SOMMER ZUHAUSE Cornelia Person und Marco Warnecke mögen Federvieh

Hühnerstall statt Sagrada Família

Cornelia Person und Marco Warnecke erleben viele lustige Dinge mit ihren Hühnern.
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Cornelia Person und Marco Warnecke erleben viele lustige Dinge mit ihren Hühnern.
  • Jens Wieters
    vonJens Wieters
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Visselhövede – Es sind zwar nicht seine ersten Kinder, aber Luigi ist stolz wie Oskar. Mit entsprechend breiter Brust – pardon, mit geschwollenem Kamm – spielt er darum auch den Chef im Gehege. Auch wenn er paar Köpfe kleiner ist als die Weibchen, lassen sie ihn wohlwollend gewähren. „Die haben schließlich etwas Besseres zu tun“, sagt Cornelia Person und deutet auf die winzigen Federbälle, die auf der großen Freifläche an der Visselhöveder Porrathstraße unterwegs sind.

Und die stehen jetzt unter besonderer Beobachtung von Person und ihrem Freund Marco Warnecke, denn schließlich sind die kleinen Chabos, so heißt diese Hühnerrasse, gerade erst ein paar Tage alt. Normalerweise würden sie eher unbeachtet bleiben, aber Person und Warnecke haben ihren bereits lange geplanten Urlaub in Barcelona gecancelt. „Wegen Corona.“ Und so gestalten sie ihren Sommer halt Zuhause, machen den Garten hübsch und kümmern sich ausgiebig um Luigi und seine insgesamt elf Frauen und die winzigen Küken.

Die beiden Visselhöveder gehören nämlich zu denen, die das Huhn als Haustier wiederentdeckt haben. „Immer mehr Menschen wenden sich neuerdings der Hühnerhaltung zu und wollen ihr Ei aus dem eigenen Stall“, berichtet der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter.

„Die sind bei den Chabos zwar äußerst mini, aber besonders lecker“, sagt Person, bei der kaum noch normale Hühnereier auf den Tisch kommen. „Dann koche oder brate ich halt ein paar mehr.“

Aktuell ist allerdings Lieferstopp, denn die beiden Chabo-Hennen kümmern sich 24 Stunden am Tag um die schwarzen Küken, die noch so klein sind, dass sie sich problemlos durch die eigentlich recht engen Maschen des Drahtzauns zwängen können und dann plötzlich auf der anderen Seite aufgeregt piepsen. Dann kommt aber meistens eine der großen Marans-Hennen ins Spiel, die ebenfalls „glaubt, dass sie die Mutter der Küken ist“, sagt Warnecke schmunzelnd.

Denn alle drei Hennen hätten quasi die beiden Küken ausgebrütet. „Die haben alle auf ihren Nestern gesessen und gegluckt, wie das Brüten und die Tage davor in der Fachsprache heißt“, berichtet Person.

Im Frühjahr und Frühsommer werden viele Hühner zu Glucken. Der Instinkt der Hühner sorgt dafür, dass die Hühner die Fortpflanzung anstreben und für Nachwuchs sorgen wollen. Da Luigi offenbar „seine Arbeit“ verrichtet hatte, weil die Hühner ihre Legenester nicht mehr verlassen haben sowie gluckende Laute von sich gaben, waren sich die beiden Hobbyzüchter sicher: „Unsere Hühner sind Glucken.“

Doch zunächst habe sich die Frage gestellt, unter welcher Rasse der Nachwuchs aus den Schalen schlüpft, denn „Luigi ist es relativ egal, wenn er besteigt“.

Die Brutwochen seien ganz ulkig gewesen: „Sobald eines von den Althühnern das Nest zum Fressen verlassen hat, hat sich ein anderes Huhn eins oder mehrere Eier in ihr eigenes Nest gekullert und sich draufgesetzt und weitergebrütet“, erzählt Cornelia Person. Am Ende haben zwei Winzlinge das Licht der Visselhöveder Welt erblickt und flitzen jetzt so flink durch das Gehege, dass ihre drei Mütter Mühe haben, ihnen zu folgen. Wichtig ist, dass sie spätestens in der Dämmerung in der Nähe des festen Stalls sind, denn bei Nacht kommen die Räuber. „Und da ist selbst mitten in der Stadt eine ganze Menge los“, weiß Marco Warnecke und berichtet, was schon alles in seine Fotofalle getappt ist: „Füchse und Marder.“ Mit Meister Reineke habe er eines morgens sogar mal Auge in Auge gegenübergestanden. Darum ist auch das kleinste Loch im Hühnerstall durch engmaschiges Drahtgeflecht gesichert.

Ansonsten sei dieses Hobby relativ einfach zu verwirklichen. „Die Hühner sind echt pflegeleicht, brauchen täglich Körner und ab und an müssen wir auch mal in Nachbars Garten, denn Chabos scharren zwar nicht so große Löcher in den Garten wegen ihrer relativ kleinen Füße und kurzen Beine, dafür können sie aber sehr gut fliegen, selbst mit gestutzten Schwungfedern“, informiert Warnecke, der keine Probleme mit der Nachbarschaft fürchten muss, denn Zwerghahn Luigi hat eine wenig ausgeprägte Stimme. Wenn die Chabos dennoch mal ausreißen, brauchen sie keine Angst zu haben, im Suppentopf zu landen. „Die Hühner gehören zur Familie und werden nicht geschlachtet“, stellt Person klar und hat Barcelona mit der monumentalen Kirche Sagrada Família schon fast vergessen.  jw

Drei Mütter, zwei Küken: Und es funktioniert.
Hahn Luigi ist Chef im Garten und oft auf Hennenjagd.

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