Befürchtete Ausdwirkungen auf Mensch und Tier 

Wittorfer Initiative: „Windkraft ja, aber mit Abstand“

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Die Idylle trügt: Die Wittorfer Bürgerinitiative für Umwelt und Gesundheit (WUG) befürchtet nach der Errichtung von mehr als 200 Meter hohen Anlagen Auswirkungen auf Mensch und Tier.

Wittorf - Von Jens Wieters. „Wir sind nicht gegen Windkraft, aber gegen riesige Anlagen in unmittelbarer Nähe. Die Initiative Wittorfer Bürger für Umwelt und Gesundheit (WUG), die sich gegen die geplanten Windräder auf einer rund 50 Hektar großen Fläche zwischen Lüdingen und Wittorf wehrt, lässt nicht locker und bezieht sich auf die Wiedervorlage des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP), für das der federführende Landkreis Rotenburg aktuell erneut die Stellungnahmen der Kommunen einfordert.

Und genau dort will die WUG den Hebel ansetzen: „Wir fordern, dass sich der Visselhöveder Stadtrat intensiv mit der Thematik auseinandersetzt und eine vorformulierte Stellungnahme nicht einfach so durchwinkt“, so WUG-Sprecher Gerd Richter.

Die Initiative ist der Meinung, dass die Errichtung raumbedeutsamer Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von weit mehr als 200 Metern aus vielerlei Gründen nicht möglich sein könne: „Die Dimensionen der geplanten, leistungsstärkeren Windkraftanlagen erfordern einen wesentlich höheren Abstand als die vorgesehenen 1000 Meter“, heißt es unter anderem in einem Brief an den Landkreis.

Der WUG geht es vor allem um den Infraschall. Das ist der Schall, dessen Frequenz eigentlich unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt, aber bei hohen Schalldrücken dennoch wahrnehmbar ist. Die Initiative hat in Erfahrung gebracht, dass die Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz den Ländern empfohlen habe, neue Hinweise zum Schallimmissionsschutz bei Windenergieanlagen anzuwenden.

„Die derzeitigen von den Behörden genutzten Entscheidungsgrundlagen sind längst veraltet und beziehen sich auf bestehende Windräder, die an den Flügelspitzen 160 Meter hoch sind“, stellt die WUG fest. Namhafte Forscher hätten nämlich erstmalig Veränderungen der Hirnaktivität des Menschen als Reaktion auf Infraschall im tieffrequenten Bereich mithilfe einer Magnetresonanztomographie dokumentiert.

„Viele Wittorfer nicht generell gegen Windkraftanlagen“

„Viele Wittorfer Bürger sind nicht generell gegen Windkraftanlagen. Es geht darum, Maß zu halten“, sagt Gerd Richter. Und das sogar im doppelten Sinne. „Einerseits bezieht sich das auf den Abstand zukünftig geplanter, hoher Windkraftanlagen zur Wohnbebauung. Hier fordern wir mindestens 3000 Meter.“ Und andererseits geht es der WUG auch um ein Maßhalten bei der Herstellung alternativer Stromproduktion. „Unser Landkreis erzeugt bereits 150 Prozent des Stromes aus alternativer Produktion. Eine gerechte Lastenverteilung auf alle Bundesbürger ist angebracht“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Südlich und westlich von Wittorf befinden sich bereits jeweils drei Windkraftanlagen. „Auch wenn diese sechs Anlagen nur eine Gesamthöhe von etwas unter 100 Metern haben, wirken sie unserer Ansicht nach dennoch raumbedeutsam und müssen in die Betrachtung mit einbezogen werden“, verlangt Richter. Emissionen dieser Anlagen wirke sich bis in Wittorfer Haushalte aus. „Jedes weitere Vorranggebiet bedeutet eine Umzingelung!“

Durch Versenkbohrung für Lagerstättenwasser belastet

Zudem sei das rund 1000 Einwohner zählende Dorf schon durch die in der Nähe befindliche Versenkbohrung für Lagerstättenwasser enorm belastet. „Die großen Fundamente von Windkraftanlagen und Infraschall übertragen erhebliche Vibrationen. Befürchtungen, dass dies Auswirkungen auf die Verpressung in nur rund 800 Meter Tiefe sowie auf die aktiven und auch auf die Altbohrungen hat, sind nicht von der Hand zu weisen“, stellt Richter klar.

Neben der Belastung für die Menschen, hätten die geplanten Windräder auch Auswirkungen auf die Tierwelt. Die WUG hat recherchiert, dass sich der Horst eines Rotmilans im Plangebiet 43 befinde. Darüber hinaus würden im Bereich des Dahnhorstgrabens schützenswerte Vogelarten leben und damit sei das Feuchtgebiet schützenswert. In anderen Plangebieten seien Kraniche und Schwarzstörche als Gastvögel gesichtet worden.

Die WUG fordert darum ein Moratorium, solange nicht neutrale Studien bezüglich der verschiedenartigen Emissionsbelastungen durch die neue Generation von Windenergieanlagen vorliegen.

Und es gebe noch ein Problem, das abgeklärt werden müsse: „Wer haftet für gesundheitliche und materielle Schäden, wenn wissentlich schädlicher Auswirkungen Entscheidungen von Verwaltung oder politischen Mandatsträgern getroffen werden? Müssen Windenergieanlagen von den Betreibern wieder abgebaut werden, wenn sie mehr Emissionen verursachen, als vor Errichtung angegeben?“, fragt die Initiative.

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