Jörg Beck siedelt die Tiere aus Familie Pietreks Garten um in den Wald

Einblicke in die Welt der Ameisenkolonie

Das Innere eines Ameisennestes – eine Schautafel, die Ameisenbeauftragter Jörg Beck immer dabei hat.
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Das Innere eines Ameisennestes – eine Schautafel, die Ameisenbeauftragter Jörg Beck immer dabei hat.

Wehnsen - Von Angela Kirchfeld. Sie gelten als die heimlichen Herrscher der Erde. Alleine in Deutschland gibt es rund 140 Arten und sie sind die einzigen Lebewesen, die neben den Menschen Krieg gegeneinander führen – gemeint sind die Ameisen.

So nützlich sie für das Ökosystem Wald sind, können sie im privaten Bereich lästig und für das Holz schädlich sein. Denn die kleinen Krabbler legen ihre Nester in die Erde, in Holz, Mauerwerk und Isoliermaterial.

So erging es auch Familie Pietrek, die auf dem elterlichen Grundstück in Wehnsen vor einigen Jahren Ameisen entdeckten. „Die Waldameisen, unter anderem die Königin, haben wir wohl mit dem Feuerholz eingeschleust“, vermutet Inge Pietrek schmunzelnd. Sie gibt zu, dass sie auf diverse Weise versuchte, der kleinen Giganten Herr zu werden. „Wir haben sie immer wieder gestört und versucht umzusiedeln, doch es half nichts – die kamen immer wieder.“ Nun entdeckten sie unter dem Holzhaufen einen ein Meter großen Ameisenhaufen. Doch so einfach dürfen Anwohner die Tiere nicht beseitigen, denn sie stehen, wie unter anderem die Rote Waldameise, unter Naturschutz.

Da kommt Diplom-Kaufmann und Ameisenschutzbeauftragter des Heidekreises Jörg Beck auf den Plan, von dem Inge Pietrek in der Zeitung las. „Da, wo die Ameisen sind, ist die Welt in Ordnung! Dieses Nest schafft 100000 Schadinsekten pro Tag und diese lockern den Boden mehr auf, als alle Regenwürmer“, informiert Jörg Beck, der mit Förster Herbert Meyer anreiste, um das Nest auszuheben und umzusiedeln.

Eine Woche zuvor nahm Beck eine Probe, um die Art bestimmen zu lassen. „Es ist die Große Rote Waldameise (Formica Rufa)“, stellte sich heraus. Beck ist nicht nur Ameisenbeauftragter, sondern auch Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Ameisen-Erlebnis-Zentrum (DAEZL). In dieser Funktion informiert er Kindergruppen oder Schulklassen über das Abenteuer Ameise.

„Heide-Ameise Jörg“, wie sich Beck nennt, gerät ins Schwärmen, wenn er von seinem Steckenpferd berichtet und gab bei der Umsiedlung in Wehnsen eine Einführung in die Welt der Insekten. „Das ist ein Ameisenlöwe“ zeigt er Inge Pietrek und Herbert Meyer. „Die Larve der Ameisenjungfer. Ein libellenartiges Tier, gehört zu den Netzflüglern. Der Ameisenlöwe baut Sandtrichter, in die die Insekten rutschen und von ihm ausgesaugt werden.“

Das Ameisennest packten die Experten mit der Schaufel in Kunststofffässer sowie Papiersäcke und verluden es. „Ich habe selten so einen schön ausgehobenen Ameisenhügel gesehen“, zeigte sich Beck mit dem Ergebnis zufrieden. Und wo findet der Ameisenhaufen mit der Königin sein neues Zuhause? „Sie bleiben in der Gemarkung Wehnsen. Der Waldbesitzer freut sich über die zusätzlichen Helfer im Wald“, so Förster Meyer.

Eine Erlebnisausstellung im Heidehaus des Vereins Schäferhof in Neuenkirchen informiert über die „heimlichen Herrscher der Erde“. Wer noch mehr über Ameisen erfahren möchte, kann sich mit Jörg Beck unter 05191/9274774 in Verbindung setzen

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