Visselhövedes Bürgermeisterkandidatin Sabine Schulz im Interview

„Ich bin nie richtig weg gewesen“

Sabine Schulz
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Sabine Schulz aus Achim will ab November Visselhövedes Bürgermeisterin werden. Mit dem Bürgerpark an den Visselseen hat sie bereits einen Lieblingsplatz.

Visselhövede/Achim – Sabine Schulz aus Achim will ab November als Bürgermeisterin auf dem Chefsessel im Visselhöveder Rathaus Platz nehmen. Die parteilose 57-Jährige, die ihre Jugend- und Schulzeit in der Vissel-Stadt verbracht hat und bei ihrer Kandidatur vom FDP-Stadtratsmitglied Henning Cordes und der WiV-Stadtratsfraktion unterstützt wird, leitet aktuell die Achimer Bäderbetriebe. Sie stellt sich im Interview ein wenig vor und verrät schon mal ein paar Dinge über den Wahlkampf und ihre persönlichen und politischen Ziele.

Frau Schulz, die obligatorische Frage: Kennen Sie das Visselhöveder Schwein, das europaweit bekannt war?

Ja, ich kenne das Visselhöveder veredelte Landschwein und bin in Besitz einer Zuchtchronik aus dem Jahre 1922 von Dr. August Bartram. Sollte es sich noch nicht im städtischen Archiv befinden, überlasse ich dieses Exemplar gerne der Stadt.

Jetzt aber im Ernst, Sie leben zwar nicht weit weg von Visselhövede, sind aber schon nach der Schule weggezogen. Was kennen Sie noch von der Stadt und den Dörfern?

Ich bin ja nie richtig weg gewesen und mehrmals wöchentlich vor Ort. Dadurch habe ich die Entwicklung der Stadt mit seinen 14 umliegenden Dörfern mitbekommen und miterlebt. Ich bin in zwei Vereinen und wurde seinerzeit gebeten, die Stadt zu Fragen des Hallen- und Freibads zu beraten. Da ging es um wirtschaftliche tragbare Lösungen für die marode Wasseraufbereitungsanlage des Hallenbades. Franka Strehse war zu dieser Zeit die amtierende Bürgermeisterin.

Wann ziehen Sie nach Visselhövede?

Wir planen, spätestens im Sommer zurückzukommen. Im September würde ich natürlich gerne als Bürgerin die Wahlkabine in Vissel aufsuchen.

Ihr erster Eindruck von den örtlichen Politikern?

Konkret kann ich Ihnen die Frage beantworten, wenn ich mit allen gesprochen habe. Die ersten konstruktiven Gespräche fanden mit den Vertretern und Vertreterinnen der WiV sowie der FDP statt. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir so einen guten Start hatten und uns in mehreren Themen bereits einheitlich austauschen konnten. Ich bin gespannt auf die nächsten Begegnungen mit den Mitgliedern der anderen Parteien und Fraktionen.

Wie kann Visselhövede mit nicht mal 10 000 Einwohnern im kommunalen Wettbewerb bestehen?

Dem Vergleich kann man nur standhalten, indem man stetig an den Entwicklungsschwerpunkten arbeitet, zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe, Tourismus, Freizeit und Kultur. Netzwerkbildung und der Austausch mit vergleichbaren Gemeinden gehören ebenfalls dazu. Außerdem müssen die Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet und gestärkt werden.

Was kann eine Bürgermeisterin dafür tun?

Sollten mir die Bürgerinnen und Bürger ihr Vertrauen schenken und mich im September in das Amt wählen, würde ich gemeinsam mit den neu gewählten Vertretern und Vertreterinnen der Politik ein Leitbild für die Stadt entwickeln. Die darin vereinbarten Ziele werden verbindlich sein und geben eine Orientierung für Entscheidungen, die in den nächsten Jahren getroffen werden müssen. Die Handlungsfelder werden abgesteckt und schaffen Verlässlichkeit und Vertrauen. Die Identifikation der Einwohner und der örtlichen Gruppen und Vereine mit ihrer Stadt erzeugt ein Wir-Gefühl. Die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in Visselhövede ist ebenfalls eine Herzensangelegenheit von mir.

Fast jede Verwaltungschefin krempelt ihr Rathaus nach der Amtsübernahme gehörig um. Sie auch?

In meiner Bewerbung um dieses Amt habe ich geschrieben, dass meine Grundhaltung als langjährige Führungskraft im Aufbau von vertrauensvollen und verlässlichen Beziehungen im Team besteht. Diese Haltung wird sich auch nicht ändern. Der nächste Amtsinhaber oder die Amtsinhaberin übernimmt das Zepter für eine gut geführte Verwaltung. Für mich ist es selbstverständlich, dass sich auch eine Kommunalverwaltung moderner Führungsinstrumente bedient, um das Arbeiten und die Dienstleistungen effizienter zu gestalten. Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist es eine Chance, gute Kommunikationswege zu erstellen und für die geleistete Arbeit konstant Wertschätzung zu erfahren.

Wie stehen Sie zu Veränderungen?

Eine Veränderung oder Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen und Arbeitsweisen ist ein zeitintensiver Prozess, der sich in eine positive Richtung entwickeln soll. An diesem Prozess müssen alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beteiligt werden. Ein radikales Umkrempeln ohne Zusammenarbeit mit den Beteiligten funktioniert so nicht!

