Problemwolf „Kurti“ in Dreeßel unterwegs?

Wolf spaziert durchs Dorf

Dieses Foto wurde mitten in Dreeßel gemacht. Am Hals des Tieres ist offenbar ein Sender angebracht.

Dreeßel - Erfahrene Kriminalbeamte betonen, dass ein Täter immer wieder an den Ort seiner Tat zurückkehrt. Ob das bei Wölfen auch der Fall ist, wurde bisher nicht bestätigt. Fakt ist nur, dass bei Dreeßel Anfang März 16 Schafe von einem Beutegreifer getötet wurden. Der betroffene Züchter Rainer Meinke vermutet, dass es ein Wolf war. Und genau solch ein Exemplar soll sich in den vergangenen Tagen wieder in Dreeßel herumgetrieben haben.

In verschiedenen WhatsApp-Gruppen von Jeddinger und Dreeßeler Einwohnern machen Bilder und auch ein Video die Runde, die vermutlich einen Wolf zeigen. Der steht seelenruhig direkt an einem Haus auf einem Weg, der auf einen Acker führt – gerade mal fünf Schritte von der Dorfstraße entfernt. Trotz des relativ unscharfen Fotos ist zu erkennen, dass das Tier ein Halsband trägt, in dem vermutlich ein Sender untergebracht ist.

„Im Augenblick haben wir meines Wissens nach aber nur zwei besenderte Wölfe, die in der Region unterwegs sind“, sagt Herma Heyken, Sprecherin des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz, zu dem auch das Hannoveraner Wolfsbüro gehört.

Zum einen sei es der von den Medien „Kurti“ getaufte Wolf, der den amtlichen Namen MT6 trage, und seine Schwester, „die allerdings sehr heimattreu ist“, wie Heyken betont. Beide Tiere stammten aus dem Rudel in Munster (Landkreis Heidekreis). Das Signal von „Kurti“ sei von den Fachleuten zuletzt in Buchholz in der Nordheide geortet worden. „Aber so ein Wolf legt pro Nacht schon mal 50 Kilometer zurück“, informiert Heyken, die natürlich gerne weitere Informationen über MT6 haben möchte. Die Fachleute wollen nämlich über mehrere Jahre ein Bewegungsmuster erstellen und mögliche Auffälligkeiten erkennen. Und vor allem die Frage klären, wie nah er an die Menschen kommt.

„Kurti“ wird auch oft als Problemwolf bezeichnet, da er wenig Scheu vor Menschen zeigt. Ein erster Vergrämungsversuch mittels eines schwedischen Wolfsexperten, der „Kurti“ ein paar Gummigeschosse aufs Fell jagen wollte, ist gescheitert, da der Wolf ihn nicht nah genug heranließ. Ob es sich bei dem jetzt in Dreeßel fotografierten Tier tatsächlich um MT6 handelt, bleibt also noch unklar.

Fest steht hingegen, wann das Ergebnis der DNA-Proben, die nach dem Schafsmassaker auf der Dreeßeler Weide genommen wurden, veröffentlicht wird: „In der nächsten Woche haben wir Klarheit und werden den Tierhalter sofort informieren“, verspricht Herma Heyken.

Für den ehrenamtlichen Wolfsberater des Landkreises Rotenburg, Jürgen Cassier, ist es nicht abwegig, dass sich Familie Isegrim in der Region heimisch fühlt. „Denn gerade im Bereich zwischen Kirchwalsede, Weißenmoor, Lüdingen und Odeweg ist der Tisch für die Tiere reich gedeckt“, sagte er unserer Zeitung nach den Vorfällen in Dreeßel.

Auch der Jeddinger Jürgen Garbers ist mittlerweile ein kleiner Wolfsexperte, denn erst vor wenigen Tagen hatte er eine „eher seltene Begegnung“. Garbers war gerade auf der Landestraße bei Hof Tadel unterwegs, als ein „großes Tier über die Straße lief“. Aus der Entfernung sei zunächst nicht auszumachen gewesen, um welche Art es sich handele. „Dann setzte sich der Vierbeiner aber ohne Scheu an den Straßenrand, leckte sich das Fell und trottete seelenruhig weiter. Dann habe ich erkannt, dass es nur ein Wolf sein kann“, so Garbers.

Für Herma Heyken ist solch ein Verhaltensmuster nicht ungewöhnlich: „Die Tiere haben vor Autos keinerlei Scheu. Sie empfinden sie nicht als Bedrohung. Steigen die Menschen allerdings aus, flüchten die Wölfe in der Regel.“

Dreeßels Ortsvorsteher Jürgen Seidler will „nun erstmal das DNA-Ergebnis abwarten“, bevor man über weitere Schritte nachdenken könne. „Aber ein komisches Gefühl ist es schon, wenn es stimmt, dass ein Wolf durch unser Dorf läuft“, so Seidler, dessen kleine Enkelkinder zu dieser Jahreszeit auch oft draußen, aber „nur unter Aufsicht“ spielen. Konkrete Anti-Wolf-Maßnahmen müssten aus seiner Sicht zwar aktuell noch nicht unternommen werden, aber „wenn sich der Wolf erstmal an den Menschen gewöhnt hat, dann wird er auch gefährlich.“

jw/jom

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