Ur-Enkelin des ersten jüdischen Bürgermeisters zu Gast

Große Resonanz beim Weltgästeführertag

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Lizi Christiansen zeigt auf ihren Ur-Großvater, der von 1872 bis 1878 Visselhövedes Bürgermeister war.

Visselhövede - Die Geschichte sechs Visselhöveder Berühmtheiten wurde am Samstag lebendig. Zu verdanken war dies den Gästeführerinnen Almuth Quehl und Hanna Tamke, die zum Weltgästeführertag zahlreiche Interessierte an der Kirche begrüßten.

„Wir haben viele Persönlichkeiten bei der Recherche gefunden, das Material reicht für mehrere Führungen. Aber wir haben uns auf sechs Personen beschränkt“, berichtete Almuth Quehl, die auch von Gina Lemme-Haase, Gästeführerin aus Rotenburg, unterstützt wurde. 

Der stellvertretende Bürgermeister Charly Carstens dankte den engagierten Damen und begrüßte insbesondere die Ur-Enkelin von Martin Alexander, der von 1872 bis 1878 als erster jüdischer Bürgermeister in Visselhövede tätig war. Lizi Christiansen stellte sich selbst vor. In Kolumbien geboren, kam sie vor 23 Jahren der Liebe wegen nach Deutschland und arbeitet als Geschäftsführerin in einem Familienunternehmen in Hambühren. 

Almuth Quehl (l.) und Hanna Tamke bei der Begrüßung.

„Ich habe fünf Kinder und eine Enkeltochter. Damit hat Martin Alexander eine Ur-Ur-Ur-Enkelin.“ Von ihrem berühmten Ur-Großvater erfuhr sie erst, als ein Buch über ihn erschien. „Vor zwei Jahren machte ich mich mit meiner Tochter auf nach Visselhövede, um über ihn, unter anderem im Rathaus, zu forschen und wir haben auch sein Grab aufgesucht. Mein Vater selbst musste in der Nazizeit nach Kolumbien fliehen.“

Die ersten beiden Stationen der Stadtführung waren Pastor Heinrich Pape (1845 – 1805) und Sohn Samuel Christian Pape gewidmet. Pastor Pape hat so manches Schriftstück und Lied verfasst, von denen eins unter Orgelbegleitung von Wolfram Zindler gesungen wurde. „Samuel Christian Pape hingegen war eine tragische Figur, die viel Pech im Leben hatte“, informierte Quehl.

Korrekter Quellennachweis wichtig

Die dritte Station galt dem Historiker und Jurist Anton Christian Wedekind (1763 - 1845), der sein Augenmerk auf korrekten Quellennachweis richtete und hierfür eine Stiftung gründete, die heute noch existiert. Des Weiteren hörten die Besucher von Heinrich Porrath, der als großer Gegner der Nationalsozialisten galt und 1930 eine Demonstration gegen das spätere Regime mit 3 000 Teilnehmern in Visselhövede organisiert hatte. 

„Es ist belegt, dass er an den Folgen der Folter gestorben ist“, so Tamke. Die Reise durch die Geschichte führte auch zu Schwester Emmy Krüger, die letzte Landhebamme, nach der eine Straße in der Stadt benannt wurde und die auch Hanna Tamke ins Leben half.

aki

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