Integration von bisher rund 100 Menschen funktioniert reibungslos

Kostenlose Hilfe im Alltag: Paten für die Asylbewerber

+
Victoria van Setten und Gustav Stegmann kümmern sich mit weiteren Mitstreitern um die 19 Familien, die in den vergangenen Wochen als Flüchtlinge in Visselhövede angekommen sind.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Das Kind von Flüchtling Joshua N. hat hohes Fieber. Aber an wen soll sich die Familie aus Eritrea wenden? Keiner kann ein Wort Deutsch und niemand kennt das System der medizinischen Versorgung. Das Familienoberhaupt hat auch Angst vor möglichen Kosten. In Visselhövede sind diese fiktiven, und viele andere Situationen, aber kein Problem, denn es gibt eine 13-köpfige Gruppe von sogenannten Flüchtlingspaten, die sich genau um derartige Sorgen kümmert.

Die 27-jährige Victoria van Setten aus Jeddingen ist die Sprecherin der Gruppe, die sich nach einer Veranstaltung des Präventionsrats gegründet hatte und bereits seit zwölf Wochen die 19 Familien und Ehepaare intensiv betreut, die in den vergangenen Monaten die Visselstadt nach Zuweisung des Landes Niedersachsen erreicht haben.

„Die Sprache ist dabei das A und O“, berichtet van Setten von der täglichen Arbeit. Um überhaupt mit den Asylbewerbern in Kontakt zu kommen, bemühen sich van Setten und ihre überwiegend weiblichen Mitstreiterinnen „fast immer um Sprachprogramme aus dem Internet“. Dabei sei aber auch noch das Problem, dass die Menschen verschiedene Dialekte sprächen.

„Also helfen auch Hände und Füße bei der Kommunkation“, erzählt die Jeddingerin, die, wie alle anderen, ehrenamtlich tätig ist. „Ist erst einmal das Vertrauen aufgebaut, helfen wir den Menschen bei alltäglichen Dingen. Wir müssen ihnen die Schulferien erklären. Wir helfen beim Einkaufen, so dass das wenige Geld, das ihnen zur Verfügung steht, nicht für unnötige und teure Produkte ausgegeben wird.“

„Sprache ist

das A und O“

Die Patengruppe begleitet die Flüchtlinge aber eben auch beim Gang zum Arzt oder bei Behördenbesuchen. „Wir versuchen auch, Kontakte zu Sportvereinen aufzubauen oder die Menschen in Deutschkurse zu vermitteln.“ Jede Familie bekomme nach Möglichkeit einen festen Ansprechpartner, der sie bis zu zwei Mal pro Woche besucht. „Die Familien müssen eine Tagesstruktur entwickeln, damit sie nicht irgendwann in ein Loch fallen.“

Und warum überhaupt macht Victoria van Setten diesen nicht gerade einfachen Job? „Ich finde, man muss diesen Menschen helfen. Sie kommen teilweise schwer traumatisiert aus Ländern, in denen Terror oder Krieg an der Tagesordnung sind. Dinge geschehen, die wir uns kaum vorstellen können. Das hat auch was mit Nächstenliebe zu tun“, begründet die junge Frau ihren Einsatz.

Ebenso wie van Setten muss auch Gustav Stegmann vom Präventionsrat in seinem Freundeskreis das Engagement für die Asylsuchenden häufig erklären. „Es gibt immer noch sehr viele Vorurteile, die vielleicht daher rühren, dass man Fremden gegenüber zunächst skeptisch entgegentritt. Es ist aber auch einfach ein Akt der Menschlichkeit. Und viele Deutsche sollten sich an ihre Flucht während des Zweiten Weltkriegs erinnern“, appelliert der Schwitscher.

Nicht zufrieden ist Stegmann mit der personellen Ausstattung der Behörden, die sich mit den Flüchtlingen befassen müssen: „Das Sozialamt des Landkreises ist hoffnungslos unterversorgt.“

Auch die gängige Praxis, das volljährige Kinder aus Flüchtlingsfamilien wieder nach Hause abgeschoben würden, obwohl das Verfahren ihrer Eltern noch nicht entschieden sei, „ist bestimmt kein Akt der Nächstenliebe“, so Stegmann. Da bleibe den Heranwachsenden oft nur das Untertauchen.

Aber trotz dieser vielen Hürden geben Stegmann, van Setten und Co. nicht auf. Im Gegenteil: So trifft sich die Patengruppe regelmäßig zum Austausch. „Da reflektieren wir, was läuft oder was wir verbessern können“, so van Setten, die noch einige Männer in der Gruppe gebrauchen könnte.

Der Präventionsrat verfügt über eine Handvoll Handwerker, die ebenfalls helfen, wo Not am Mann ist. „Sascha Kirschke sammelt außerdem die Angebote von Sachspenden, die dann bei Bedarf angefordert werden. So werden nämlich immer wieder Kinderkleidung, Geschirr und große Töpfe benötigt“, erzählt Stegmann, der aber „sehr gut“ mit der DRK-Kleiderkammer, dem Second-Hand-Geschäft Anziehungspunkt und dem Gabentisch zusammenarbeitet.

Auch im Visselhöveder Rathaus sind die Sachbearbeiter froh, dass es diese Helfergruppen gibt. „Wir sorgen nämlich nur für die Unterkunft und das Inventar“, so Heiko Grünhagen, „darum kann man das Engagement nur loben.“ Denn auch aus diesem Grund sei die Integration der knapp 100 Menschen so geräuschlos über die Bühne gegangen. Immerhin mehr Menschen als einige kleinen Ortsteile Einwohner haben.

Das nächste Treffen der Kontaktgruppe des Präventionsrats ist auf den Samstag, 30. Mai, um 15 Uhr im Haus der Bildung an der Emmy-Krüger-Straße terminiert. „Jeder ist herzlich willkommen“, so Gustav Stegmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

Green Circus auf dem Deichbrand Festival 2017

Green Circus auf dem Deichbrand Festival 2017

Holtebütteler Plattsnackers spielen „Chaos in’t Bestattungshuus“ 

Holtebütteler Plattsnackers spielen „Chaos in’t Bestattungshuus“ 

Meistgelesene Artikel

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Aus Freundschaft wurde er zum Straftäter

Aus Freundschaft wurde er zum Straftäter

Kommentare