Vier Jahre nach Brand in Grapenmühlen: Gab es Krebsvorsorgeuntersuchungen?

Initiative gegen Gasbohren sorgt sich um Feuerwehrleute

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12. Mai 2012: Direkt am brennenden Filter waren Feuerwehrleute in Schutzausrüstung aktiv, ein paar Meter weiter gab es keine besonderen Maßnahmen.

Grapenmühlen - Von jens Wieters. Vor fast genau vier Jahren hielt ein dramatischer Zwischenfall auf dem Gelände des Betriebsplatzes Wittorf Z1 der RWE Dea die Anlieger in Atem: Zwei mannshohe Aktivkohlefilter der Verpressanlage für Lagerstättenwasser, das bei der Erdgasproduktion anfällt, standen in Flammen und sorgten für einen spektakulären Feuerwehreinsatz. Und genau dieser Einsatz der Brandschützer hat jetzt die „Gemeinnützige Initiative gegen Gasbohren im Landkreis Rotenburg“ auf den Plan gerufen.

„Wir sorgen uns um die Gesundheit der damals eingesetzten Feuerwehrleute“, sagt Jochen Richert aus Hassendorf, Vorsitzender der Initiative. Darum haben er und seine Mitstreiter einen dreiseitigen Fragenkatalog an den Vorsitzenden des Visselhöveder Feuerwehrausschusses, Tam Ofori-Thomas (SPD), geschickt. „Unerklärlich hohe Krebserkrankungen im Landkreis Rotenburg sowie eine mehrjährige Latenzzeit bis zur Wahrnehmung einer Erkrankung begründen eine erste Nachfrage an die Stadt Visselhövede“, so Richert.

Durch den Personeneinsatz am Brandherd in Grapenmühlen habe eine erhöhte Gefahr der Aufnahme von Radioaktivität über ungeschützte Körperteile wie Hände und Gesicht bestanden, vermutet Richert. „Ein vorschriftsmäßiger Personenschutz wie in der Feuerwehrdienstverordnung festgelegt, war damals nicht feststellbar.“ Außerdem konnte über die Einsatzkleidung eine Kontaminationsverschleppung im dienstlichen und privaten Bereich erfolgen.

Richert möchte von Ofori-Thomas unter anderem wissen, ob die im Mai 2012 eingesetzten Feuerwehrleute ein Personendosimeter getragen haben und ob die Einsatzkräfte, die ungeschützt an dem möglicher Weise radioaktiv- und chemisch-verseuchten Filterbrand aktiv waren, mittlerweile eine Krebsvorsorgeuntersuchung bekommen häten. „Denn laut Verordnung müssen diese Personen einem Arzt vorgestellt werden, wenn der Verdacht auf Kontamination besteht“, hat Richert in Erfahrung gebracht.

Der Hassendorfer möchte von Ofori-Thomas auch erfahren, warum der Gefahrenbereich damals nicht großflächig abgesperrt worden sei und sich somit Zuschauer und Polizisten ungeschützt am Einsatzort aufhalten konnten. „Schließlich hat die Stadt auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren freiwilligen Helfern“, unterstreicht der Hassendorfer.

Der will auch wissen, ob die betroffenen Feuerwehrleute und ihre Familien als Risikogruppe vom Gesundheitsamt Rotenburg befragt und in das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen aufgenommen wurden. Richert glaubt nach eigener Aussage auch nicht, dass der Stadtsicherheitsbeaufragte über ausreichend Kenntnisse verfüge und Erfahrung im Umgang mit Gefahrgut bei Störfällen an Bohrstellen habe. „Darum hoffe ich auf eine zeitnahe Beantwortung der Fragen“, so Richert.

Tam Ofori-Thomas will die ihm zugesandten Unterlagen und den Fragenkatalog jetzt in Ruhe prüfen, „natürlich in der Fraktion besprechen und auch zum Thema der nächsten Sitzung des Feuerwehrausschusses machen“, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung hervorhob. „Ich bin mir aber auch sicher, dass die eingesetzte Feuerwehrführung nach dem damaligen Einsatz alles Notwendige veranlasst hat.“ - jw

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