Segelflieger landet bei Wehnsen

Kartoffelacker hält das Flugzeug stabil in der Spur

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Dominik Brokmann hat die Außenlandung seines Segelflugzeugs auf einem Wehnser Kartoffelacker sicher und ohne Schäden am Fluggerät gemeistert. 

Wehnsen - Von Jens Wieters. „Nein, nein, nein, das war keine Notlandung, sonder eine kontrollierte Außenlandung“, stellt Dominik Brokmann klar. Und in Not sieht der junge Mann wahrlich nicht aus, wie er ein wenig schmunzelnd im Schatten eines Baumes auf einem Kartoffelacker bei Wehnsen hockt. Sein Segelflugzeug, das ein paar Meter weiter zwischen den Furchen klemmt, hat er dabei immer im Blick.

Dennoch schauen Auto- und Motorradfahrer schon neugierig rüber, denn ein Flugzeug liegt nicht alle Tage auf dem Acker. „Ich habe ganz einfach keine Thermik mehr gefunden und mich darum zu der Außenladung entschlossen“, sagt Brokmann, der seit 2015 den Pilotenschein für Segelflugzeuge in der Tasche hat und an diesem heißen Freitagnachmittag die erste Außenladung mit Bravour gemeistert hat. „Eine Landung außerhalb eines Flugplatzes ist nicht ungewöhnlich, sondern kommt häufiger vor“, erläutert der Bremerhavener.

Vor dem ungeplanten Bodenkontakt war er mit seinem rund 400 Kilogramm schweren Fluggerät mittendrin im Wettbewerb des Gert-Zeiger-Vergleichsfliegens, das von Freitag bis Sonntag am Rotenburger Flugplatz gestartet wurde, und an dem der 20-Jährige für seinen Luftfahrtverein Unterweser teilnahm. „In rund 400 Meter Höhe habe ich plötzlich keine aufsteigende Luft mehr zu fassen bekommen und musste dann spätestens bei 180 Metern entscheiden, wo ich lande“, sagt Brokmann.

Ein Acker als Landebahn - das ist ideal

Ideal für eine Außenlandung sei schon ein Kartoffelacker, den die relativ geraden Furchen halten das kleine Fahrwerk des Fliegers in der Spur. „Von oben sehen die Felder allerdings alle ziemlich gleich aus, sodass auch ein bisschen Glück dazugehört, dass man beim Landen kein Hindernis erwischt.“

Während des Landeanflugs verringert der Pilot durch zwei 90-Grad-Kehren Stück für Stück seine Flughöhe, um den Vogel dann gegen den Wind auf der Wiese oder in diesem Fall auf dem Kartoffelfeld möglichst sanft aufzusetzen. „Wenn keine großen Steine oder Zäune im Weg sind, gibt es auch nur ein paar Schrammen am Unterboden“, bleibt Brokmann sehr gelassen.

Nach der Landung klappt der Pilot seine Kuppel auf, klettert aus dem fragil wirkenden Flieger und schnappt sich das Handy, um seine Vereinskameraden zu informieren. Die machen sich sofort mit Bus und Spezialanhänger auf den Weg, um den Gestrandeten abzuholen. „Auch das funktioniert recht zügig, denn ich kann ja die exakten Koordinaten durchgeben. Aber heute habe ich einfach eine WhatsApp geschickt“, erzählt der Pilot, der in seinem jungen Leben bereits 452 Flüge absolviert hat.

Flugzeug lässt sich einfach verladen

Das Verladen des Flugzeugs, das immerhin eine Spannweite von 15 Metern hat, ist relativ simpel. „Die mit Bolzen gesicherten Flügel sind nur gesteckt und werden einfach abgenommen. Zusammen mit dem Rumpf werden sie in den Anhänger geschoben und fertig.“

Bereits nach einer guten Stunde sitzt Brokmann im Auto in Richtung Flugplatz Rotenburg. Auf dem Schoß den Fallschirm, der „zwar nicht Pflicht ist, aber bei vielen Segefliegern an Bord zur Sicherheit immer umgeschnallt ist“. Den hat er über Wehnsen zum Glück nicht gebraucht, aber eines macht Brokmann doch Sorgen: „Gewinnen werde ich den Vergleichsflug jetzt nicht mehr.“

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