Das weiße Gold der Wüstentiere

Kamelfarm Marquard in Hiddingen bietet Kamelmilch an

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Beeke Marquard ist gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Eigentümer der Kamelfarm in Hiddingen. Seit Juli bieten sie auch Milch von den Wüstentieren an.

Hiddingen   - Von Farina Witte. Vollkommen entspannt liegen die Kamele auf der Wiese der Kamelfarm der Familie Marquard in Hiddingen und käuen wieder. Besucher beäugen sie neugierig und scheuen nicht davor zurück, sie auch mal aus nächster Nähe zu beschnuppern. 60 Kamele leben auf dem Hof. Neben geführten Ausritten auf den gemütlichen Wüstentieren bietet Familie Marquard seit einigen Wochen auch Kamelmilch an.

Seit Juli darf die Milch ab Hof verkauft werden, erzählt Inhaberin Beeke Marquard. Der Weg dahin war lang, denn es gab viele Auflagen zu erfüllen, ehe die Genehmigung durch das Veterinäramt Rotenburg erteilt wurde. Die Marquards möchten allerdings gerne auch eine EU-Zulassung erhalten, um das exotische Produkt weitreichender verkaufen zu können. Dazu müsste das Erzeugnis, das derzeit als Rohmilch verkauft wird, pasteurisiert werden. „Wobei leider auch die guten Inhaltsstoffe verloren gehen“, bedauert Marquard. Immerhin enthalte Kamelmilch fünf Mal so viel Vitamin C wie Kuhmilch und auch der Gehalt von Eisen und Calcium sei um einiges höher. Verträglich sei die Milch auch für Menschen mit Laktoseintoleranz. Geschmacklich sei die Milch der Wüstentiere dem der Kuhmilch dafür ähnlich. „Sie ist vielleicht leicht salziger.“

Fünf Tiere geben täglich je drei Liter

Obwohl die Milch pasteurisiert werden muss, möchten die Marquards die zusätzliche Zulassung erhalten. Die wird nun über das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) vergeben und nicht mehr über das Veterinäramt des Landkreises. „Da war kürzlich auch schon jemand hier und war ganz zufrieden“, berichtet die Kamelhalterin.

Derzeit werden fünf Kamelstuten einmal täglich gemolken. Jedes Tier gibt etwa drei Liter pro Melkgang.

Das Einzige, das noch fehlt, ist ein Pasteurisator. „So ein Gerät ist preislich im fünfstelligen Bereich angesiedelt“, rechnet sie, „aber eventuell können wir eine Gebraucht-Lösung finden.“

Derzeit werden fünf Kamelstuten einmal täglich gemolken und geben pro Tier etwa drei Liter. Die Milchproduktion möchte sie künftig noch steigern, sodass dann eventuell auch mehr Stuten gemolken werden. Doch zunächst muss etwas Routine in den Melkvorgang kommen. „Sowohl für uns als auch für die Tiere ist es noch relativ neu“, meint Marquard. Für die Kamele müsse alles mit viel Ruhe ablaufen und es sollte immer der gleiche Ablauf sein, sonst fühlten sich die Tiere gestört. „Und dann könnte es sein, dass sie weniger Milch geben.“ Etwa ein Jahr kann eine Kamelstute gemolken werden, denn so lange säugt sie auch ein Fohlen. Alles zwei Jahre bekommen Stuten Nachwuchs nach einer Tragzeit von zwölf Monaten und zwei Wochen.

Gemolken werden ausschließlich Dromedare

Allerdings werden nur Dromedare, also die Tiere mit einem Höcker, gemolken. „Die Trampeltiere mit zwei Höckern haben zu kleine Zitzen, um gemolken zu werden“, erklärt Marquard, „Trampeltiere kommen aus den Wüsten in Asien“, so die langjährige Besitzerin beider Kamelarten. „Dromedare stammen aus den Wüsten in Nordafrika und dem Orient.“

Kamelmilch soll sehr gesund sein.

Nicht alle Kamele, die auf dem Hof geboren werden, bleiben dort. Auch der Verkauf einiger Kamele gehört dazu, sagt Marquard. Viele Tiere werden in das europäische Ausland exportiert, wobei es die Zahl der Kamelhalter überschaubar ist. Was die Produktion von Kamelmilch betrifft, ist der Hiddinger Hof der einzige in Deutschland. „Nur in den Niederlanden gibt es noch einen Hof, der Kamelmilch anbietet“, so Marquard.

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