Ehren-Ortsbürgermeister Herbert Maas hält Erinnerungen in Dorfchronik fest

Jeddingen zu Kriegszeiten

Herbert Mass nahm sich die Zeit, seine Erinnerungen aus der Kriegszeit in Jeddingen zu Papier zu bringen. J Foto: Kirchfeld

Jeddingen - Seit Jahren schreibt Ehren-Ortsbürgermeister Herbert Maas an der Jeddinger Dorfchronik und die der Dorfjugend. Nun hat der Träger des Bundesverdienstkreuzes seine Erinnerungen an die Kriegsjahre in und um Jeddingen fertiggestellt. „Ich habe die Geschehnisse festgehalten. Sie setzen sich aus Zeitungsberichten, aus eigenen Erlebnissen sowie aus Büchern über den Zweiten Weltkrieg zusammen“, berichtet der 87-Jährige.

Entstanden ist eine 20-seitige Chronik über den Beginn des Zweiten Weltkriegs, über die damalige Flüchtlingssituation in Jeddingen bis hin zu den letzten Tagen und Angriffen vor Kriegsende. So erfährt der Leser, dass am 1. September 1939 auf Stöckmanns Saal die Reichsgetreidestelle Brotkorn einlagerte und auf Leefers Saal die ersten Gefangenenlager für polnische Soldaten eingerichtet wurden. „In Jeddingen kamen Franzosen und Belgier ins Gefangenenlager. Ich kann mich erinnern, dass zwei Belgier dann über Jahre in der Bäckerei Stöckmann beschäftigt waren. Ihre Namen waren Ricard und Emilie.“ Ein weiteres Gefangenenlager entstand neben der Tischlerei von Hermann Norden an der Bleckwedler Straße. Erst nach Bekanntgabe der ersten Kriegstoten wurde den Kindern der Ernst des Krieges bewusst, so Herbert Maas.

Auch die Luftangriffe in der Gegend werden von ihm detailliert geschildert. Er selbst entkam nur knapp einem Jagdflieger. „Am 22. Februar 1945 erhielt ich den Auftrag, die Familien zu benachrichtigen, die abends Flüchtlinge aufnehmen sollten. Ich befand mich gerade vor dem Haus von Friedrich Vollmer, als ein amerikanischer Jagdbomber anflog.“ Der damals 15-Jährige konnte hinter einem Felsensockel Schutz suchen, doch der Bomber kam zurück. Eine Flucht in den Erdbunker bei Vollmers war nicht möglich, da dieser unter Wasser stand. So rettete er sich in den Keller von Vollmers Haus, wo ihn die Familie mit den Worten empfing: „Wir glaubten nicht, dass du noch lebst!“ „Noch mal Glück gehabt“, schreibt der ehemalige Schneidermeister.

In die Gesellenkammer von Maas wurden laufend Flüchtlinge eingewiesen. „Die Flüchtlinge und auch die zur Erholung von der Front gesandten Soldaten hatten es in Jeddingen richtig gut. Sie waren manchmal vier bis fünf Wochen bei uns. Zu einigen hielten wir noch lange Kontakt. Sie freuten sich, hier zu sein, denn von der Gastfreundschaft in Ostpreußen waren sie sehr enttäuscht.“ Sogar ein Zauberkünstler namens Hans Landre war unter ihnen, der eine Vorstellung auf Stöckmanns Saal gab.

Spannend liest sich auch die Geschichte des Polizisten Pfeiffer, der von einem angeblichen Holländer erschossen wurde, der dann fliehen konnte. „Ab September 1945 wurden deutsche Gefangene unter englischer Aufsicht, die zum Teil in Jeddingen und Umgebung untergebracht waren, zu lang andauernden Aufräumarbeiten in Hannover und Braunschweig eingesetzt“, so enden die Aufzeichnungen von Maas, der seine Gedanken gerne an die Dorfchronik anhängt. J aki

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