Interview mit dem Visselhöveder Wrestler Christian Städter, der als Crazy Johnny Tiger in den Ring steigt

„Plötzlich ragte der Knochen heraus“

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Der Visselhöveder Crazy Johnny Tiger legt in buntem Outfit seine Gegner reihenweise aufs Kreuz.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die einen sagen „wow“, die anderen schütteln den Kopf: Beim Thema Wrestling scheiden sich die Geister. Trotz aller Show steigen die Kämpfer voller Konzentration in den Ring und sehen ihre Kämpfe als echten Sport. Unsere Zeitung sprach mit dem Visselhöveder Christian Städter, der als Crazy Johnny Tiger mehrmals im Jahr im Ring steht.

Herr Städter, was haben Sie sich bei den Kämpfen im Ring schon alles gebrochen?

Christian Städter: Ich möchte hier auf Holz klopfen, auch wenn es in dem Fall mein eigener Kopf ist, aber ich habe mir nur einmal einen Bruch in einem Kampf geholt. Das war 1999 in Dresden. Mein Partner German Kid Jens Hellmann und ich hatten den Titelgewinn so gut wie in der Tasche, als ich durch die Ringseile geworfen wurde und versuchte, mich abzufangen. Plötzlich ragte der Knochen heraus – mein rechtes Handgelenk war sofort durch. Für mich war der Kampf und das Wrestling für knapp vier Monate gelaufen, aber als der Gips ab war, trainierte ich schon für den Rückkampf. Das war Gott sei Danke der einzige Bruch, ansonsten Verstauchungen, blaue Flecken und Prellungen, es ist und bleibt eben ein Vollkontaktsport.

Viele Menschen sagen, Wrestling sei alles nur Show und Kirmesboxerei. Stimmt das oder fließt auch schon mal echtes Blut?

Städter: Ich muss bei der Frage schmunzelnd an meinen verstorbenen Opa denken, der auch immer Rummelboxen dazu gesagt hat, trotzdem hat er mich immer unterstützt und war bei meinen Kämpfen dabei. Blut sollte bei unserem Sport nicht fließen. Wie gesagt, es ist zwar ein Vollkontakt, aber auch bei uns herrschen strenge Regeln, die eingehalten und überprüft werden müssen. Der Showaspekt endet praktisch beim Durchklettern der Seile in den Ring, von diesem Punkt an trägt der Sportler nicht nur die Verantwortung für sich, sondern auf für den Gegner. Es ist nicht das Ziel, jemanden zu verletzten, sondern sportlich zu besiegen.

Wie sind Sie eigentlich zum Wrestling und zu ihrem Kampfnamen Crazy Johnny Tiger gekommen?

Städter: Auf das Wrestling bin ich mit etwa 14 oder 15 Jahren gekommen und zwar so, wie wahrscheinlich die meisten Fans: Durch das Fernsehen. 1989 kam ich das erste Mal in Kontakt mit dem Wrestling, aber so richtig erfasste mich das Fieber erst 1990, als es Wrestlingmania VI, Marty Jannetty und Shawn Michaels, Bret Hart, Demolition, Jake Roberts sowie Ultimate Warrior gegen Hulk Hogan zu sehen gab. Das waren die interessantesten Namen damals. Aber dass ich vier Jahre später selbst trainieren würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. So kam auch mein Name damals zustande. Meinen ersten Kampf bestritt ich unter meinem richtigen Namen 1996 in Hannover bei der CWA. Alle hatten so klangvolle Namen, die im Kopf blieben: The Hammer, The Snake, Million Dollar Man. Ich wollte jedoch nicht einen Namen nehmen, der etwas aussagte, sondern einen nehmen, aus dem ich etwas machen konnte. Ein einfacher, amerikanischer Name – Johnny – gepaart mit meinem damaligen Lieblingstier – Tiger. Crazy kam dazu, weil alle gesagt haben: „Du bist verrückt, den Sport machst du vier Wochen.“ So war mein Name und mein Gimmick geboren.

Was ist das Faszinierende an dieser Kampfsportart, die eigentlich „nur“ Show ist?

