Nach zehn Jahren Milchprogramm ist Schluss

Kinder lauschen letztmalig dem Grummeln im Pansen

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Tanja Bremer zeigt den Kindern, wie das Kühemelken heutzutage funktioniert. Aus persönlichen Gründen hört die Familie zum Saisonende jedoch mit dem Lehrangebot auf.

Buchholz - Von Angela Kirchfeld. 75 Milchkühe tummeln sich auf Bremers Hof in Buchholz. Als Christiane Burandt-Gabriel vom Riepholmer Verein „Ackern & Rackern“ im Jahr 2007 Tanja, Friedo und Ingrid Bremer fragte, ob sie den Hof und ihre Arbeitszeit für Besuche von Schulklassen zur Verfügung stellen würden, waren sie sofort mit Begeisterung dabei.

Seitdem haben knapp 3.000 Besucher an Bremers Kühen das Melken gelernt, Kälber gefüttert, den Melkstand erlebt und Butter selbst gemacht. Aus persönlichen Gründen hört die Familie zum Saisonende jedoch mit dem Lehrangebot auf. Mit viel Geduld und Freude hat Tanja Bremer den Kindern viele Fragen verständlich beantworten können und ihnen viele Möglichkeiten des Erfahrens eröffnet, erzählt sie. So durften die Grundschüler im Kuhstall auch die „Matratzen“ der Kühe testen, die sich drehende Kuhbürste ausprobieren, die großen Kuhfladen auf der Weide auseinandernehmen und eben direkt ran an die Kuh. Aber das lässt nicht jedes Rind mit sich machen. „Ich habe aber immer eine geduldige und unempfindliche Kuh für die vielen Melkerhände gefunden – zwei von ihnen wurden zu echten Lehr-Profis“, versichert die Landwirtin schmunzelnd.

Es haben sich nicht alle Kinder auf Anhieb getraut, das warme große Euter anzufassen. Aber nach einem kleinen Melkkurs hat schließlich jeder Mutige mit Tanja Bremers Hilfe ein paar warme Milchstrahlen daraus melken können. „Die anderen konnten sich dann an die Kuh lehnen, ihre Wärme fühlen oder mit einem Ohr an ihrem Bauch dem Grummeln im Pansen lauschen.“

Besucher im Alter von drei bis 81 Jahren

Nicht nur Schulklassen konnten in den vergangenen zehn Jahren auf dem Hof vieles lernen, sondern auch interessierte Elterngruppen, eine Gruppe Senioren aus dem Altersheim, Kindergärten und Menschen mit Behinderungen. Das Altersspektrum der Besucher reichte von drei bis 81 Jahre. „Das hat die Arbeit interessant gemacht“, so Tanja Bremer.

Das Milchprogramm hat in den vergangenen Jahren einen zentralen Platz bei den Veranstaltungen des Schulbauernhofs „Ackern & Rackern“ eingenommen, das sich auch in das Förderprojekt „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ der Niedersächsischen Landesregierung einbindet. „Uns ist es dabei nicht wichtig, dass die Kinder die einzelnen Körperteile der Kuh benennen können, sondern dass sie erfahren, dass all die Milch und Milchprodukte, einschließlich Eiscreme, von diesen Tieren stammen, aus diesen Eutern gemolken werden – und wie kostbar sie sind“, verdeutlicht Christiane Burandt-Gabriel. So stellt sie dann stets zum Ende eines erlebnisreichen Besuchs auf dem Hof die Frage: „Wem haben wir denn die leckere Butter und all die Milch zu verdanken?“, – gefolgt von viel Beifall für die Kühe und für Familie Bremer.

Wichtig war es Tanja und Friedo Bremer dabei immer, keinen Streichelzoo zu zeigen, sondern einen Einblick in die Arbeit auf einem Haupterwerbsbetrieb zu geben. Die Integration von Schulkassen in den Arbeitsalltag ist dabei nicht immer leicht und hat viel Toleranz gebraucht. Doch der Erfolg bei den Kindern war sehr groß. Die Nachfrage nach Besuchsterminen war höher als die Kapazitäten. Insbesondere die Kastanienschule in Visselhövede war regelmäßig auf dem Hof zu Gast.

Mit dem Ausklang der diesjährigen Saison bei „Ackern & Rackern“ läuft aus persönlichen Gründen auch das Milchprogramm bei Bremers aus.

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