Interview mit Rotenburgs Superintendenten Dr. Michael Blömer

Visselhöveder Pastorensuche: „Wir müssen Geduld haben“

Pastor Michael Blömer, Superintendent Rotenburg.
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Pastor Michael Blömer, Superintendent Rotenburg.

Visselhövede – Der Kirchenregion Visselhövede, Kirchwalsede, Brockel gehen so langsam die Pastoren aus. Zwar wurde mit Hermann Detjen ein Nachfolger für Matthias Wilke gefunden, aber Kontinuität in den Gotteshäusern sieht eigentlich anders aus. Der Superintendent des Kirchenkreises Rotenburg, Dr. Michael Blömer, klärt auf.

Herr Blömer, erst Karin Klement, dann Matthias Wilke, jetzt Ralf Altebockwinkel und im Januar verlässt auch Florian Hemme die Kirchenregion: Warum laufen Ihnen die Pastoren weg?

Karin Klement kann nun ihre letzten Dienstjahre an dem Ort verbringen, an dem sie auch in ihrem Ruhestand leben möchte. Matthias Wilke hat die Stelle des Leiters des Predigerseminars in Loccum angeboten bekommen, Ralf Altebockwinkel wollte mit seiner Familie seinen Schwiegereltern näher sein und auch Florian Hemme möchte mit seiner Familie seinen Schwiegereltern näher kommen und sucht eine neue Herausforderung bei der Militärseelsorge. Sie sehen, es sind vielschichtige und vor allem eben persönliche Gründe, wenn Pastorinnen und Pastoren ihre Stelle wechseln. Insofern würde ich nicht sagen, dass der Kirchenregion die Pastoren weglaufen, sondern dass es in der Häufung gerade die Region unglücklich trifft.

Im Fall Altebockwinkel halten sich die Gerüchte in der Kirchengemeinde Brockel, dass es einfach zu lange gedauert hat, den Bau eines neuen Pastorenhauses auf die Schiene zu setzen. Für eine Familie mit drei Kindern ist das alte Haus viel zu klein. Stimmt das?

Herr Altebockwinkel hat betont, dass er sich in dem alten Haus, dem Küsterhaus, wohlgefühlt hat. Auf lange Sicht ist das Haus aber natürlich sicher zu klein für eine inzwischen fünfköpfige Familie. Aber der Auftrag für den Bau eines großen Pfarrhauses ist ja unterschrieben und wird im nächsten Jahr umgesetzt.

Warum können solche Pläne nicht schneller realisiert werden?

Das hat viele Gründe. Zunächst musste der Kirchenvorstand die nicht leichte Entscheidung fällen, das alte Pfarrhaus mit seiner langen Geschichte abzugeben. Dann musste ein Standort für das neue Pfarrhaus gefunden werden. Ein Architekt musste Entwürfe erstellen, die den landeskirchlichen Vorgaben für Dienstwohnungen anzupassen waren. Parallel dazu musste die Finanzierung des Projektes geklärt werden. Hier gab es verschiedene Briefwechsel mit dem Landeskirchenamt in Hannover.

Heilig-Kreuz-Kirche in Brockel

Dabei haben sich die Verantwortlichen offenbar sehr viel Zeit gelassen?

Dass die Antworten manchmal etwas auf sich warten ließen, liegt aber auch daran, dass unsere Landeskirche bei den Finanzen schon sehr genau prüft, ob alles auch gerechtfertigt ist. Mit Kirchensteuern müssen wir schließlich verantwortungsvoll und sorgsam umgehen. Zuletzt dauerte allerdings auch der Verkauf des alten Pfarrhauses. Der Erlös wird zur Mitfinanzierung des neuen Hauses gebraucht. Und aktuell kommt das Problem hinzu, dass das beauftragte Bauunternehmen aufgrund gut gefüllter Auftragsbücher leider erst im nächsten Jahr starten kann.

Fehlt es der Landeskirche an ausreichend Geld für solche Projekte?

Grundsätzlich fehlt es der Landeskirche nicht an Geld für solche Projekte. Aber natürlich sind die Mittel begrenzt, und es wird sehr genau geprüft, welche Baumaßnahme unterstützt wird.

