Interview mit Jens Dräger und Wilfried Bunke

Visselhöveder Herbstrallye: „Immer neue Herausforderungen“

+
Schnell unterwegs sind die Teilnehmer der Visselhöveder Herbstrallye ab heute Mittag. Auf vier Strecken unterschiedlicher Länge fahren sie um Bestzeiten und den Sieg.

Ab Samstagmittag wird eszeitweise laut und es geht rasant zu auf Visselhövedes Straßen und denen der Ortschaften. Dann nämlich startet die zehnte Visselhöveder ADAC-Herbstrallye – eine Motorsportveranstaltung, die für viele Fahrer fest im Wettbewerbskalender verankert ist.

Visselhövede – 47 Fahrer sind mit ihren Beifahrern und PS-starken Autos im Starterfeld gelistet. Damit alle erfolgreich ins Ziel kommen, beginnt schon Monate vorher die Vorbereitung für den Wettkampstag. Im Interview haben Jens Dräger, Pressebeauftragter der Motorsportgemeinschaft (MSG) Visselhövede und der Umweltbeauftragte Wilfried Bunke in dieser Woche über die Herausforderungen der Organisation, über Neuerungen und Chancen der lokalen Teilnehmer gesprochen.

Herr Dräger, ist für die Rallye alles bereit?

Dräger: Natürlich nicht (lacht). Die Vorbereitung ist immer relativ lang. Das fängt an mit einer ersten Planung im Frühjahr, konkretisiert sich dann über irgendwelche Streckenverläufe, die man im Laufe des Jahres ausfindig macht. Da wird auch teilweise heftig drüber diskutiert: Wo fahren wir? Wo gibt es auch die Akzeptanz im Dorf? Oder auch nicht? Wir haben neben den Strecken, die dieses Jahr gefahren werden, auch schon andere gehabt, von denen wir uns wieder zurückgezogen haben. Irgendwann geht es in die Genehmigungsphase, denn wir müssen das offiziell beantragen bei Landesbehörden, beim Kreis, bei der Stadt. Dann geht es in die Feinplanung. Die wesentlichen Aktivitäten finden immer in den letzten vier Wochen vorher statt. Da fängt man an, sich Streckenposten zusammen zu suchen als Wertungsprüfungsleiter. Man vergibt die offiziellen Aufgaben, hat auf der Internetseite mehr Themen. Je näher man dem Termin kommt, desto mehr Aufgaben werden gelöst und kommen auf einen zu. Neue Aufgabe in diesem Jahr war zum Beispiel: Die uns zugesagten Absperrungen waren auf einmal doch nicht da, da mussten wir was anderes organisieren. Freitag ist der Haupttag, wo dann wirklich auch im Ort was zu sehen ist, wo Schilder aufgestellt werden, wo Absperrungen vorbereitet werden.

Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wie viele Köpfe sind dabei involviert?

Dräger: Bis zum Veranstaltungstag werden es immer mehr. Am Veranstaltungstag kann man sagen, dass zu jeder Strecke so 40, 50 Leute gehören. Mit allem Drum und Dran ist man denn schnell bei 200 Personen, die den Tag über mehr oder weniger eingespannt sind. Manche haben Doppelfunktionen, machen morgens die Zeitkontrolle am Start, mittags die Durchfahrtskontrolle irgendwo in der Reifenwechselzone und abends nochmal die Ankunft des gesamten Teams im Rallyezentrum begleiten.

Ist das ein festes Team, oder gibt es auch Probleme, Helfer zu bekommen?

Dräger: Das ist nicht nur die Motorsportgemeinschaft, die da an dem Tag tätig ist. Die hat ja letztlich nur gut 60 Mitglieder. Davon ist auch ein gewisser Jugendanteil vorhanden. Ganz wesentliche Unterstützung kommt aus dem Freundeskreis, von den örtlichen Feuerwehren; von Jeddingen über Wittorf bis Schwitschen, Hiddingen und Buchholz sind alle in einer Form eingespannt. Und die Johanniter sowie die Polizei sind involviert, aber auch sonst wird jeder Bekannte und Verwandte eingespannt. Jeder der laufen kann und eine Fahne halten kann, darf etwas tun.

Jetzt gibt es die Rallye zum zehnten Mal. Ist das vom Organisatorischen her ein Selbstläufer?

