Waldbesitzer-Seminar „Borkenkäfer erkennen und bekämpfen“

Kleine Tiere, großer Schaden

Forstoberinspektor Axel Hartge mit einer Buchdrucker-Abbildung. Er stellte Fangsysteme vor.

Hiddingen - Von Wieland Bonath. Er ist nur fünf Millimeter groß, aber die privaten und öffentlichen Waldbesitzer bekommen das kalte Grausen, wenn sie nur an ihn denken: Denn der Borkenkäfer und seine Unterarten hat sich besonders während der Dürre des vergangenen Jahres prächtig entwickelt und den Wald im Land und dabei besonders die Fichten massiv geschädigt.

Und jetzt ist in den Forstämtern und bei den Kreiswaldmärkerschaften Eile geboten, denn Ende März beginnt nämlich der Flug der kleinen Insekten, die nach der Überwinterung nach neuen Brutbäumen suchen. Und das wollen die Waldbesitzer natürlich unbedingt verhindern. Unter dem Thema „Borkenkäfer erkennen und bekämpfen“ hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, das Forstamt Nordheide-Heidmark, die Forstwirtschaftliche Vereinigung Hohe Heide, die Forstbetriebsgemeinschaft Verden und die Kreis-Waldmärkerschaft Rotenburg die privaten Waldbesitzer zu einer Weiterbildung in das Hiddinger Hotel Röhrs eingeladen.

Weil die Käfer quasi ihren Anflug auf die Bäume vorbereiten, war der Saal restlos besetzt. Jetzt geht es für die Waldbesitzer nämlich darum, so viele Borkenkäfer und so schnell wie möglich unschädlich zu machen.

Forstdirektor Jochen Bartlau, Leiter des Forstamtes Nordheide-Heidmark, wies zu Beginn der Veranstaltung auf die enormen Schäden hin, die Stürme, Orkane und die monatelange Dürre bei gleichzeitigem Insektenbefall im vergangenen Jahr in den niedersächsischen Wäldern angerichtet hatten. Die Gesamtschadensmenge, so Bartlau, belaufe sich auf 2,7 Millionen Festmeter. Das seien 35 Prozent des Jahreseinschlages. Der Privatwald sei mit etwa 900 000 Festmetern betroffen. Niedersachsenweit belaufe sich der sogenannte Käferholzanfall, bedingt durch Dürre und Insektenschäden, auf rund eine Million Festmeter, davon allein rund 400 000 Festmeter im Privatwald.

Diese fünf Bezirksförster betreuen in den Kreis-Waldmärkerschaften Rotenburg und Verden 1 250 private Waldbesitzer mit einer Fläche von rund 15 000 Hektar, wobei die Kiefer mit 60 bis 70 Prozent dominiert:: Rainer Schild (Scheeßel), Detlef Paul (Sottrum), Ulf Wahlers (Visselhövede), Jürgen Raude (Kirchlinteln) und Udo Papenheim (Verden).

Heinrich Luttmann von der Forstbetriebsgemeinschaft Verden: „Die Fichte ist neben der Buche der große Verlierer des Klimawandels. Zunehmende Klimaextreme wie Stürme und Dürre setzen ihr stark zu.“

Geschäftsstellenleiter Nils Ermisch vom Forstamt Nordheide-Heidmark ergänzt: „Trotzdem bleibt die Fichte der Brotbaum der deutschen Forstwirtschaft. Deswegen versuchen wir mit dieser Veranstaltung die für den Privatwald wirtschaftlich bedeutsame Fichte auf geeigneten Standorten zu erhalten. Für die Holzindustrie scheint im Augenblick nur die Douglasie eine Alternative zu sein.“

Ermisch sieht für die Waldbesitzer auch keine rosige Zukunft: „Die Holzpreise liegen bei einem Drittel des Niveaus von 2017 bei gleichbleibenden oder steigenden Holzerntekosten. Das Jahr 2019 wird vermutlich keine Entspannung auf dem Holzmarkt bringen.“

Luttmann beschreibt die Holzmarktsituation so: „Man kann von einer Katastrophe reden. Der Holzmarkt befindet sich im freien Fall. Schlechter kann es nicht werden. Wir benötigen eine stärkere Förderung der forstfachlich Beratung und Betreuung im kleineren und mittleren Privatwald.“

Forstoberinspektor Axel Hartge, der die Informations- und Fortbildungsveranstaltung vorbereitet hatte, trug das zentrale Referat vor und gab den privaten Waldbesitzern wichtige Hinweise, wie man den Borkenkäfer mit unterschiedlichen Fangsystemen bekämpfen kann. Dabei standen der Rindenbrüter Buchdrucker und die Fichte als bevorzugte Baumart im Mittelpunkt.

Der Buchdrucker gilt als der forstwirtschaftlich bedeutsamste unter den rindenbrütenden Borkenkäfern. Bei 17 Grad beginnt der fünf Millimeter kleine Käfer auszuschwärmen und bevorzugt, geschwächte und absterbende Bäume zu befallen. Acht Wochen nach der Eiablage sind die Jungkäfer fertig entwickelt und beginnen neue Bäume zu befallen. Innerhalb eines Jahres kann es bis zu drei Generationen geben. Das heißt, ein Weibchen kann innerhalb eines Jahres bis 100 000 Nachkommen produzieren. Die Insekten bohren mit ihren Rüsseln Gänge zur Eiablage in die Rinde und unterbrechen damit die Versorgungsstränge der Bäume, die dann sterben.

Axel Hartge nannte wichtige Maßnahmen der Waldbesitzer als schützende Reaktion. Demnach ist eine saubere Waldwirtschaft mit einer weitestgehenden Vermeidung und Minimierung von bruttauglichem Material immens wichtig. Außerdem sei eine rasche Aufarbeitung und Beseitigung befallener Bäume sowie der Massenfang von Borkenkäfern durch spezielle Fangsysteme dringend nötig.

Diese Methoden und der fachgerechte Umgang mit ihnen wurden von Hartge ausführlich beschrieben. Dabei sei es wichtig, dass jetzt schnell gehandelt werde: „Nur noch wenige Tage, dann schwärmen die Borkenkäfer aus.“ Selbst die Landwirtschaftskammer warnt in einem Faltblatt: „Für das 2019 ist mit einer sehr hohen Population an Borkenkäfern zu rechnen.“

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