Frauen sollen nach Bremerhaven

Kein Angebot in Visselhövede: 120 Kilometer zur Mammografie?

Ein Mammographie-Röntgengerät zur Brustkrebsvorsorge. Frauen aus Visselhövede müssen für dieses Angebot mitunter weit fahren.
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Ein Mammographie-Röntgengerät zur Brustkrebsvorsorge. Frauen aus Visselhövede müssen für dieses Angebot mitunter weit fahren.

240 Kilometer Hin- und Rückfahrt für eine Mammografie? So stellt man sich das für Visselhövederinnen vor. Die schütteln den Kopf, das sieht keine von ihnen ein. Dabei ist diese Form der Vorsorgeuntersuchung so wichtig, sagen sie - und müssen sich Alternativen suchen.

Visselhövede – 18 000 Frauen sterben jährlich an Brustkrebs. Etwa 55 000 Neuerkrankungen gibt es im Jahr. In Deutschland betrifft es jede achte Frau. Brustkrebs ist hierzulande die häufigste Krebserkrankung. Zur Früherkennung eignet sich am besten eine Mammographie, auch wenn sie keine absolute Sicherheit bieten kann. Überhaupt muss ein solches Angebot auch erreichbar sein.

Und in diesem Punkt mussten sich zuletzt einige Frauen in Visselhövede sehr wundern, als sie zur Mammografie nach Bremerhaven eingeladen wurden – immerhin 120 Kilometer Autofahrt. Pro Richtung.

Früher konnten sie den Termin bequem wahrnehmen

Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren werden alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen. Ziel ist es, die Tumore im Frühstadium zu entdecken. Denn je früher sie erkannt werden, desto größer sind die Heilungschancen. Schon vor dem ertastbaren Zustand werden die Knötchen durch die Mammographie erkannt. Das Ergebnis erfahren die Frauen eine Woche später. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen.

Praktischerweise stand alle zwei Jahre ein sogenanntes Mammobil für eine gewisse Zeit an einem zentralen Ort. Auch in Visselhövede. So konnten die angeschriebenen Frauen den vorgeschlagenen Termin auch ganz bequem und realistisch wahrnehmen.

Auch in diesem Jahr erhielten die Berechtigten wie bisher vom Mammographie Screeningzentrum Bremen eine Einladung, jedoch eben ins entfernte Bremerhaven. „Ich finde es für die hiesigen Frauen unzumutbar, nach Bremerhaven zu fahren. Vor zwei Jahren wurden wir noch nach Rotenburg eingeladen, nun nach Bremerhaven. Das ist nicht umweltbewusst. Viele Frauen werden den Termin absagen oder gar nicht wahrnehmen können“, ärgert sich zum Beispiel Inge Pietrek. Die 64-Jährige hat daraufhin beim Screeningdienst angerufen, um einen heimatnahen Termin gebeten. Sie wurde nach Verden geschickt.

Alternativen in der Region

Auch Anke Osmers aus Nindorf kann nur den Kopf schütteln. „Ich finde es ganz schlimm. Über das Internet bekam ich zum Glück einen Termin in Rotenburg.“ Eine Bekannte habe dagegen einen Alternativtermin in Hannover erhalten. „Da fährt doch niemand extra hin. Einige haben kein Fahrzeug oder trauen sich bei der Witterung nicht mehr die Autobahnfahrt zu.“ Hätte sie den Termin in Rotenburg nicht erhalten, wäre die 65-Jährige gar nicht zur Mammographie gefahren. Osmers arbeitet ehrenamtlich als Grüne Dame im Diakonieklinikum in Rotenburg und kennt eine Mitarbeiterin des Mammobils aus der Radiologie des Krankenhauses. Die Frage, warum kein Mammobil mehr über Land fährt, sei mit Personalmangel begründet worden.

„Ich finde es unmöglich, dass ein Landkreis wie Rotenburg es nicht schafft, zentrale Mammographiestellen für so viele Frauen anzubieten“, sagt auch Petra Sommer. Die 66-Jährige hat einen Termin in Zeven erhalten – 45 Kilometer Autofahrt.

Personalmangel ist Ursache des Problems

Aus der Radiologie des Diakonieklinikums Rotenburg gibt es auf Anfrage keine Auskunft. Man verweist an die zentrale Stelle des mobilen Screeningdienstes in Bremen. Die zentral einladende Stelle für den Rotenburger Raum hält sich ebenfalls bedeckt mit Auskünften. Sie ist gleichzeitig für die Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg zuständig, koordiniert nur die Termine und berät die Frauen. Auskunft kann dafür das Röntgeninstitut Bremerhaven (IRNB) geben. „Coronabedingt haben wir einen Fachkräftemangel, sodass wir es nicht realisieren konnten, ein Mammobil in Visselhövede aufzustellen“, bestätigt Sabrina Kodeiro von der Organisationsstelle des IRNB. „Das soll jedoch kein Dauerzustand sein.“

Doch was kann eine Visselhövederin tun, wenn man sie zum Screening nach Bremerhaven einlädt? Frauenarzt Dr. Michael Heise, der in der Vissel-Stadt praktiziert, rät allen angeschriebenen Frauen, sich zu beschweren. Alternativ könne er ihnen eine Überweisung in eine radiologische Praxis in Rotenburg ausstellen. „Ich habe mich auch schon beschwert. Es ist eine Personalfrage. Erst hatten sie für Visselhövede kein Personal mehr, nun fehlt es auch in Rotenburg“, ärgert er sich. Dabei mache ein Screening nur Sinn, wenn möglichst viele mitmachen. „Bei diesen Angeboten fehlt vielen Frauen die Möglichkeit und die Motivation. Es ist ein Vorgang von Verwaltungsmenschen, die scheinbar die Landkarte nicht im Kopf haben.“

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