Johanniter-Rettungshundestaffel und BSC bauen Schulungshaus / Bundessiegerprüfung 2016

Damit im Ernstfall alles klappt

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Matthias Scharf mit seiner Schäferhündin Emma auf dem Trümmerhügel

Visselhövede - Von Jens Wieters. Es riecht nach Kräutern und Blumen, nach modrigem Wasser und ein Stückchen weiter nach Plastik und Benzin. Und zwischen all diesen „Düften“ soll Schäferhündin Emma nicht nur den Geruch eines Menschen erkennen, sondern den Fund auch verbellen, wie es in der Fachsprache heißt. Denn auf dem Trümmerhügel der Visselhöveder Johanniter-Rettungshundestaffel wird regelmäßig für den Ernstfall trainiert.

Die verschobenen Betonplatten in einem Gewirr von Stahlträgern, Rohren, Tonnen und Röhren, die einem zusammengestürztem Haus gleichen, sind nur ein Teil des gut zwei Hektar großen Übungsgeländes, das dem Visselhöveder Breitensportclub für Turnierhunde (BSC) gehört und von den Hundeführern der Johanniter genutzt wird.

„Und bald nicht nur von uns, sondern von vielen Hilfskräften, die mit Rettungshunden arbeiten – wie zum Beispiel das THW, das DRK oder die Feuerwehr“, erläutert Joachim Raddatz, Staffelführer des Johanniter-Teams und Vorsitzender des BSC. Denn die Hilfsorganisationen haben großes vor auf dem hübsch gepflegten Gelände im Visselhöveder Ortsteil Delventhal. „Wir planen ein Schulungsgebäude, das bereits im kommenden Jahr zu Ausbildungszwecken bezogen werden soll“, so Raddatz.

Rund 55000 Euro wird das achteckige Haus kosten. Eine Summe, die der nur 45 Mitglieder zählende Verein natürlich allein nicht stemmen kann. Darum haben sich Raddatz und Co, auf die Suche nach Sponsoren gemacht und wurden mit der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde, der Baufirma Eimer und dem Energiekonzern Eon-Avacon auch fündig. „Die Unternehmen haben uns mit einer stattlichen Summe unterstützt, so dass wir den Bau bis zum nächsten Sommer realisieren können“, ist Raddatz optimistisch.

Dennoch drängt die Zeit, denn in etwas mehr als einem Jahr rückt der Platz in den Fokus der Hundesportler aus ganz Deutschland. „Im Juli 2016 sind wir Veranstalter für die Bundessiegerprüfung im Turnierhundesport“, informiert Antje Meyer, zweite Vorsitzende des BSC.

Dann wird sicherlich nicht nur das Achteck für staunende Gesichter sorgen, sondern auch das neue Röhrensystem, das in den kommenden Monaten Stück für Stück erweitert wird, um den Rettungshunden möglichst realitätsnahe Trainingssituationen zu bieten. Raddatz: „Wir können natürlich immer nur soweit bauen wie Geld vorhanden ist.“ „Das System wird auf drei Ebenen aus Beton-Kanalrohren installiert, das von außen betrachtet ein völliges Durcheinander darstellt und eine große Herausforderung für die Hunde bedeutet“, hebt Raddatz’ Stellvertreter Matthias Scharf hervor, der auch seine dreijährige Emma durch die dunklen und unübersichtlichen Röhren schnüffeln lässt, um die Suche nach verschütteten Menschen zu simulieren.

Dabei gehen die Hundeführer ganz behutsam vor. „Rund drei Jahre dauert die Ausbildung“, erklärt Scharf, der auch darauf hinweist, dass grundsätzlich erst einmal „alles, was bellen kann, auch für den Rettungseinsatz geeignet ist“.

Das spielerische Training beginne bereits im Welpenalter und werde kontinuierlich gesteigert. „Natürlich nicht mit Druck, sondern mit viel Belohnung. Am Ende haben die Tiere großes Vertrauen in die Hundeführer, so dass sie problemlos auch auf schwierigem Untergrund wie Gitterroste oder in die Höhe reichende Stahlträger unterwegs sind.“

Am Beginn einer Ausbildung stehe aber dennoch eine Art Eignungstest, denn der Hund müsse vom Wesen her für den Rettungsdienst geeignet sein. „Dazu zählt auch Wendigkeit in Trümmerfeldern, denn ein dicker Bernhardiner kann sich vergleichsweise schlechter bewegen als ein kleinerer und leichterer Mischling“, so Scharf, der seinen Hund zwar gerne auch im echten Einsatz sehen möchte, aber das sei meistens auch mit viel Leid für Menschen verbunden, so dass das Training auch ausreiche.

Die Rettungshunde, die nach internationalen Katastrophenfällen wie jüngst nach dem Erdbeben in Nepal über die TV-Bildschirme flimmern, seien „meistens keine ehrenamtlichen Teams wie wir, sondern schon eine hauptberufliche Ebene. Wir können ja nicht mal eben so drei Wochen oder mehr von der Arbeit freigestellt werden“, so der hauptberufliche Polizist.

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