Dräger: Eher nicht. Jedes Jahr gibt es etwas Neues. So haben wir jedes Jahr eine neue Strecke. Einiges wiederholt sich, und wenn man die Strecke in Schwitschen-Buchholz sieht, ist sie umgedreht das, was wir letztes Jahr gefahren haben. Oder in Jeddingen sind auch viele Komponenten aus dem vergangenen Jahr mit dabei. Aber wir versuchen schon, immer etwas Neues zu machen, sodass auch organisatorisch andere Dinge zu beachten sind. Aber es ist natürlich auch davon abhängig, wie das Wetter vorher ist. Welche Wege kann man benutzen? Wer genehmigt es uns, über einen Hof zu fahren oder auch nicht? Aber auch Programmhefte, die mal pünktlich da sind, wie in diesem Jahr, oder mal erst am Veranstaltungstag kommen, wie im vergangenen Jahr. Das sind immer wieder neue Herausforderungen – auch von den Verbänden. Wir sind ja organisiert im ADAC über den DMSB. Da gibt es jedes Jahr neue Vorgaben und Rahmenbedingungen, die erfüllt werden müssen. Wir haben Kontrolleure, die uns an dem Tag begleiten, damit sie uns am Ende ein gutes Zeugnis ausstellen.

Die Veranstaltung ist überregional bekannt. Aber für den Motorsport Unkundigen: Wie kann man die Rallye im Wettbewerbskalender verankern? Welche Bedeutung hat sie?

Dräger: Es ist schon die 2. Bundesliga, wenn man es im Volkssport Fußball ausdrücken will, des Rallyesports. Es ist eine relativ hoch angesiedelte Klasse, auch wenn man nicht wie beim Fußball sagen kann, dass es bis auf die Kreisklasse runtergeht. Es ist auch eine Veranstaltung, die über den DRC, Deutscher Rallye Cup, organisiert ist. Dort wird es in Nord und Süd geteilt, und wir sind einer der sieben Läufe im norddeutschen Bereich. Das heißt, es gibt noch sieben weitere im süddeutschen Bereich, und daraus erfolgt letztendlich ein Endlauf. Damit steht der Deutsche Meister im DRC der 2. Liga fest.

Dementsprechend sieht ja auch das Teilnehmerfeld aus. Es gibt aber auch lokale Starter. Wie schätzen Sie deren Chancen ein?

Dräger: Ganz unterschiedlich. Die lokalen Akteure, das ist einerseits Olaf Müller. Recht erfahren mit seinen knapp 50 Jahren, hat er alles gefahren, was man irgendwie fahren konnte. Der ist auch schon im Ausland gefahren. Er bringt eine gewisse Erfahrung mit, hat in diesem Jahr ein neues Auto, einen BMW M3 E36. Der fährt aber auch mit einer Beifahrerin, mit er bisher nicht gefahren ist. Da könnte es schwer werden. Wie man in der Siegertafel der vergangenen Jahre sieht, ist Olaf Müller eigentlich immer vorne mit dabei gewesen – also mal gucken. Der zweite lokale Akteur ist Alexander Brase mit Sabrina Hey, die kommen beide aus dem Verein. Der wird in der Klasse sicherlich vorne mitfahren können, aber um den Gesamtsieg glaube ich eher nicht.

Was macht den Rallyesport aus?

Dräger: Entweder man ist dafür geboren oder nicht. Man sagt ja, wenn man einmal dieses Rallye-Fieber hat, dann wird man es auch nicht los. Das ist manches mal so. Viele Akteure, die uns über Jahre begleiten bei dieser Veranstaltung, sind bereits Jahrzehnte dabei. Es ist auch der Mix eines freundschaftlichen Wettbewerbs. Viele fahren schon jahrelang um irgendwelche Pokale und Urkunden und messen sich jedes Jahr immer wieder. Und manche schnuppern rein und stellen fest, dass das ein teures Hobby ist. Das ist, glaube ich, wie mit jeder anderen Sportart auch: Entweder man bleibt dabei, oder man lässt es wieder. Das sehen wir ja im Jugendsport.

