Habichte sind die Könige der Beizjagd / Herbert Meyer trainiert seine Tiere viermal pro Woche

Gutes Auge und scharfe Fänge

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Falkner Meyer mit seinem Beizvogel, dem Habicht Cäsar.

Ottingen - Von Wieland Bonath. Abseits der B440, am Rande des 260-Einwohner-Dorfs Ottingen lebt der pensionierte Forstamtmann Herbert Meyer (66). Der Blick geht hinaus über weite Felder, Wiesen, bis hin zu den Wäldern. Wenn der Ruheständler, der als Bezirksförster bis vor wenigen Jahren zuständig war für etwa 3300 Hektar Privatwald der Kreiswaldmärkerschaft Rotenburg, frühmorgens aufsteht, dann streiten zwei Seelen in seiner Brust: Geht er zur Beizjagd oder mit in seinen eigenen kleinen Wald, um diesen naturnah weiter zu entwickeln? Meistens „gewinnen“ seine beiden Habichte Lady und Cäsar, mit denen es einige Stunden hinausgeht.

Der 66-Jährige ist nämlich einer von etwa zehn Falknern im Landkreis Rotenburg, die sich der uralten Jagd mit Beizvögeln verschrieben haben. Bei dem Ottinger sind es der 15-jährige Cäsar und die zweijährige Lady. Mit dabei ist auch immer Pia, eine vierjährige Deutsch-Kurzhaarhündin. Ein Quartett, das harmoniert und die kugellose Beizjagd beherrscht.

In Niedersachsen gibt es zirka 250 bis 300 Falkner, 3000 bis 4000 in Deutschland, zum größten Teil organisiert im Deutschen Falkenorden (DFO), der 1921 in Leipzig gegründet wurde. Die Hälfte von ihnen übt die Beizjagd aktiv aus.

Wie Herbert Meyer bevorzugen die meisten Falkner den Habicht als Beizvogel. 2015 Vogel des Jahres. Neben den einheimischen Arten – jeder Falkner darf davon in Deutschland nur höchstens zwei Exemplare halten – werden auch Wanderfalken, Steinadler, Habichte, Gerfalken, Sperber (mit denen in Deutschland die Beizjagd verboten ist), oder Wüstenbussarde als Beizvögel eingesetzt.

Für Zuchttiere zahlen reiche Scheichs teilweise horrende Summen, für „normale“ Falkner stehen Natur- und Artenschutz obenan. Herbert Meyer: „Wir sind, genau wie Nabu und Bund, ein anerkannter Naturschutzverband.“ Durch Auswilderungsprogramme und Schutzmaßnahmen, fährt der Falkner fort, sei es beispielsweise gelungen, den vom Aussterben bedrohten Wanderfalken zu retten. Ein Pärchen hat mehrere Jahre lang Nachwuchs in Rotenburg großgezogen.

Die Liebe zur Natur und besonders zu den Greifvögeln entstand bei Meyer schon in sehr jungen Jahren. In ungezählten Büchern holte er sich das Fachwissen. Dann die Försterausbildung bei Wolfsburg, die Arbeit in Lüchow-Dannenberg, im Raum Solling und schließlich viele Jahre bei der Kreiswaldmärkerschaft Rotenburg.

Die Jägerprüfung war selbstverständlich, die Falknerprüfung bleib bis 1985 Meyers großer Wunsch. Der junge Forstmann lernte den Falkner Eckart Schormair aus Otersen (Kreis Verden) kennen und sammelte praktische Erfahrungen bei Beizjagden. Meyer bestand die schwierige, in Praxis und Theorie eingeteilte Falknerprüfung. Die Beizjagd – eine kleine Leidenschaft, die ihn bis heute nicht wieder losgelassen hat.

Falkner und ihre Beizvögel werden heute in einer Reihe sehr unterschiedlicher Bereiche gebraucht: auf Flughäfen, um Vogelschwärme zu vertreiben, die Triebwerke gefährden können, um chemisch-technische Anlagen vor nistenden Vögeln zu sichern, auf Friedhöfen, wo, wie in Visselhövede, Wildkaninchen zur Plage werden.

Die zentrale Rolle spielt immer der Beizvogel, der Habicht, der mit seiner großen Sehkraft, seinem langen Stoß, seinen kurzen runden Flügeln, sehr wendig auch durch dichtes Gebüsch seine Beute verfolgt und als sogenannter Grifftöter mit seinen scharfen Fängen die Beute erlegt.

Drei- bis viermal pro Woche fährt der Ottinger Falkner mit seinen Tieren, den Utensilien und raffinierter Technik hinaus, um zu trainieren. Mit Lady, Cäsar, der ledernen Falknertasche, dem Federspiel als wichtigstes Übungswerkzeug, der Langfessel, mit der der Falkner dem Vogel signalisiert, dass er zurückkommen soll. Dazu einen Sender für den Vogel und einen Empfänger für den Falkner, um das Tier über größere Distanzen hinweg orten zu können. Die großen Lederhandschuhe sind dazu da, um die Hand des Falkners vor den spitzen Krallen des Beizvogels zu schützen.

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