Ehepaar Motzkau wagt den Schritt in die Selbstständigkeit

Jeddingen: Lebensretter als Sprungbrett

Julian und Birte Motzkau mit einer ihrer Druckmaschinen.
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Julian und Birte Motzkau mit einer ihrer Druckmaschinen.

Jeddingen – Vor genau eineinhalb Jahren hatten Birte und Julian Motzkau aus Jeddingen eine Idee: „Wir bauen mittels des 3D-Druckverfahrens besondere Adapter aus Kunststoff, die für die Beatmungsgeräte der Corona-Patienten in den Krankenhäusern gerade dringend gebraucht werden.“ Die Teile sind nur wenige Gramm schwer, aber dazu geeignet, schwerst kranken Patienten Luft in die geschädigten Lungen zu leiten.

Mit dieser Idee der Lebensretter aus Jeddingen, die gespendet werden sollten, hatten sie damals überregional Schlagzeilen gemacht – und sich auch ein Stück weit den Schritt in die Selbstständigkeit geebnet.

Denn schon jeder hat sich geärgert, wenn ein kleines Plastikteil von zum Beispiel einem elektronischen Gerät abbricht. Oft genug werden die ansonsten noch funktionstüchtigen Geräte entsorgt und ein neues gekauft. Doch Nachhaltigkeit liegt im Trend und schont die Umwelt. Birte und Julian Motzkau haben darum eine Geschäftsidee entwickelt, die nicht nur nachhaltig, sondern auch produktiv und sehr nützlich ist. „Plastikteile aus dem 3D-Drucker“ lautet die Zauberformel, mit der sie quasi alle Elemente des täglichen Gebrauchs herstellen können.

Für ihre Firma „Formenfrei 3D“ haben die beiden Wahl-Jeddinger sogar ihre sicheren Jobs gekündigt. „Ich war bei einem Soltauer Unternehmen im kaufmännischen Bereich tätig und kümmere mich nun um die Büroarbeit, akquiriere Kunden und betreue auch die Drucker“, berichtet Birte Motzkau. Ehemann Julian war beim Rotenburger Fahrzeugbauer Borco Höhns im Bereich der Entwicklung und Konstruktion tätig und beschäftigt sich schon seit Längerem beruflich mit dem Prinzip des 3D-Druckverfahrens.

Der 34-Jährige hegte schon länger den Wunsch, sich selbstständig zu machen. Gesagt, getan! Investiert wurde gleich in vier 3D-Drucker, die die fertigen Teile in verschiedenen Größen bis zu 30 mal 30 mal 30 Zentimeter herstellen können. „Bei Bedarf haben wir auch Partner zur Hand, die für uns Teile in der Größe einer Telefonzelle drucken“, so seine 32-jährige Frau schmunzelnd. Der Bedarf und die Nachfrage sind da. „Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die von der Idee bis zum fertigen Produkt alles abdecken – inklusive Konstruktion, Beratung zur Material- und Verfahrenswahl sowie der Erstellung von Funktionsmustern“, verrät die Geschäftsführerin, die mit ihrem Ehemann die verschiedensten Kunststoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften parat hält. Firmensitz ist zurzeit noch das Wohnhaus der Familie Motzkau im Jeddinger Neubaugebiet, wo zwischen Küche und Hauswirtschaftsraum die Drucker arbeiten.

Das Kunststoffteil für den Betrieb eines Aufsitzmähers ist abgenutzt. und nicht mehr funktionstüchtig. Die Motzkaus zaubern ruckzuck eine neue Konstruktion.

Gefertigt werden unter anderem Halterungen, Kappen, Schablonen, Montage- und Prüfvorrichtungen, Kabel- und Luftführungen sowie Gehäuse, Auftragsdüsen und Dichtungen. „Selbst Autoteile für Oldtimer, die es längst schon nicht mehr gibt, können hier gefertigt werden“, informieren die beiden Jungunternehmer. Die 3D-Druckteile werden auf der Basis von CAD-Modellen produziert. Sollte der Kunde kein Modell zur Hand haben, fertigt das Unternehmen dieses an. Anhand von Musterteilen, Zeichnungen und oder 3D-Scans sowie unter Einbeziehung der Anforderungen wird das Bauteil konstruiert. „Beim Konstruieren beachten wird die Druckbarkeit des Bauteils und optimieren es im Hinblick auf den Materialverbrauch, die Druckdauer und die Haltbarkeit“, betont der Konstrukteur.

Zum wachsenden Kundenstamm zählen Maschinen- und Fahrzeug- und Sondermaschinenbauer. Großabnehmer sind zwar das Hauptaugenmerk von „Formenfrei“, doch wenn die Nachfrage in eine andere Richtung geht, sagen sie auch nicht nein. „Man muss schauen, ob sich der Aufwand eines Einzelteils lohnt“, betont Motzkau ganz ehrlich. „Aber das Verfahren ist einfach unsere Zukunft“, sind sich die Unternehmer sicher.

Zum Glück hätten die bedruckten Beatmungsteile von damals keine Verwendung in den Kliniken gefunden, aber „falls die Corona-Lage wieder dramatischer wird, können wir die Adapter jederzeit produzieren“, betont das Paar Motzkau.

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