Benzinbetriebene Motoren, die um des Sports Willens beansprucht werden. Das ist erstmal weniger umweltfreundlich. Herr Bunke, Sie sind Umweltbeauftragter. Was können Sie denn sagen, was die die MSG in dieser Hinsicht macht?

Bunke: Wir versuchen in diesen Jahr erstmalig als einer der wenigen Anbieter in Deutschland eine klimaneutrale Rallye darzustellen, was die Fahrtstrecken und die Transportetappen angeht. Und das ist eben auch der Versuch, einen kleinen Ausgleich zu den erzeugten CO2-Werten zu bieten. Was aber für den Rallye-Sport schon seit Jahren gilt, ist, dass man dort sehr umweltbewusst ist. Das wird alleine schon vom DMSB vorgeschrieben, dort gibt es Umweltrichtlinien und Umweltbeauftragte, die auch wir haben und die auch, sollten Umweltschäden auftreten oder im Vorfeld zu erkennen sind, gewisse Maßnahmen ergreifen. Das heißt, ein Umweltbeauftragter reglementiert beispielsweise Fahrer, wenn er feststellt, dass Verunreinigungen vorliegen. Es darf eben nicht überall ein Reifenwechsel stattfinden, es muss ein fester Untergrund vorhanden sein. Es darf eben nicht überall getankt werden, es darf nicht überall geparkt werden. Das sind alles so kleine Auflagen, die alleine schon vom DMSB vorgeschrieben werden, die von uns natürlich auch umgesetzt werden.

Die Strecken der Herbstrallye

Um 12.31 Uhr werden die ersten Teilnehmer vom Marktplatz aus auf die Strecke geschickt. Bei diesem Showstart sind alle Autos zu sehen, sie werden dort im Minutentakt starten. Dann gibt es vier Strecken, die die Fahrer in Bestzeit zurücklegen müssen. Auf jeder Strecke gibt es zwei zuständige Wertungsprüfungsleiter.

. Wertungsprüfung 1 und 5 – Schwitschen und Buchholz: Die Strecke ist 8,1 Kilometer lang. Dort gibt es Geraden aber auch enge Kurven und wechselnde Straßenbeläge, sodass die Strecke bei Regen teils sehr nass werden kann. Bereits im Vorjahr gehörte die Wegführung zum Wettbewerb, dieses Mal wird sie aber in umgekehrter Reihenfolge gefahren.

. Wertungsprüfung 2 und 6 – Jeddingen und Nindorf: Es ist die längste Strecke mit 12,2 Kilometern. Teilweise handelt es sich um einen Rundkurs, der mehrmals gefahren wird. Ein Teil geht es auch über die K 207 in Nindorf.

. Wertungsprüfung 3 und 7 – Delventhal und Visselhövede: Die Fahrer starten hier im Gewerbegebiet Visselhövede, von dort aus geht es Richtung Delventhal. Es ist mit 6,2 Kilometern die kürzeste Strecke.

. Wertungsprüfung 4 und 8 – Depot und Löverschen: Bereits vor einigen Jahren war die 4,9 Kilometer lange Strecke, die zweimal gefahren wird, Teil der Rallye.

Auf der Internetseite wip.visselhoeveder-herbstrallye.de sind für die Strecken Zuschauerpunkte markiert.  

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Hongkong: 100 Aktivisten verbarrikadieren sich weiter in Uni

Hongkong: 100 Aktivisten verbarrikadieren sich weiter in Uni

Charles und Camilla zu Besuch in Neuseeland

Charles und Camilla zu Besuch in Neuseeland

Busfahrer in Hessen streiken

Busfahrer in Hessen streiken

Winterlicher Hygge-Urlaub auf Fanø

Winterlicher Hygge-Urlaub auf Fanø

Meistgelesene Artikel

Todesfalle Plastikmüll: Hirsch stirbt im Wald bei Kirchwalsede

Todesfalle Plastikmüll: Hirsch stirbt im Wald bei Kirchwalsede

Bundeswehr vereidigt zum Gründungstag Rekruten

Bundeswehr vereidigt zum Gründungstag Rekruten

Revision abgewiesen: Täter nach Blutrache-Mord rechtskräftig verurteilt

Revision abgewiesen: Täter nach Blutrache-Mord rechtskräftig verurteilt

Für ein besseres Busnetz

Für ein besseres Busnetz

Kommentare