Abriss: Altes Bauernhaus in Wittorf ist zu marode für Sanierung

Haus mit Geschichte muss weichen

Von außen sieht das Haus noch gut aus. Doch der Eindruck täuscht. Fotos: Kirchfeld/Henke

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. Fast 280 Jahre stand das Scheele-Haus, das als „Deputathaus“ bezeichnete Gebäude, in Wittorf an der Straße Orthof. Nun ist es abgerissen worden, um einem neuen Wohnhaus Platz zu machen. „Es wurde hier rund 250 Jahre Flickschusterei betrieben“, berichtet Martin Henke, der heutige Besitzer des Grundstücks. Er erwarb das Gebäude 2006 und wohnte mit Ehefrau Lisa bis zum Abriss in dem baufälligen Haus. „Vor acht Jahren habe ich das Fachwerk der Hausfront noch komplett selbst erneuert, doch dann hat sich herausgestellt, dass die Schindeln aus Asbest bestanden“, informiert der pädagogische Leiter des Kinderhofs Meinstedt in Zeven. „Offensichtlich haben dort immer Menschen gelebt, die wenig Mittel zur Renovierung zur Verfügung hatten. Das sah man dem Haus an“, bestätigt auch Ehefrau Lisa Henke und bringt es mit einer Anekdote auf den Punkt, die sie lachend zum Besten gibt: „Beim Staubsaugen der Dielenböden, kam an einigen Stellen im Sommer der Sand von unten hoch. Da konnte man nur noch Fegen und den Sand wieder in die Ritzen befördern.“

Von außen sah man den Verfall dem maroden Gebäude nicht an. „Es gab keine Zentralheizung, wir mussten jeden Raum einzeln mit Bolleröfen wärmen“, so die 28-Jährige. „Es war so, wie jetzt im Bauwagen, nur etwas größer“, witzelt Martin Henke. Das Duschen musste schnell vonstattengehen. „Wir hatten lediglich für acht Minuten heißes Wasser. Es war Wohnen wie in den 60er-Jahren!“ Damit stand für die Eigentümer fest: „Das Haus auf den neuesten Stand zu bringen, wäre nicht machbar gewesen.“ Denkmalgeschützt war das Gemäuer nicht. In einem der noch erhaltenen und wohl ältesten Balken ist die Jahreszahl „Anno 1744“ geschnitzt. Des Weiteren ist zu lesen: „Hannen Scheel / Mardreta Liesabeth Bremer, den 6. Mai Anno 1744“.

Ob es wirklich das „Gesindehaus“ des naheliegenden Bauernhofs war, bezweifelt der 44-jährige Besitzer. „Man kann nur zurückverfolgen, dass der noch lebende Großvater der Familie Scheel hier wohnte und aufgewachsen ist. Das wissen wir durch den immer guten Kontakt zum Nachbarn“, freut sich Martin Henke. „Wenn man mit den Leuten noch reden kann, die hier wohnten, ist das schon beeindruckend.“ Interessant finden die Henkes auch die Geschichte des alten Nebengebäudes. „Das kleine Behelfsheim ist heute unser Pferdestall und diente den Nachbarn zuvor als Melkstall. 1944 waren hier Flüchtlinge untergebracht. Die Ortsgruppe war verpflichtet, elf solcher Behelfsheime zu bauen, um Flüchtlinge aus Hamburg aufzunehmen.“ So wohnte vorübergehend eine zwölfköpfige Familie auf 40 Quadratmetern. Das Gebäude wurde renoviert und wird von Henkes in Ehren gehalten. Zurzeit wohnt das Ehepaar auf dem Grundstück in zwei Bauwägen. Die „Minimalisten“ erwartet einen Revival-Sommer mit Außendusche und Plumsklo – „Kompost-Toilette“, wie Lisa Henke lachend verbessert – bis das neue Haus steht.

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