Mehr als 40 Jahre im Öffentlichen Dienst

Sabine Schulz ist 57 Jahre alt, verheiratet und hat eine erwachsene Tochter und zwei erwachsene Stieftöchter. Sie wohnt in Achim im Landkreis Verden und leitet seit 2006 als Meisterin für Bäderbetriebe das Achimer Hallen- und das Freibad. In der Einrichtung hat sie bereits 1980 ihre Ausbildung begonnen, nachdem sie die Schulzeit in der Visselhöveder Realschule mit der Mittleren Reife beendet hatte. Schulz ist in mehreren Vereinen in Visselhövede aktiv, teilweise auch im Vorstand und beruflich in Berufsbildungsausschüssen für Fachangestellte und Meister für Bäderbetriebe engagiert. 

Sie sind gemeinsamer Kandidat der WiV und der FDP und müssen Stand heute gegen einen Kandidaten der CDU/SPD und der Grünen antreten. Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?

Ich sehe für mich gute Chancen in meiner Person. Mir ist bisher viel positive Resonanz entgegengebracht worden, sodass ich das schon als sehr realistisch einschätzen kann. Einige Bürger haben mir auch schon die ein oder andere Sorge anvertraut, um die es sich zu kümmern gilt.

Was passiert beruflich, wenn Sie nicht gewählt werden?

Mein Leben wird dann munter weitergehen wie bisher. Ich werde um eine Erfahrung reicher sein. Eine Niederlage würde natürlich schmerzen, bereuen würde ich es aber nie, mich dieser Challenge gestellt zu haben.

Wie sehen Ihre kommenden Monate aus, so als Bürgermeisterkandidatin?

Mein Arbeitsalltag wird routinemäßig verlaufen. In meiner Freizeit bereite ich meinen Wahlkampf vor und je nach behördlichen Bestimmungen werde ich mit vielen Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertretern von verschiedenen Interessengruppen und Vereinen Termine vereinbaren. Ebenfalls werde ich des Öfteren an öffentlichen Sitzungen des Stadtrates teilnehmen.

Wünschen Sie sich, dass der aktuelle Amtsinhaber Ihnen schon mal ein paar Einblicke in die Verwaltungsinterna gewährt?

Das ist bereits erfolgt, ich hatte ein sehr angenehmes Gespräch mit Ralf Goebel. Weitere werden folgen, ich freue mich darauf.

Die finanzielle Situation in Visselhövede ist zwar zurzeit recht gut, aber wegen der Corona-Krise wird das Portemonnaie künftig sicherlich nicht mehr so üppig gefüllt sein. Wo sollte dann der Rotstift angesetzt werden?

Bevor der Rotstift angesetzt wird, muss das strukturelle Defizit genau betrachtet und ausgewertet werden. Einsparpotenziale durch Optimierungen in der Organisation und den Arbeitsabläufen innerhalb der Verwaltung und den Einrichtungen müssen erarbeitet und umgesetzt werden. Prozentuale Kürzungen in verschiedenen Bereichen werden unumgänglich sein. Dann wird es umso wichtiger sein, ein Leitbild mit verbindlichen Vereinbarungen zu entwickeln. Klares Ziel ist die Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit!

Sie als Fachfrau, hat das Visselhöveder Hallenbad eine Zukunft? Oder was muss geschehen, um nach Corona mehr Bade- und Saunagäste anzulocken?

Auf jeden Fall hat das Hallenbad eine Zukunft. Während der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig die Angebote von Freizeit und Kultur sind und wie schmerzlich der Verzicht darauf ist. Diese Einrichtung dient der Daseinsvorsorge und ist für viele Menschen die einzige Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen. Ein Teil der Aufgabe wird es sein, in diesem Bereich auch Strategien zur Inklusion zu erarbeiten. Vereins- und Präventionssport für null- bis 99-jährige Menschen ist dort gesichert. Ein Hallenbad dient der Attraktivitätssteigerung in den Themen Wohn- und Lebensqualität und Tourismus. Für das Badpersonal ist es übrigens eine hohe Belastung, einer Diskussion von Badschließungen ausgesetzt zu sein. Mit dem Bau des Primar Campus ist eine durchgehende Versorgung mit Schwimmunterricht erforderlich und auch gewährleistet. Da es sich bei einem Hallenbadbetrieb immer um eine kommunale freiwillige Leistung handelt, ist es erforderlich, das Nutzungskonzept zu optimieren und die Gedanken in Richtung Profitcenter zu lenken. An diesem Punkt werden auch ein Leitbild und Zielvereinbarungen konkret.

Jetzt werden wir mal ein bisschen privater. Wein oder Bier?

Ich bevorzuge in gemütlicher Runde einen Rotwein, aber staubtrocken.

Fußball oder Wassersport?

Das lässt sich leicht beantworten: Schwimmen, am liebsten im Freiwasser, sowie Tauchen und Segeln. Fußball am besten live im Bremer Weserstadion mit einem grün-weißen Schal um den Hals.

Dienstwagen oder Fahrrad?

Es kommt auf die Entfernung an. Kurzstrecken natürlich zu Fuß oder mit dem Rad.

Lasagne oder Schweinebraten?

Auch wenn ich Kenntnisse über das veredelte Visselhöveder Landschwein habe, ernähre ich mich vegetarisch und ziehe eine Lasagne mit Gemüse vor.

„Germanys Next Topmodel“ oder „Anne Will“?

Bei GNTM würde ich bereits im Casting aufgrund meines Alters ausscheiden. Eine Einladung von Anne Will zu einem interessanten Thema würde ich gerne annehmen.

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