Baustoff extrem gefragt

Preise explodieren: Holz ist das neue Gold

Revierförster Ulf Wahlers misst einen Stapel Kierfernstämme.
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Revierförster Ulf Wahlers misst bei den Kiefernstämmen genau nach, ob sie alle in die Eisenbahnwaggons passen.

Visselhövede/Wittorf – Der Rohstoff Holz ist auf dem Weltmarkt stark nachgefragt. Das sorgt für explodierende Preise und eine extreme Verknappung des nachwachsenden Baustoffs. Immer häufiger gibt es lange Gesichter bei Heimwerkern, die sich eine Holzterrasse gestalten wollen, und bei den Häuslebauern, die um ihre Kostenkalkulation für den Dachstuhl zittern.

Das Statistische Bundesamt schlägt bereits Alarm: Die Preise auf der gewerblichen Handelsstufe würden weiter nach oben schießen: Nadelschnittholz sei im März knapp 21 Prozent teurer als im vorigen Jahr gewesen. Den Preisboom bestätigen auch die internationalen Märkte: An der Börse in Chicago hätten sich die Preise für Bauholz mehr als verdreifacht, schreibt das Online-Portal „agrarheute“.

Eine kurze Stippvisite unserer Zeitung bei Revierförster Ulf Wahlers im hiesigen Kiefernwald, bei der Zimmerei Fricke und im Visselhöveder Baumarkt zeichnet ein entsprechendes Bild für den Holzmarkt vom Ernten bis zum Verbauen des Holzes, das schon fast wie Gold gehandelt wird.

Das Holz aus den Wäldern des Landkreises Rotenburg ist eine der Grundlagen für die hiesige Holzindustrie. So arbeitet Förster Ulf Wahlers in Hastedt immer noch die Schäden des Gewittersturms des vergangenen Jahres auf und holt die letzten Kiefernstämme aus dem stark beschädigten Forst. Die noch brauchbaren Kiefern liegen stoßweise am Feldweg bereit, um in den nächsten Zug zum Kunden der Firma Waldkonsulting nach Österreich geladen zu werden. Dafür werden die Bäume genau auf Länge gesägt, damit sie auch in die Waggons auf dem Visselhöveder Holzbahnhof passen.

„Unsere Forstunternehmer haben dafür nur ein Sägefenster von drei Zentimetern, weil die Stämme sonst nicht in die geschlossenen Waggons passen“, erläutert Wahlers die genaue Arbeitsweise der Fachleute, wie Malte Twiefel aus Egenbostel einer ist. Der erntet in einem Waldstück bei Bretel Kiefern, die vielleicht irgendwann als Fertigprodukt zurück in die Baumärkte der Region kommen, nachdem das Sägeblatt sie „in Arbeit“ hatte.

Die Hartholzstämme aus Eiche, die der Sturm in Hastedt geknickt hatte, sind hingegen schon längst im Sägewerk Feldmeyer in Hemsbünde zu rustikalen Tischplatten oder Parkett verarbeitet worden. Die qualitativ schlechteren Kiefernstämme enden als Spanplatte in der Industrie, können allerdings die Verknappung auf dem Holzmarkt natürlich nur wenig positiv beeinflussen.

Katharina Fricke und Zimmerermeister Heiner Bremer haben noch Holz für die Aufträge der Kundschaft.

Angewiesen auf die zuverlässige Belieferung mit Bauholz sind vor allem die Handwerksbetriebe wie Zimmerereien, Tischler oder die Dachdecker. So wird der Aufwand in der Zimmerei Fricke in Wittorf deutlich größer – sowohl finanziell als auch zeitlich. Wo früher nämlich kurzfristig Nachschub bestellt werden konnte, müssen nun eher langfristige Planungen erfolgen. „Jetzt müssen wir Wochen vorher das Holz bestellen, damit immer genug vor Ort ist“, sagte Chefin Katharina Fricke.

Weil überall die Lager leer seien, werde die Kalkulation der Bauvorhaben deutlich anspruchsvoller – die Beschaffungspreise gelten eben nicht mehr dauerhaft. „Der Preis von dieser Woche kann in der nächsten schon ganz anders sein. Aber wir werden uns auch mit dieser Situation arrangieren, und es geht immer weiter“, so Fricke, die weiß, dass Holz als Baustoff immer beliebter wird, „allein wegen der Nachhaltigkeit“.

Ganz unmittelbar bekommt Joachim Hesse, Chef des Visselhöveder Baumarkts, die starke Nachfrage nach Holz zu spüren: „Manche Kunden sind überrascht von den aktuellen Preisen und wollen lieber woanders kaufen. Aber am nächsten Tag stehen sie dann wieder bei mir mit dem Anhänger und laden auf.“ Schließlich könne er die Preise aus dem Großhandel nur weitergeben. Bei einem normalen Preisniveau würden die Geschäfte auch viel besser laufen, weil dann die Lieferungen zuverlässig in Visselhövede ankämen. „Jetzt ist es schon mal so, dass nur ein halbbeladener Lkw des Lieferanten auf den Hof rollt.“ Außerdem sei der organisatorische Aufwand bei den Mengen an Kundenanfragen enorm, aber am Ende des Tages bleibe nicht mehr Umsatz beim Unternehmer hängen. „Viele Gespräche mit den Kunden sind nötig“, so Hesse. Immerhin habe er noch einige Lagerbestände, aber bei dem Preisniveau sei es künftig ein relativ großes Risiko, größere Mengen nachzubestellen. „Sinken die Preise, habe ich das teure Holz in der Halle liegen.“

Als Ursache für die Verteuerung hat Hesse „eine sehr starke Nachfrage nach dem Rohstoff in den USA und vor allem in China“ ausgemacht. Wenn allerdings die kanadischen Lieferanten den US-Markt wieder voll bedienen würden mit dem zurzeit wertvollen Gut, könne die Entwicklung auch schnell wieder zurückgehen.

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