ZUKUNFT HEIMAT Von Langeoog in die Heide

Iris Weis über ihren Weg nach Visselhövede

Iris Weis an einem ihrer Lieblingsplätze: die neugestaltete Visselquelle.
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Iris Weis an einem ihrer Lieblingsplätze: die neugestaltete Visselquelle.

Visselhövede – Das Suchen und Finden der Traumstadt war relativ unspektakulär. „Ich habe mitten in der Stadt die Eisdiele entdeckt, mir eine Leckerei gekauft, mich mit dem Eis in den Bürgerpark Vissel-Seen gesetzt und fand den Platz mitten im Ort so richtig toll“, denkt Iris Weis an einen Sommertag 2020 zurück. „Als dann noch eine Entenfamilie unter meine Bank gewatschelt kam und meine Krümel geschnappt hat, war mir klar:

Das wird meine neue Heimat.“ Dabei hatte die damals 51-Jährige mit dem Rand der Lüneburger Heide noch nichts am Hut. Schließlich lebte und arbeitete sie dort, wo andere gewöhnlich Urlaub machen: Auf der ostfriesischen Trauminsel Langeoog.

Ein gutes Jahr später ist Iris Weis in Visselhövede omnipräsent. Sie mischt im Präventionsrat mit, ist beruflich in der Gemeinwesenarbeit unterwegs, baut die aufsuchende Jugendarbeit in der Stadt Stück für Stück aus, engagiert sich bei der Initiative „Vissel for Future“, pflegt mit anderen den von ihr initiierten Naschgarten an den Vissel-Seen und kümmert sich auch um die Sauberkeit rund um die neuangelegte Vissel-Quelle.

„Ja, da ist schon sehr viel in ganz kurzer Zeit gekommen, aber nur so lernt man seine neue Heimat kennen und lieben“, sagt die Mutter zweier erwachsener Kinder. Obwohl sie bei dem Begriff Heimat „gar nicht“ an eine Örtlichkeit denkt. „Für mich ist Heimat etwas, was aus dem Inneren kommt. Dort, wo ich mich wohlfühle und gesund bleibe. Dort, wo ich und meine Energie gebraucht werden. Dort, wo ich mich geborgen fühle, jenseits aller materiellen Dinge.“

Dass das jetzt Visselhövede geworden ist, sei vielleicht für andere Menschen purer Zufall, für sie aber auch eine Art Schicksal oder gar eine Vorhersehung. Denn Iris Weis ist an dem Sommertag auf dem Weg nach Soltau zu einem Bauernhof, auf dem Kräuter angebaut werden. Auf dem Weg dorthin erreicht sie Visselhövede, findet nicht nur die Eisdiele, sondern auch die Seen gleich nebenan. „Zurück auf Langeoog, wo ich damals bei einer Vermittlungsagentur gearbeitet habe, wurde mir klar, dass der gut bezahlte Urlaub auf der Insel jetzt enden muss.“ Was auf einem Eiland nämlich fehle, sei die Spontanität, mal schnell irgendwo anders hinzufahren. „Denn Langeoog ist per Fähre nur bei Hochwasser zu erreichen.“

Also schnappt sich Iris Weis, die „zufällig“ in Franken geboren wurde, sich aber eigentlich als Nordlicht bezeichnet, weil sie lange Jahre in Ostfriesland gelebt hat, ein Buch, in dem alternative Wohnideen vorgestellt werden. „2 000 Modelle aus ganz Deutschland waren dort verzeichnet. Das Buch habe ich einfach mittendrin irgendwo aufgeschlagen und was ich zuerst gesehen habe, war Visselhövede mit dem Verein Lebensräume. Wenn das mal keine Fügung war.“

So kommt der Kontakt mit dem Verein zustande, der Weis ein Apartment zur Verfügung stellt. „Beim ersten Spaziergang komme ich direkt am Haus der Bildung vorbei, entdecke das Schild Präventionsrat und lerne den Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy kennen, der mich gleich mit zur Sitzung nimmt.“ Und da Vorsorge in Weis‘ Weltbild eine große Rolle spielt, ist sie sofort Feuer und Flamme für die Ziele des Präventionsrats. Der zweite Schritt in die neue Heimat ist gemacht. „Da die Politik die Jugendarbeit auf ein neues Fundament stellen wollte, wurde eine weibliche Kraft gesucht, und zum Glück hat das mit dem Bewerbungsgespräch gekappt.“ Es gibt also einen Arbeitsplatz, der nächste Schritt ist getan. Und die Anmietung einer Wohnung folgte bereits Tage später. „Das waren also alles sehr schnelle Schritte, um Fuß zu fassen.“

Das neue Heimatgefühl oder was Iris Weis damit verbindet, will sie in ihrer Tätigkeit als Jugendbetreuerin natürlich auch den „Kindern und Jugendlichen“ weitergeben. „Wir bieten den Rahmen, um den jungen Menschen Sicherheit und Mut zu vermitteln. Denn das gepaart mit Gottvertrauen, Disziplin und Gesundheit ist wichtig, um seine Heimat auch leben zu können.“

Auch wenn Weis sich als „rast- und ruhelos“ bezeichnet, ist sie „aktuell angekommen“, wenn auch nur mit Dingen, die „fast alle in einen Koffer passen“. Denn für sie ist wichtig, materiellen Dingen nicht zu viel Beachtung zu schenken. So könne man spontan und unkompliziert den Heimatort wechseln, auch wenn es „für mich nie der Ort ist, der wichtig ist, sondern das Gefühl.“

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