Haushalt geht locker von der Hand

Charlotte Meinke ist 100 Jahre alt: „Ich hatte einfach Glück im Leben“

Charlotte Meinke feiert Freitag den 100. Geburtstag. Das Lesen der Heimatzeitung gehört für sie zum täglichen Ritual.
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Charlotte Meinke feiert Freitag den 100. Geburtstag. Das Lesen der Heimatzeitung gehört für sie zum täglichen Ritual.
  • Jens Wieters
    vonJens Wieters
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Visselhövede – „Was die Menschen in der Welt so alles machen, ist schon schlimm“, sagt Charlotte Meinke und legt die Visselhöveder Nachrichten kopfschüttelnd aus der Hand. Aber dennoch glaubt sie fest daran, dass sich irgendwann alles zum Guten wendet. „Auch was Corona angeht.“ Da spreche sie aus Erfahrung.

Und davon hat Charlotte Meinke reichlich, denn sie feiert am Freitag ihren 100. Geburtstag. „Natürlich mit Abstand und auf den Tag verteilt und mit nicht so vielen Leuten, wie eigentlich Anfang des Jahres noch geplant“, sagt die rüstige Rentnerin, die am 24. Juli 1920 das Licht der Welt als geborene Desens mitten in Visselhövede erblickt hat.

Während ihre Eltern das gleichnamige Juwelier- und Uhrmachergeschäft in der Innenstadt geführt haben, das später ihr Bruder Rudi Desens, immerhin auch gerade 90 Jahre alt geworden, übernommen hat, hatte sich Charlotte Desens nach der Grundschule am Heimatort und der „Mittelschule“ in Walsrode der Ausbildung als Kindergärtnerin verschrieben. „Ja, früher hieß das noch so und nicht Erzieherin“, erinnert sich die Jubilarin noch sehr gut an die Zeit während des Zweiten Weltkriegs, als sie nach der Lehre den Jeddinger Kindergarten leitete und auch ihren Mann Ernst kennengelernt hat.

Im Februar 1944, mitten in den Kriegswirren, wurde aus Charlotte Desens Charlotte Meinke, als sie ihren Mann ehelichte. Das Zusammensein währte aber nur kurz, denn Ernst Meinke geriet „als Soldat ohne Gewehr“, wie seine Witwe ihn heute nennt, in französische Gefangenschaft. „Zum Glück in Frankreich, das Land, das wir sehr gut kannten, weil wir ab 1938 einige Male dort waren“, berichtet das Geburtstagskind, auch wenn das bei einem 100. Geburtstag vielleicht nicht ganz die richtige Anrede ist.

Nach der Rückkehr ihres Mannes wurden zunächst Sohn Jörg 1949 und vier Jahre später Sohn Ulf geboren. „Wir sind 1953 von Jeddingen nach Visselhövede gezogen, unter anderem an den Marktplatz. 1956 haben wir unser Haus an der Stettiner Straße gebaut.“

Es folgten viele Jahre, in denen sie ihre Eltern und eine blinde Tante gepflegt hat. „Zusätzlich habe ich ein Waisenkind groß gezogen.“

1972 hatte sie sich erfolgreich im Stellichter Heim von Dr. Kruse beworben, in dem behinderte Kinder und Jugendliche untergebracht waren. „Dort hatte ich einen Jungen in Obhut, der so von mir gefördert wurde, dass er später sogar eine Schule besucht hat, obwohl ihm das niemand zugetraut hatte“, ist Charlotte Meinke nach vielen Jahren immer noch stolz.

1984 ging sie in Rente, 1993 folgte mit dem Tod ihres Mannes aber ein Schicksalsschlag. „Er hat mir in all den Jahren jeden Wunsch von den Lippen abgelesen“, ist Meinke auch heute noch sehr dankbar. Bereits vorher war die Ur-Visselhövederin im Plattdeutschen Verein und im Chor der Musikfreunde aktiv. Auch der Frauenkreis der Kirchengemeinde lag und liegt ihr am Herzen.

Apropos Herz: „Ich bin niemals so richtig ernsthaft krank gewesen. Mal eine Knie-OP, dann mal was mit dem Rücken, aber sonst nichts. Nur die Augen und die Ohren funktionieren heute nicht mehr so gut.“

So liegt es denn auch nahe, dass sie alleine in ihrem Haus lebt. Und wie! Denn einer von ihren Kindern, die heute in Hamwiede und bei Hannover leben, engagierten Pflegekraft hat Charlotte Meinke schon nach wenigen Tagen wieder abgesagt. „Ich will alleine zurechtkommen und ich kann allein zurechtkommen“, ist ihr Lebensmotto. Und das gilt auch für den Haushalt. Eine Reinigungskraft gibt es nicht. „Wir hatten mal eine, aber die hat nicht in den Ecken geputzt.“ So ist Meinke auch heute noch sehr penibel, was Sauberkeit und Ordnung in ihrem großen Haus angeht. Und auch den Garten, und sogar „den Grünstreifen vorm Haus, für den eigentlich die Stadt verantwortlich ist“, hält sie immer noch tipptop in Schuss.

Hilfe bekommt sie nur beim Einkaufen von Nachbarin Irene Becker, die ihr regelmäßig die Besorgungen vorbeibringt. „Vor Corona waren wir noch immer zusammen los, aber jetzt bin ich ein bisschen vorsichtiger.“ Das gilt auch für den Klönschack am Gartenzaun, der früher fast täglich stattgefunden habe. „Aber heute kenne ich die jungen Leute in der Nachbarschaft kaum noch.“

Ob sie ein Rezept für ein derart langes Leben hat? „Aktiv sein und niemals aufgeben“, sagt Charlotte Meinke. Sie weiß aber auch: „Ich habe einfach Glück gehabt im Leben, habe einen lieben Mann kennengelernt, habe eine gute Familie, gute Freunde und Bekannte und gute Nachbarn.“

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