Kulturverein „EigenArt“ holt Stephan Schrader mit Erstlingswerk „Cello-Loop“

Der Klang der Lasagne

Stephan Schrader Foto: Heyne

Visselhövede – Wer hätte das gedacht: Loop hat viel weniger mit Loopings oder Salti zu tun als mit Lasagne – das erläuterte Stephan Schrader am Samstagabend den rund 60 Zuhörern im Visselhöveder Heimathaus.

Der Cellist der Kammerphilharmonie Bremen, ein ebenso virtuoser Musiker wie Moderator, hat sich, wie es scheint, mit seiner „Loopmaschine“ einen Große-Jungen-Traum erfüllt, ermöglicht ihm die Technik mit den vielen Pedalen doch, quasi sein eigenes Orchester live vor dem Publikum entstehen zu lassen. „Wie eine Lasagne“ funktioniere das, wie der Bremer auf Einladung der Kulturinitiative „EigenArt“ erklärte: Schicht auf Schicht werden die gerade aufgenommenen Sequenzen gestapelt, und dank Hall-Gerät „kommt noch viel Soße dazu“.

Dies sollte sich als bekömmliches und immer wieder neues Gericht erweisen – zumal der Meister der Saiten und Pedale auch gern mal mehrere „Lasagneformen“, also Loops unterschiedlicher Länge übereinanderschichtet. Das ergibt, wie beim virtuellen Ritt durch die Wüste, auch mal unerwartete Klangkombinationen – auch für den Musiker selbst, als er im Studio experimentierte. Und das tut er gern und gut. Ob Gershwin, Abba, Eigenkompositionen oder Beethoven – Schrader wandelt zwischen Lust und Anspruch. Das verrät schon sein Äußeres: seriöser schwarzer Frack, dazu rote Socken.

Seine musikalischen Gerichte haben, auch durch die elektronische Verzerrung, ihren ganz eigenen Charme. Ohne Berührungsängste vor unterschiedlichen Stilen und Einflüssen grummelt er den Beat ins Mikro, lässt sich von den Grillorgien der Nachbarn zu kreativen Eigenkompositionen animieren und versteckt in all der „Soße“ gern mal musikalische Zitate – ein „Klingglöckchen“ hier, ein „Hey Jude“ dort oder ein paar Takte „Für Elise“ im spanische angehauchten „Olé“.

„Mir macht es Spaß, mit dem musikalischen Kosmos zu spielen“, verrät der Hochschuldozent in der Pause, auch wenn ihm die Technik eine mindestens ebenso große Präzision wie das Orchesterspiel abverlange. Aber eben auch ein ungeahnte musikalische Freiheit, wie in seinem Stück „Fünf plus Sechs“, nach dem vertrackten Rhythmus benannt, die er mit Stöhn- und Klacklauten einsingt – wie eine Bierreklame mit plöppendem Korken.

Das Prinzip der Looptechnik haben die Besucher schnell verstanden: „Das ist, als wenn er im Kanon mit sich selbst singt“, meint Inge Brase-Struck, und Ehemann Ralf Struck fühlt sich ein bisschen an Mike Oldfield erinnert. Kann er auch, vor allem bei einem der stärksten Stücke, nämlich der Interpretation der „Freude schöner Götterfunken“ – fast ein Muss im Beethoven-Jahr.

Ebenso genial: Morricones Titelmelodie aus „Spiel mir das Lied vom Tod“, in der das Cello der ursprünglichen Mundharmonika in nichts nachsteht – natürlich mit viel Soße, pardon: Hall.

In der Zugabe loopt Schrader lustvoll nicht nur die vier Stadtmusikanten in B-Besetzung mit Kuh und Schwein, sondern auch, am Ende der zwei Stunden immer noch technisch virtuos, Abbas „The winner takes it all“. Da möchte man dem kreativen, humorvollen Schleifendreher zurufen: „Bravo, Agneta – und Benni, und Björn und Frieda – Loop sei Dank!“  hey

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