Klassik-Schulung

Justus Frantz bringt Visselhövede Beethoven näher

Justus Frantz spielt Beethoven. Fotos: Zindler
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Justus Frantz spielt Beethoven.

Visselhövede - Von Wolfram Zindler. Klassische Musik hat es schwer, einen großen Kreis von Interessenten zu erreichen. Das ist nicht neu und mag damit zusammenhängen, dass man Klassik nicht gut nebenbei hören kann. Man muss sich darauf einlassen, aber dann öffnet sich einem eine faszinierende Welt.

Das mag vielen der Besucher so gegangen sein, als sie am Freitagabend Justus Frantz in der Visselhöveder Kirche mit Ludwig van Beethoven erlebten. In Klavierkonzerten setzen sich die Pianisten an das Instrument und beginnen zu spielen – vorausgesetzt wird, dass die Zuhörer über die Musikstücke Bescheid wissen. 

Die Besucher hält es nicht auf den Kirchenbänken.

Nicht so bei Frantz. Er erklärte vor jeder Sonate, wie sie zu verstehen ist, und steuerte Anekdoten bei. So, als Haydn zu Beethoven gesagt haben soll, „so können Sie das nicht komponieren,“ hätte der geantwortet: „Sie nicht, ich schon.“ Frantz spielte drei Sonaten, die zu den bekanntesten Beethovens gehören. 

Die frühe Sonate op. 13, die sogenannte Pathetik, ist auch von Laienmusikern noch zu spielen, trotzdem schon „echter“ Beethoven mit harten Schlägen und einem wunderschön getragenen zweiten Satz. Zur „Mondscheinsonate“ op. 27, die zu Unrecht so heißt, sagte Frantz, der zweite Satz sei ein Tanz „wie er damals hätte auch in Visselhövede getanzt werden können,“ beim dritten Satz aber würde man „von Furien gescheucht,“ weil er ein rasendes Tempo verlangt. Vor der Pause spielte er noch etwas unmotiviert, dennoch im Stil passend, ein Impromptu von Chopin.

Nach der Pause dann Beethovens Sonate op.57, die Appassionata. Sie gilt als Schlüsselwerk Beethovens. Er schrieb sie, als er merkte, dass sein Gehör nachlässt. Der 75-jährige Frantz zeigte am Flügel, dass seine Kraft ungebrochen ist. So hielt er sich mit den leisen Passagen nicht lange auf und griff lieber voll in die Tasten. Als Dank spendete ein begeistertes Publikum stehenden Applaus. Besucherin Doris Schliep fasste die Stimmung passend zusammen: „Mir hat es sehr gut gefallen. Wer von Klassik nicht so viel versteht, wird begeistert sein.“

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