieben und habe gefragt, was ich tun kann und ich wurde zur Greenpeace Jugend geschickt.
In der Klimadebatte wird immer darüber geredet, man dürfe kein Auto mehr fahren und so weiter. Das ist ja total unbefriedigend. Selbst wenn man das alles umstellt, ist das Klima immer noch nicht gerettet. Meine Hauptbotschaft ist daher, dass es darum geht, im Kollektiv wirksam zu werden, um auch auf der strukturellen Ebene Veränderungen zu erreichen.
2019 haben wir die „Psychologists for Future“ aufgebaut. Wir machen politische Arbeit, psychologische Beratung für die Klimagerechtigkeitsbewegung und Wissenschaftskommunikation. Also zum Beispiel: Wie rede ich mit anderen Leuten darüber, sodass sie nicht in die totale Abwehrhaltung kommen. Viele von uns „Psychologists for Future“ führen Gespräche mit Politikern, geben Workshops oder sind zu Veranstaltungen eingeladen.
Andere Aktive haben am Klimabericht des Robert-Koch-Instituts mitgeschrieben oder an einer Politikwerkstatt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Einfluss des Klimawandels auf Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz, die gerade zu Ende geht.
Sie sind am Mitttwochabend im Haus der Bildung in Visselhövede zu Gast und halten einen Vortrag. Wie kam es dazu?
Ich habe für den Klimaschutzverein Heidekreis schon mal einen Vortrag gehalten und ich vermute, dass da jemand von „Vissel for Future“ dabei war. Außerdem bin ich aktuell in einer Praxis in Schneverdingen tätig und der Region deswegen sehr verbunden.
Sie haben das Buch „Klima im Kopf“ geschrieben. Den Titel trägt auch die Veranstaltung am Mittwoch. Ist das ihr erstes Buch?
Im Fachbuch „Climate Action - Psychologie der Klimakrise“, das ich mit Lea Dohm und Felix Peter herausgebracht habe, werfen die Autoren einen interdisziplinären Blick auf die Lücke zwischen Wissen und Handeln. Dann habe ich mit Christoph Hausmann, auch von den „Psychologists for Future“, gemeinsam ein zweites Fachbuch herausgebracht, das heißt „Climate Emotions“. Dieses Buch dreht sich um den psychologisch gesundheitlichen Aspekt der Klimakrise: der Forschungsstand zu den verschiedenen Klimagefühlen, aber auch die Versorgungsthemen und therapeutische Ansätze.
2022 habe ich mein Sachbuch „Klima im Kopf“ geschrieben. Das ist sozusagen eine leicht verständliche Zusammenfassung meines klimapsychologischen Wissens. Im vergangenen Jahr habe ich mit anderen teils sehr bekannten Autoren „Unlearn CO2“ veröffentlicht. In dem Sammelband geht es darum, wie wir aus dem fossilen Denken herauskommen und CO2 „verlernen“ können.
„Unlearn CO2“ ist ein Spiegelbestseller geworden, für mich überraschend, weil das Klimathema aktuell in den öffentlichen Diskussionen so ein bisschen untergeht. Das Interesse ist aber trotzdem noch da! Gerade beschäftige ich mich sehr mit dem Thema Populismus als Krisenreaktion und diesen gesamtgesellschaftlichen Reaktionsmechanismen, wir zum Beispiel zunehmende Verschwörungsmentalität. Ich würde mich freuen, wenn es klappen würde, dazu ein Sachbuch zu schreiben, aber ich suche gerade noch einen Co-Autor.
Was erwartet die Besucher denn am Mittwoch im Haus der Bildung?
Ich werde einen kleinen Vortrag halten, in dem es um die Lücke zwischen Wissen und Handeln geht. Da stelle ich die sogenannten „Drachen der Untätigkeit“ vor. Anschließend wird es eine kleine Fragerunde geben und darauf folgt eine Workshop-Phase, in der wir gemeinsam überlegen, wie man jetzt in Visselhövede und Umgebung konkret ins Handeln kommen könnte. Vielleicht gibt es noch eine kleine Abschlussdiskussion. Alles dauert also so um die 1,5 Stunden.
Was erwarten Sie bei der Diskussion in Visselhövede?
Ich bin sehr gespannt, wie die Stimmung in Visselhövede ist. Gerade, weil Hoyer ein großer Arbeitgeber ist. Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen hier hin- und hergerissen sind: Dass Leute sich schon grundsätzlich für das Thema Klimaschutz interessieren und gleichzeitig aber eben bei einem ja noch sehr fossilen Konzern arbeiten, der sich jetzt langsam wandelt. Das kann dann auch entsprechende Transformationsängste auslösen.
Ich hoffe tatsächlich, dass unterschiedliche Leute kommen und nicht immer nur dieselbe Bubble. Es würde mich sehr freuen, wenn auch Menschen sich angesprochen fühlen, die vielleicht sonst damit nicht so viel am Hut haben oder sich vielleicht auch eher zurückhalten, weil sie sagen, na ja, das kann ich ja nicht bringen, wenn ich bei Hoyer arbeite, dass ich da irgendwie auftauche oder dann Angst haben, dass sie beschämt werden. Das höre ich leider häufiger, dass etwa Leute sagen, sie gehen nicht zum Klimastreik, weil sie ja noch nicht perfekt sind. Und da ist mir immer sehr wichtig zu sagen: Man muss nicht perfekt sein, um anzufangen, das Richtige zu tun.
Veranstaltung von „Vissel for Future“
Katharina van Bronswijk ist am Mittwoch, 5. Februar, ab 19 Uhr auf Einladung der Intitiative „Vissel for Future“ zu Gast im Haus der Bildung, Emmy-Krüger-Straße 2, in Visselhövede. Sie hält einen Vortrag zum Thema „Was macht die Klimakrise mit uns?“ Im Klimaschutz stockt es – trotz dramatischer Prognosen, näher rückender Klimakatastrophen und guter Bekundungen. Immer mehr Menschen – besonders jüngere – fühlen den emotionalen Druck der Klimakrise. Van Bronswijk ist eine Psychologin und Psychotherapeutin, die langjährig im Klimaschutz aktiv ist. An dem Vortragsabend beleuchtet sie die psychologischen Hintergründe und gibt Impulse für praktisches Handeln. Geplant ist ein Vortrag, eine kleine Diskussionsrunde sowie ein Workshop. Fragen, wie „Was hindert uns, in der Klimakrise angemessen zu handeln? Was macht die Klimakrise in unseren Köpfen? Was braucht es, damit wir statt zu verdrängen oder zu verzweifeln ins Handeln kommen?“ werden behandelt. Der Eintritt ist frei. Spenden sind erwünscht.