Wer entscheidet bei solchen Investitionen alles mit?

Zunächst ist der Kirchenvorstand das Gremium, das die Entscheidung über den Neubau trifft. Der Kirchenkreis und die Landeskirche beteiligen sich an der Finanzierung und werden diesbezüglich natürlich dann mit einbezogen.

Wird es eigentlich immer schwieriger, Pastoren fürs Land zu finden?

St.-Bartholomäus-Kirche in Kirchwalsede.

Grundsätzlich wird das in unserer Landeskirche so beobachtet. Bislang haben wir bei uns im Kirchenkreis in den vergangenen Jahren aber immer noch alle Stellen besetzen können. Ein gutes Beispiel ist die zügige Neubesetzung der Stelle in Kirchwalsede durch Pastor Hermann Detjen. Ich bin auch zuversichtlich für die Neubesetzung der jetzt frei gewordenen Stellen. Allerdings müssen wir möglicherweise auch etwas Geduld haben.

Wie sieht die Nachwuchssituation überhaupt aus?

Die Anzahl der jungen Menschen, die jährlich Pastorinnen und Pastoren werden, bewegt sich auf einem gleichbleibenden Niveau. Da aber in den nächsten Jahren starke Jahrgänge in den Ruhestand eintreten, wird der Nachwuchs die Lücken nicht füllen können.

Ist es noch attraktiv, Dorfpastor zu sein?

Ich bin selber 18 Jahre sehr gerne Dorfpastor gewesen. Man kennt sich und begleitet seine Gemeindemitglieder von der Wiege bis zur Bahre. In den Städten ist es da doch deutlich anonymer. Natürlich wird das von jedem anders bewertet. Ein Problem des Dorfpfarramtes ist es aber, dass es für die Ehepartner häufig sehr schwierig ist, einen ortsnahen Arbeitsplatz zu finden.

Wie kann man Anreize schaffen, eine Stelle auf dem Land anzutreten?

Wichtig sind Arbeitsstrukturen, die nicht zur Überlastung führen, und natürlich attraktive Wohnverhältnisse.

Was verdient ein Pastor in der angesprochenen Kirchenregion?

Die Besoldung eines Pastors ist unabhängig vom Dienstort. In der Höhe entspricht sie der Besoldung eines niedersächsischen Gymnasiallehrers. Für ihre Dienstwohnung zahlen Pastorinnen und Pastoren übrigens eine Dienstwohnungsvergütung.

St.-Johannis in Visselhövede.

Was sagen Sie den Menschen in den Kirchengemeinden, die jetzt ohne Stamm-Pastor auskommen müssen?

Eine Kirchengemeinde lebt ja nicht nur von dem Dienst der Pastorinnen und Pastoren, sondern auch von den aktiven Gemeindemitgliedern, die vieles im Gemeindeleben gestalten. In Visselhövede, Brockel und Kirchwalsede gibt es ja eine Menge engagierte Ehrenamtliche. Dazu kommen noch die Diakone, die für die Jugend- und Konfirmandenarbeit sorgen.

Also gibt es Vertreter?

In Visselhövede ja schon unsere Springerpastorin Andrea Zickler tätig und in Brockel wird Pastor Lars Rüter aus Lauenbrück, der ebenfalls eine Viertelstelle als Springer hat, die Arbeit organisieren. Zudem haben wir mit Pastor De van Nguyen einen Pensionär, der eine Zeit lang aktiv sein wird. Auch andere Pensionäre haben schon ihre Unterstützung zugesagt. Allerdings muss auch klar gesagt werden, dass in einer Vakanzsituation durch Vertretungskräfte nicht alle Wünsche erfüllt werden können. Hier bitten wir die Gemeinde auch um Verständnis und Geduld.

Wie halten Sie die Vertreter bei Laune?

Ich weiß von allen Vertreterinnen und Vertretern, dass sie ihre Arbeit mit sehr viel Freude machen. Sollte es zu einer Überlastung kommen, stehen aber noch genug andere Kolleginnen und Kollegen im Kirchenkreis zur Verfügung.

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