Jeddinger Friedrich Bode verschickt Kriegsgefangenenbriefe

Kaum Porto bei der Weihnachtspost

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So kam der Brief des Jeddingers Friedrich Bode ohne Nachzahlung in der Redaktion an.

Jeddingen - Von Jens Wieters. Friedrich Bode, durchaus streitbarer Pastor im Ruhestand aus Jeddingen, verschickt zurzeit seine Weihnachtspost. Auf die Briefe klebt er aber keine 60-Cent-Marke, sondern nur zwei Zwei-Cent-Wertzeichen. Die Sendung kommt dennoch an. Denn Bode sendet seine Briefe als Kriegsgefangener.

Dass das tatsächlich auch 69 Jahre nach dem Kriegsende klappt, bewies Bode, der sich auf den Weltpostvertrag von 1907 beruft, mit einem Brief an unsere Redaktion.

Friedrich Bode

Der Empfänger traute nämlich seinen Augen nicht. Es klebten zwei Zwei-Cent-Marken auf dem Kuvert, die Postleitzahl des Adressaten war in eckige Klammern gesetzt, das Ganze war per Stempel als Kriegsgefangenenpost kenntlich gemacht: „Service des prisonniers de guerre – Kriegsgefangenenpost gebührenfrei”. Der Briefträger hat das Schreiben zugestellt, ohne nachträglich 56 Cent zu kassieren.

„Das hat bisher bei fast allen Briefen bis auf einen funktioniert“, so Bode, dem es aber nicht auf 56 Cent Ersparnis ankommt, sondern er möchte andere Briefschreiber animieren, es ihm gleich zu tun, „weil wir in Deutschland immer noch keinen Friedensvertrag haben und darum jeder Briefeschreiber Anspruch auf kostenlose Beförderung hat“.

Bode, der für die Grünen im Jeddinger Ortsrat sitzt, hat nach eigenen Angaben auch Briefe an Behörden auf diese Weise zustellen lassen. „Keiner ist zurückgekommen.“

Recherchen unserer Redaktion haben ergeben, dass diese fast kostenlose Form der Briefbeförderung besonders in den 50er und 60er Jahren vom Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes genutzt worden war. Da seien im Jahr schon mal mehr als 20000 Poststücke zusammengekommen, die auf diese Weise portofrei verschickt worden seien, wird das DRK in Veröffentlichungen zitiert.

Maike Wintjen, Post-Pressesprecherin aus Hamburg, warnt indes vor dem Verschicken von Sendungen in dieser Form: „Das Gerücht, dass laut Weltpostvertrag Briefe befördert würden, wenn sie nur mit drei und vier Cent frankiert seien, entspricht nicht den Tatsachen. Der Vertrag besagt nichts über nationale Preise und Tarife, sondern regelt ausschließlich die Endvergütungen für grenzüberschreitende Sendungen. Dabei regelt er die Vergütungen zwischen Postunternehmen, nicht die Preise für die Kunden und Absender.“

Selbstverständlich gelten beim Versand von Briefen über die Deutsche Post die regulären Briefpreise. „Ist ein Brief unterfrankiert, kann die Post die Annahme verweigern oder ohne Benachrichtigung des Absenders befördern. Dafür wird ein Nachentgelt berechnet. Das setzt sich aus fehlendem Porto plus Einziehungsentgelt, das derzeit 51 Cent pro Sendung beträgt“, zusammen“, so Wintjen.

Warum Bodes Brief ohne Nachzahlung unserer Redaktion zugestellt wurde, weiß auch Wintjen nicht. „Vielleicht hat es ja auch mit Glück zu tun.“

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