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Fünf Jahre „Vissel for future“

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Im Naschgarten für alle wachsen Erdbeeren und Tomaten und Zuckererbsen. Harald Gabriel und Christiane Burandt-Gabriel pflegen die Beete.
Im Naschgarten für alle wachsen Erdbeeren und Tomaten und Zuckererbsen. Harald Gabriel und Christiane Burandt-Gabriel pflegen die Beete. © Tausendfreund

Zahlreiche Ideen - angestoßen von der Initiative - wachsen und gedeihen seither in Visselhövede. Auch für die Zukunft gibt es noch Visionen, die verwirklicht werden wollen.

Visselhövede – Vor fünf Jahren entstand die Initiative „Vissel for future“ – ein guter Anlass für die beiden Gründungsmitglieder Harald Gabriel und Christiane Burandt-Gabriel, ein Fazit zu ziehen und in die Zukunft zu blicken.

„Damals hatten wir in Riepholm den Film „Tomorrow“ gezeigt“, so Harald Gabriel. Beide kommen aus der Landwirtschaft, in Riepholm ist unter die Initiative „ackern und rackern“ und der dazugehörige Schulbauernhof zu Hause. Christiane Burandt-Gabriel gründete vor 26 Jahren diese Initiative. „Vissel for future“ ist eine offene Gruppe, die unabhängig davon entstanden ist – dennoch gibt es Berührungspunkte. Der Film, der gezeigt wurde, hat mit Blick auf den Klimaschutz eine Kernbotschaft: „Wir müssen handeln“. Diese Botschaft ist auch Motto der Gruppe geworden. „Es geht um die Frage, wie konsumieren wir, wie leben wir, wie kriegen wir Lösungen hin, die auch Spaß machen“, so Gabriel.

Anfangs waren es zehn Menschen, die sich trafen. Inzwischen sind es gut 30, die in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv sind. Verschiedene Schwerpunkte werden erarbeitet. Einer dieser Schwerpunkte ist die Palettenlandschaft auf dem Visselhöveder Marktplatz. „Wir wollen mit den Beeten das Thema ,Essbare Stadt‘ nach Visselhövede bringen, aber auch für einen lebendigen Treffpunkt sorgen“, berichtet Burandt-Gabriel. Lebensmittel und deren Herstellung seien ein eigener Schwerpunkt in der Gruppe, die sich auch an der Regio Challenge beteiligt. Die Wettbewerbswoche lebt durch das Motto: „Iss, was um die Ecke wächst“, es geht um regional angebaute Lebensmittel, die auch hier, mitten in Visselhövede, in den Palettenbeeten wachsen. „Wir freuen uns, dass der Platz zum Treffpunkt geworden ist“, schwärmen beide. Die Stadtverwaltung und andere hätten die Idee von Beginn an positiv unterstützt. Vandalismus wurde zwar befürchtet, ist aber kaum aufgetreten. In den warmen Monaten findet einmal in der Woche die Veranstaltungsreihe „5 nach 6“ statt – auch mit dem musikalischen Treffpunkt sorgen die Initiatoren für „Leben in der Stadt“.

In der Fahrradwerkstatt Rat und Tat stehen auch, aber nicht nur, Kinderfahrräder.
In der Fahrradwerkstatt Rat und Tat stehen auch, aber nicht nur, Kinderfahrräder. © Tausendfreund, Judith

In Sachen Lebensmittel gibt es die Idee eines großen Selbsterntefelds. „Das ist eine Vision. Wenn wir ausreichend Menschen finden, die mitmachen, realisieren wir sie“, sagt Gabriel. Andere Projekte wurden bereits angeschoben und nach Auskunft der beiden durchaus erfolgreich.

Da ist zum Beispiel die Fahrradwerkstatt Rat und Rat. Die Selbsthilfewerkstatt ist in einer fast schon historischen Immobilie, einer ehemaligen Drogerie, zu Hause. Das Haus steht leer, solange es nicht genutzt oder abgerissen wird, dürfen die „Vissel for future“-Macher die Räume kostenfrei nutzen.

Fahrradwerkstatt startet Ende April in die kommende Saison

Etliche Räder werden gespendet, ehrenamtliche Reparateure sorgen für eine Funktionstüchtigkeit. Wer sein eigenes Rad reparieren möchte, erhält Unterstützung. In allen Räumen des Hauses stehen diverse Räder – ganz offensichtlich geht das Konzept auf, die Nachfrage ist da. Die wiederhergestellten Räder werden Bedürftigen zur Verfügung gestellt. „Wir kooperieren dabei auch ein wenig mit dem Vento-Fahrradladen, wenn es mal um Kleinigkeiten geht, kommen die Leute gerne auch mal zur uns“, so Gabriel weiter. Am Sonntag, 28. April, wird die Wiedereröffnung nach der Winterpause gefeiert. „Im Winter ist das Haus nicht beheizt, daher finden dann keine Radreparaturen statt.“

Auch ein regelmäßiges Repair-Café gehört zu den zahlreichen Angeboten. Hier werden vor allem Elektro-Geräte repariert, einmal im Monat findet das Café im Haus der Bildung statt, mittlerweile sind es sechs ehrenamtliche Helfer, die Dinge reparieren, damit diese nachhaltiger genutzt werden können.

Um den Klimaschutz in Visselhövede weiter zu fördern wurde nicht nur die Gruppe „Vissel for future“ gegründet, sondern auch ein eigener Verein ist entstanden. Mit Hilfe dieser Struktur können Fördermittel beantragt werden. Gabriel ist zudem beratendes Mitglied im Umweltausschuss der Stadt – auch so will er sich zugunsten des Klimas engagieren. In den letzten Jahren war die Gruppe immer mal wieder aktiv, Klimastreiks wurden organisiert, Aktionen wurden umgesetzt. Radtouren finden statt, es gibt viel Vernetzung und Austausch. Auch mit der seit 2022 in Visselhövede aktiv gewordenen Klimaschutzmanagerin Vanessa Reckemeyer steht die Gruppe im Kontakt, „wie kann man Klimaschutz im Alltag realisieren“, das sei ein Kernthema.

Broschüre wird zum zweiten Mal aufgelegt

In Sachen umweltbewusstes Leben in Visselhövede und umzu hat „Vissel for future“ eine Broschüre herausgegeben. Hier sind Adressen, Tipps und Anregungen nachzulesen. „Wir planen aktuell eine Neuauflage der Broschüre“, kündigt Christiane Burandt-Gabriel an.

Ganz offensichtlich sind alle Ideen, die von der Gruppe initiiert wurden, zu Erfolgsprojekten geworden. Auf die Frage nach Problemen oder nicht zu realisierenden Ideen schütteln beide Gabriels den Kopf.

„Das liegt vielleicht am Grundgedanken unserer Gruppe: Wir sind verantwortlich für alles, was läuft. Die Verantwortung wird von Anfang an von allen übernommen“, vermutet Gabriel. Das kleine Jubiläum des fünfjährigen Bestehens wird übrigens gefeiert, allerdings als interne Festlichkeit.

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