Städter: Helden, Egos, Ladies, Gold, Scheinwerfer, Fans, Fernsehen, Presserummel, verrückte Menschen und noch vieles mehr. Auch das Einbringen seiner eigenen – einer „anderen“ – Seite macht Wrestling aus. In keinem anderen Sport gibt es jedoch so viele private Tragödien, Selbstmorde, Schmerzmittelprobleme oder Heldentode. Trotzdem ist die Faszination da. Millionen Menschen schauen sich täglich diesen Sport im Fernsehen an und zwar weltweit. Aber das ist auch ein Punkt, an dem wir bei unseren Schülern ansetzen: Finger weg von Drogen, Tabletten, Alkohol oder Aufputschmitteln. Sollten wir jemanden dabei erwischen, unter solch einem Einfluss zu trainieren oder in den Ring steigen zu wollen, so würde dieser sofort von unserem Verband ausgeschlossen.

Können auch Anfänger mal in den Ring steigen?

Städter: Natürlich haben auch Einsteiger die Möglichkeit dazu. Wir bieten regelmäßig Schnupperkurse an, die man ab dem 14. Lebensjahr wahrnehmen darf, allerdings nur mit Einverständniserklärung der Eltern.

Wie oft trainieren Sie?

Städter: Ich trainiere so oft es geht, wenn ich keine Möglichkeit auf Wrestlingtraining habe, dann heißt es halt Kraft-, Ausdauer- und Konditionstraining, richtige Ernährung und aber auch Schlaf. Eine gesunde Mischung aus allem. Mindestens drei bis vier Mal in der Woche sollte aber Training auf die eine oder andere Weise auf dem Programm stehen.

Nicht nur bei Ihren Veranstaltungen sind viele Frauen in den ersten Reihen zu sehen. Warum fiebern gerade se beim Wrestling scheinbar mehr mit als Männer?

Städter: Ich glaube nicht, dass Frauen mehr mitfiebern als Männer, die Ladies sind bloß offener mit ihren Bemerkungen, während die Männer zurückhaltender sind und meist erst ein oder zwei Bier brauchen bis sie mitanfeuern können – spätestens zum Ladiesmatch. Allerdings darf ich wohl grinsend erwähnen, dass ich meine Freundinnen alle beim Wrestling kennen gelernt habe.

Oft haben Sie Wrestler aus Übersee im Ring. Sicher kein billiges Vergnügen. Rechnen sich Ihre Veranstaltungen wirtschaftlich?

Städter: Leider nicht immer. Hauptsächlich fliegen wir Gaststars ein, um professionelle Seminare für unsere Mitglieder und Mitsportler zu organisieren. Dann werden professionelle Eindrücke vermittelt und Pro und Contra des Sportes unterrichtet. Während der Shows selbst sind wir viel auf die Unterstützung der Sponsoren angewiesen. Super wäre auch eine finanzielle Hilfe der Städte, da wir viel mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und auch behinderte Menschen integrieren.

Ihre anstehenden Events?

Städter: In Wittorf geht es am 14. November mit harter Aktion weiter. Zwischendurch geht es dann wieder auf Roadtrips nach Belgien und Holland. Für kommendes Jahr steht eine Einladung aus Amerika an, aber bis dahin reicht der Sonnenstrahl leider noch nicht.

Wann sehen die Fans Crazy Johnny Tiger ohne Zopf oder wallende Mähne?

Städter: Gott bewahre! So lange ich gesund bin und mir meine Haare von Mutter Natur gegönnt werden, bleibt des Tigers Fell. Irgendwann sehe ich dann sicher aus wie ein weiser, alter Indianer oder wie Grizzly Adams. Ich glaube, im Herzen werde ich immer ein wenig „Crazy“ bleiben und vor allem ein wenig Kind, das hält jung.

1998 Gründer der Deutschen Wrestling Allianz

Christian Städter ist 40 Jahre alt und arbeitet seit 1999 bei der Firma Heku Papierwaren und Konsumgüter in Visselhövede. Dort machte er zwei Ausbildungen zum Vorratswirtschaftler/Fachlageristik und zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Seine Tochter Mara Alexandra (10) interessiert sich nach Angaben des Sportlers ebenfalls fürs Wrestling. Verlobt ist der Visselhöveder mit Sarah Herrling. Sollte der Hochzeitstermin anstehen, werde die Feier mit internationalem Staraufgebot ausgestattet sein, so Städter. Seit 1994 trainiert Städter intensiv im Ring. Sein erster Rookie-Kampf war 1996 bei der CWA auf dem Schützenplatz in Hannover. Der erste Profi-Fight folgte im Dezember 1998 in der Stadthalle Bremen. Der mehrfache Champion in verschiedenen Klassen gründete 1998 die Deutsche Wrestling Allianz. In der Region lief die erste Catch-Nacht 1999 in der Visselhöveder Kaserne. Seit 2002 gibt es die Harley-Wrestling-Night in Wittorf.

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