Rotenburger Werke kümmern sich um Palettenlandschaft

Inklusion am Hochbeet

Ferenc Meyer (l.) und Karl-Heinz Henninger gehören zur Pflegegruppe.
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Ferenc Meyer (l.) und Karl-Heinz Henninger gehören zur Pflegegruppe.

Visselhövede – Ganz behutsam nimmt Hermann Röders die kleine hellgrüne Gießkanne, die vorher von seinem Freund Ferenc Meyer am Brunnen des Visselhöveder Marktplatzes mit frischem Wasser gefüllt worden war, und gießt damit die Kräuter und Heilpflanzen der Palettenlandschaft im Herzen der Stadt. Röders ist der „Gärtnermeister“ aus der Visselhöveder Wohngruppe der Rotenburger Werke, die sich um die Hochbeete kümmert. Zwar ist er an den Rollstuhl gefesselt, aber mit geübter Hand wässert er nicht nur die Pflanzen, sondern harkt auch ein wenig und zupft ein bisschen Unkraut.

Währenddessen schwingt Betreuer Krzysztof Synak den Besen und macht den Platz rund um den Brunnen sauber. „Einmal pro Woche sind wir hier und schauen bei der Palettenlandschaft nach dem Rechten“, so Synak, der seit zwei Jahren in der Wohngruppe an der Worthstraße arbeitet. Jeweils vormittags und nachmittags sind die Bewohner dann vor Ort, „um etwas für den Ort zu machen“. Genauso wie die Pflanzen in den Beeten wachsen würden, so sei auch die „Wohngruppe mittlerweile in Visselhövede tief verwurzelt“.

Zwar hätte die Gruppe sich schon von Beginn an um die Pflege der Blumen, Kräuter und Früchte kümmern wollen, aber Corona habe dieser Idee leider einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. „So mussten unsere Bewohner wochenlang im Haus bleiben, darum sind sie jetzt umso glücklicher, wieder unter Menschen zu sein“, freut sich Synak mit Röders, Ferenc Meyer und Karl-Heinz Henninger, die an diesem Tag „Dienst“ schieben.

Als Röders fachmännisch feststellt, dass die Pflanzen nun genug Wasser bekommen haben, denkt er kurz nach und sagt: „Ich hätte auch gerne, dass wir im nächsten Jahr hier mal kleine Feste feiern. Vielleicht im Herbst oder im Frühjahr.“

„Das ist doch eine gute Idee“, findet Harald Gabriel von der Gruppe Vissel for Future, die im Frühjahr gemeinsam mit dem Präventionsrat, dem Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy und der Stadtverwaltung das Projekt ins Leben gerufen hatte.

Zuvor hatte eine extra eingerichtete Marktplatzgruppe die Idee entwickelt, vier Sitzmöbel und vier Hochbeete aus ausrangierten Paletten im Halbkreis am Brunnen aufzustellen. Mit simplen Mitteln, aber dafür mit viel Enthusiasmus wurde so ein echter Treff auf dem Marktplatz geschaffen, der die Menschen einander näher bringen soll.

„Und dabei spielte auch der Inklusionsgedanke eine große Rolle, und der wird durch die Arbeit der Wohngruppe in idealer Form umgesetzt. Wir sind sehr froh, dass wir so auch tatkräftige Unterstützung bekommen“, so Gabriel, der den Platz als „Begegnungsstätte für Jung und Alt, aus der Stadt oder den Dörfern, für Menschen mit und ohne Behinderung“ bezeichnet.

Mittlerweile ist auch der örtliche Kneipp-Verein mit im Boot und hat einen Teil der Beete mit Kräutern bepflanzt, die von jedermann probiert werden können. „Ein weiterer Schritt zu unserem ehrgeizigen Projekt einer essbaren Stadt“, freut sich Gabriel.

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