Opportunity International Deutschland

Marta Binder ist per Fahrrad unterwegs, um Geld für Schulen in Afrika zu sammeln

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Marta Binder ist täglich gut 100 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs, um Geld für Schulen in Afrika zu sammeln. Joachim Behrens, Chef der Visselhöveder Firma JBS, sponsort die Aktion.

Hiddingen - Von Jens Wieters. „Heute geht‘s noch bis nach Celle und dann weiter nach Hannover.“ Wenn Marta Binder über ihre nächsten Ziele spricht, klingt das erst einmal unspektakulär. Aber weit gefehlt, denn sie ist täglich mehr als 100 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs, um Geld zu sammeln für Schulen in den ärmsten Regionen Afrikas – und auch, um an einem Projekt mitzuhelfen, das ihr Sohn kurz vor seinem Tod angeschoben hatte. Binder ist nämlich für die Hilfsorganisation Opportunity International Deutschland (OID) unterwegs, die Menschen in vielen Ländern der Erde Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht.

Bei Rührei und Kaffee im Hiddinger Hotel Röhrs, wo die 72-Jährige Station macht, erwähnt die ehemalige Kinderärztin aus Warendorf im Münsterland nur am Rande den schicksalhaften Tag im November 2011, als ihr Sohn Jan bei einem Verkehrsunfall in Ghana ums Leben kam. Vielmehr will sie das fortführen, wofür ihr Sohn mit viel Engagement und noch mehr Überzeugung stand: „Nämlich den Ärmsten der Armen in vielen Ländern Afrikas zu helfen, ihnen eine Schulbildung zu ermöglichen und ihnen mit Mikrokrediten die Möglichkeit zu geben, eine eigene Existenz aufzubauen“, sagt Marta Binder.

92 bis 95 Prozent der Kreditnehmer sind Frauen

Ihr Sohn war in seinen letzten Monaten mit dem Friedensnobelpreiträger Muhammad Yunus in Afrika unterwegs, um für Projekte des Mikrokredits-Gedankens zu werben. Dabei handelt es sich um Kleinkredite, die zu Beginn im Durchschnitt 150 US-Dollar betragen, und die an Kleingewerbetreibende überwiegend in sogenannten Entwicklungsländern ausgezahlt werden.

„So wird aus einer kleinen Investition langsam ein großes Gebilde“, informiert Joachim Behrens von der Visselhöveder Firma JBS, der seit Jahren zuerst nur privat, später auch mit seiner Firma die Organisation OID unterstützt. „Die Kreditnehmer müssen auch Zinsen zahlen, können sich aber mit dem Darlehen einen Betrieb aufbauen. Sei es als Händler, als Friseur, als Landwirt oder als Handwerker, der sich Werkzeug anschafft. Auch das ist eine Maßnahme, um Fluchtursachen zu bekämpfen“, berichtet Behrens.

Für Marta Binder treiben die Mikrokredite auch die Emanzipation in den Ländern Afrikas und Asiens voran: „Denn 92 bis 95 Prozent der Kreditnehmer sind Frauen, die deutlich verantwortungsvoller mit dem Geld umgehen als Männer.“

Muskelkraft für OID-Schulprojekte

Während dieses Geld in der Regel von spezialisierten Finanzdienstleistern und nicht staatlichen Organisationen meist zur Förderung der Entwicklung vergeben werden, wird von der 72-Jährigen jeder einzelne Euro – und das sind in den vergangenen fünf Jahren bereits stattliche 116. 552 Stück – per Muskelkraft für OID-Schulprojekte verdient. Denn überall in Deutschland gibt es Sponsoren, die für jeden gefahrenen Kilometer ins Portemonnaie greifen. So ist die Firma JBS während der diesjährigen Binder-Sommertour zum 90. Geburtstag des Unternehmens mit 90 Cent pro Fahrradkilometer dabei. Die Gruppe Wertgarantie aus Hannover zahlt einen Euro pro Kilometer. „Aber natürlich bin ich in den vergangenen fünf Jahren nicht 116.000 Kilometer geradelt, sondern nur gut 10. 000. Das Geld ist zum größten Teil durch Einmal-Spenden zusammengekommen“, betont Marta Binder, die sich trotz zweier künstlicher Kniegelenke und ihres Alters sehr behände auf das blaue Fahrrad schwingt, um von Ostfriesland bis nach Oberbayern Euros für das ein OID-Schulprojekt zu sammeln, das „allein auf meinem Mist gewachsen ist“.

Jan-Binder-Preis für die Einrichtungen

„Radeln für Schüler in Afrika“ steht auf ihrem T-Shirt. Bender ist nämlich bei Wind und Wetter für den Aufbau sogenannter „Mikro-Schools“ unterwegs. „Denn obwohl es zum Beispiel in Ländern wie Ghana eine Schulpflicht gibt, besuchen dort noch längst nicht alle Kinder den Unterricht. Darum hatte mein Sohn damals die Einrichtung von weiteren Schulen in Zusammenarbeit mit OID vorangetrieben.“

So gebe es mittlerweile auch einen Jan-Binder-Preis für die Einrichtungen, die unter dem Motto: „Make your School clean – Make your School green“ dafür ausgezeichnet würden, dass sie für Grünflächen und sanitäre Anlagen auf den Schularealen gesorgt hätten. „Wo sonst nur Müll und Schrott herumliegt, wachsen nun Pflanzen, es wird gegärtnert und geerntet“, erzählt Binder, die sich ebenso wie Joachim Behrens regelmäßig ein Bild davon macht, was mit den gespendeten Euros vor Ort geschieht. „Es wird auch nur in politisch stabile Länder investiert und bei OID wird niemals gesagt, ,ihr macht jetzt das oder jenes mit dem Geld‘, sondern es wird nur die Eigeninitiative der Menschen unterstützt“, so Behrens.

Marta Binder hat derweil schon ihre Tasche am Rad befestigt und den Helm aufgesetzt, schließlich sind es noch ein paar Kilometer über Celle nach Hannover. „Aber auch die schaffe ich locker. Ich fahre sowieso so lange, wie es die Gesundheit zulässt. Das bin ich auch meinem Sohn schuldig.“

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