Baumschule Priebe züchtet klimaresistente Holzarten

Kettenburger Eichen retten den Harz

Harald Priebe vor seinem Pflanzroboter.
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Harald Priebe bekommt bei der Aufzucht von Bäumen, die mit Trockenheit gut klarkommen, Hilfe vom Roboter.

Kettenburg – Anhaltende Trockenheit, Monokulturen und dann auch noch der Borkenkäfer machen vielen Wäldern Niedersachsens arg zu schaffen. Daher geizen die zuständigen Forstämter zurzeit nicht damit, Ausschreibungen an Baumschulen zu schicken, um die Wälder schnellstmöglich, effektiv und an die Klimaveränderung angepasst wieder aufzuforsten. „Alleine im Harz haben wir im vergangenen Jahr 150 000 Pflanzen gesetzt“, informiert Harald Priebe, Inhaber der gleichnamigen Baumschule in Kettenburg.

Sein Opa Alfred Priebe hatte den Betrieb vor 70 Jahren gegründet. „Unsere Nachkriegsgeneration hat halt das gepflanzt, was an Saatgut zur Verfügung stand. Meistens Kiefer und Fichte. Das war aber nicht standortgerecht. Jetzt sind diese Bäume durch Trockenheit geschwächt, vom Käfer befallen und die Wälder werden kahl“, verdeutlicht der 51-jährige Gärtner, der die Baumschule 1994 übernommen hatte.

„Das hat zur Folge, dass wir nur noch geringen Fichtenbestand haben. Hinzu kommt, dass durch den Bauboom diese Holzart stark nachgefragt ist und nicht so schnell nachwächst. Dadurch verteuert sich der Preis natürlich“, erläutert Priebe die Zusammenhänge.

Im Gewächshaus gedeihen die Retter des Harzes gut.

„Unsere Aufgabe ist es nun, entsprechende Gehölze anzubauen, um so dem Klimawandel entgegenzuwirken. Einerseits zur Holzgewinnung, andererseits um Kohlenstoffdioxid zu binden.“ Einfacher gesagt als getan, denn durch die trockenen Jahre 2019 und 2020 wachsen die Gehölze nicht gut an. Nun heißt es für Priebe und sein rund 20-köpfiges Team, klimaresistente Bäume zu setzen, die besser mit der Trockenheit klarkommen.

Dazu gehören hauptsächlich Laubgehölze wie Eiche, Baumhasel, Marone oder Schwarznuss. Aber auch südliche Nadelhölzer wie Zeder, Douglasie und Lärche werden gerne genommen. Übrigens erhalten die Waldbesitzer für die Aufforstung Zuschüsse von der EU. „Nach Erstellung des Förderantrags erfolgt eine Standortkartierung, um zu sehen, welche Bäume gepflanzt werden sollen“, erläutert Priebe.

Die Setzlinge sollen mal ganz groß werden.

Bis zu zwei Millionen Sämlinge pro Jahr sind in den Kettenburger Gewächshäusern zu zählen. Ein Hektar befindet sich unter Folie, 13 Hektar sind Freifläche. Um die anfallende Arbeit zu schaffen, hat das Kettenburger Unternehmen im Oktober 2020 eine Viertelmillion Euro in einen Pflanzroboter investiert, der die Arbeit von acht Helfern übernimmt. Vor der Anschaffung der Maschine haben die Arbeiter die Sämlinge manuell in den nächstgrößeren Pflanzcontainer gesetzt, wie die Töpfe heißen. „Unsere Arbeiter kommen aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Sie wurden natürlich vor ihrem Einsatz auf Corona getestet. Doch außer in ihren Unterkünften sind sie nur im Wald unterwegs, sodass wir bisher noch nie Schwierigkeiten mit Corona hatten“, zeigt sich Harald Priebe angesichts der Pandemie erleichtert.

Durch den Roboter haben die Helfer zwar mehr Zeit für andere anfallende Arbeiten, aber es ist auch noch eine Menge Handarbeit angesagt, denn Eicheln, Kastanien und Nüsse werden noch manuell in die Erde gesät – alles Früchte, die für den Roboter zu schwer sind.

Doch nicht nur Lohnanzuchten für Forsten bereitet die Baumschule vor. Priebes Team übernimmt auf Wunsch auch das Pflanzen der kleinen Bäume. Das Einsatzgebiet beläuft sich vom Küstenraum bis in den Harz und vom Weserbergland bis nach Brandenburg.

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