Hiddingerin traut sich nicht mehr in den Wald

Nach Wolfssichtung: „Ich habe richtig Schiss“

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„Dort gehe ich nicht mehr allein lang.“ – Else Kaufmann (vorn) und Marion Warpaul betrachten die zunehmende Wolfspopulation in der Region Visselhövede aus unterschiedlichen Sichtweisen mehr als als kritisch.

Hiddingen - Von Jens Wieters. „Mit dem Einzug der Wölfe in unsere Region geht mir ganz klar ein Stück Lebensqualität verloren“, sagt Marion Warpaul. Sie ist aufgeschreckt durch Meldungen über Übergriffe der Raubtiere auf Schafe und auch, weil jetzt sicher ist, dass mindestens fünf verschiedene Wölfe in den Wäldern rund um Visselhövede ein Rudel gebildet haben.

Die Hiddingerin hält Islandpferde und zwei Hunde, mit denen sie regelmäßig in der Feldmark unterwegs war – jetzt nämlich nicht mehr. „Früher bin ich zwei- bis dreimal pro Woche ausgeritten, bin durch den Wald gejoggt oder auf Feldwegen Rad gefahren. Das mache ich jetzt alles nicht mehr, denn ich habe echt richtig Schiss“, so Warpaul, die vor zwölf Jahren aus gutem Grund ins Grüne gezogen ist. 

„Dorfidylle, Landleben ist für mich das Größte, aber jetzt bestimmt die Angst meinen Lebensrhythmus in der freien Natur.“ Vor einem Spaziergang, selbst in Begleitung ihrer beiden Hunde, fährt Warpaul die Strecke zunächst mit dem Auto ab. Sieht sie Rehe friedlich äsen, geht auch sie etwas beruhigter los: „Dann weiß ich, dass kein Wolf in der Nähe ist.“

Sie gibt zu, dass sie eher zur Gattung Hasenfuß gehört, aber dennoch will sie es nicht so einfach hinnehmen, dass sich die Wölfe auf Kosten der Menschen in der Region breitmachen. „Ich habe von Nachbarn gehört, dass sie ihre Kinder nicht mehr in den Wald zum Spielen lassen, und auch in den Kindergärten werden Ausflüge in die Umgebung seltener. „Ich möchte vor allem wissen, wie ich mich verhalten soll, wenn mir ein Wolf begegnet. Reizgas? Elektroschocker? Knallkörper? Niemand kann es mir sagen und das macht mich hilflos“, klagt die Physiotherapeutin.

Ebenso wie Warpaul hat auch Else Kaufmann noch keinen Wolf in freier Wildbahn gesehen, „aber das möchte ich auch gar nicht“. Die Buchholzerin betreibt eine kleine Schafzucht und sieht sich durch die weitere Verbreitung der Wölfe in ihrer beruflichen Existenz gefährdet: „Wie hoch sollen wir die Zäune denn bauen? Ob sie etwas nützen, ist außerdem dahingestellt.“ Kaufmann glaubt nicht daran, dass ein 90 Zentimeter hoher Elektrozaun oder ein 1,20 Meter hohes Maschengeflecht Wölfe abhalten kann.

„Es ist schon schlimm, wenn man morgens aufwacht und jeden Tag auf dem Weg zur Weide denkt, hoffentlich ist nichts passiert“, so die Schäferin, die wie Warpaul der Meinung ist, dass Wölfe im relativ dichtbesiedelten Deutschland nichts zu suchen haben. „Es sind zwar schöne Tiere, aber die sollten doch bitteschön nicht vor unserer Haustüren jagen.“

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