Hitze verkürzt Heidelbeerernte

Schatten- und Sonnenseiten

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Julia Schlotfeldt betreibt mit ihrem Mann seit mehr als 30 Jahren den Landwirtschaftsbetrieb in Hassel. Die Heidelbeer-Plantage lockt viele Pflücker an, Mitte August ist die Saison schon vorbei. 

Hassel - Von Joris Ujen. Wenn Julia Schlotfeldt durch ihre Heidelbeerplantage in Hassel wandert, pflückt sie in einer enormen Geschwindigkeit die großen blauen Früchte von den Ästen. Der Laie benötigt da schon wesentlich mehr Zeit. 

Er muss die etwas größeren Beeren erst mal entdecken, viele davon sind bereits in den Körben der Selbstpflücker gelandet. Denn durch die hohen Temperaturen ist die Heidelbeerernte schon weit vorangeschritten. Einen Vorteil bringt aber das Wetter: Durch die starke Sonneneinstrahlung ist das blaue Obst noch geschmacksintensiver als üblich. Allerdings ist dafür auch eine kostenintensive Bewässerung notwendig.

Ob für Torten, Kuchen, ins Müsli, für Muffins oder einfach als kleine Zwischenmahlzeit: Heidelbeeren sind sehr beliebte Früchte, weiß Julia Schlotfeldt. In ihrer mehr als 30-jährigen Hofgeschichte haben sie und ihr Mann Karl-Friedrich Schmidt aber noch nie so früh geerntet – rund zwei Wochen eher als üblich. Abseits der ertragsarmen Getreideernte in diesem Jahr bringt die anhaltende Hitze auch den normalen Zyklus der Obstplantagen durcheinander. Julia Schlotfeldt kann das bezeugen.

Schließlich bewirtschaftet sie mit ihrem Ehemann eines der größten Himbeer- und Heidelbeerfelder im Landkreis. Kunden aus ganz Niedersachsen kommen zu ihren Plantagen nach Hassel, am Espernfeldweg 7 nahe Bothel, zum Selbstpflücken. Die Baustelle auf der Bundesstraße  440 sowie die früh einsetzende Wärme und Trockenheit haben die Umsatzzahlen aber etwas geschmälert.

„Ab Mai wurde es schon kritisch“

Schlotfeldt: „Normalerweise beginnt die Heidelbeerernte um den 10. Juli herum. In diesem Jahr ging es schon in der letzten Juni-Woche los.“ Im Herbst und Winter gab es sehr viel Regen, wodurch die Bodenvorräte sehr gut mit Wasser aufgefüllt waren. Ab Februar gab es dann aber kaum Niederschläge. „Ab Mai wurde es dann schon kritisch, knochentrocken, sodass wir ab Mitte des Monats anfangen mussten, die Felder stark zu beregnen.“ Weil Beerenobst zu rund 90 Prozent aus Wasser besteht, wäre die Ernte ohne die kostspielige Beregnung nicht möglich gewesen, erklärt die Hasselerin.

Die Himbeer-Ernte, die das Ehepaar ebenfalls betreibt, ist schon vorbei, für das Ende der Heidelbeer-Saison prognostiziert Schlotfeldt Mitte August, üblich ist Ende August. „Die Witterung hat den Reifeprozess extrem beschleunigt“, erzählt die 54-Jährige. Das bedeutet, dass die Kunden, die zum Pflücken nach Hassel kommen oder zu anderen Obstbauern fahren, sich beeilen müssen.

Zur Hasseler Plantage kommen die Selbstpflücker sogar aus Bremen, Stade und Hamburg angereist. „Immer mehr junge Leute von außerhalb finden ihren Weg zu uns. Neben den vollen Körben, die sie mit nach Hause nehmen, geht es unseren Kunden auch um das Pflücken an sich und das ganze Drumherum“, so die Obstbäuerin.

Aufgrund der Straßenarbeiten und der damit verbundenen Vollsperrung der B 440 zwischen Rotenburg und Visselhövede sind ihre Felder allerdings zur Zeit nicht direkt über die Bundesstraße zu erreichen, ein kleiner Umweg ist vonnöten. Darauf weist der Landwirtschaftsbetrieb Schmidt und Schlotfeldt auch auf seiner Internetseite hin (www.himbeeren-heidelbeeren-hassel.de), die er aufgrund der Baumaßnahmen erstellte.

Die blaue Beere wächst in Hassel schon seit 20 Jahren auf mehr als zwei Hektar Plantagenfläche. Vier verschiedene Sorten bieten Schlotfeldt und Schmidt an: Reka, Puru, Duke und Bluecrop – alles gezüchtete Kulturheidelbeeren aus Nordamerika und Neuseeland. Die färben Mund und Lippen nicht blau und haben zudem größere Büsche und Früchte als die heimischen Waldheidelbeeren, und sind dementsprechend auch ertragreicher.

Wer denkt, dass Obstbauern nur im Frühling und Sommer mit ihren Plantagen beschäftigt sind, irrt: „Damit die Büsche vital bleiben, sind jeden Winter Schnittmaßnahmen erforderlich“, sagt Schlotfeldt. „Dadurch können wir auch die Obstgröße und Menge etwas beeinflussen.“ Ohne den Beschnitt produzieren die Pflanzen immer mehr Holz und kleinere Früchte an den Behängen, erklärt Julia Schlotfeldt das kleine Einmaleins des Obstanbaus. Für die Maßnahme zur kalten Jahreszeit bedeutet das viel Handarbeit, „weil man das nicht mechanisieren kann“.

Früher hatten sie und Karl-Friedrich Schmidt auch Erdbeeren und Spargel auf ihren Feldern. Mit dem Älterwerden haben sie ihre Angebotspalette reduziert und setzten ihren Fokus auf Heidel- und Himbeeren.

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