Bürgermeister gibt Amt 2021 ab / Parteien haben Zeit für Kandidatensuche

Goebel will nicht mehr

Bürgermeister Ralf Goebel wird 2021 nicht wieder für das Amt kandidieren.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel wird 2021 nicht mehr für das Amt kandidieren. „Es fällt mir sehr schwer, aber ich muss irgendwann auch an mich selbst denken – selbst dann, wenn man viel Lob von allen Seiten für die bisherige Arbeit bekommen hat. Aber in zwei Jahren ist für mich Schluss“, sagt Goebel, der von „gesundheitlichen Einschränkungen“ spricht, die er leider in den vergangenen zwei Jahren habe erfahren müssen.

„Würde ich nochmal antreten und gewählt werden, hätte ich insgesamt noch sieben Jahre vor mir. Dieser Zeitraum ist mir zu lang“, begründet Goebel, der Ende des Jahres seinen 60. Geburtstag feiert, seinen Entschluss. Der ist offenbar endgültig in der vergangenen Woche während eines Urlaubs gereift.

Am Donnerstagabend hat er die Spitzen der Fraktionen des Stadtrats darüber in Kenntnis gesetzt, dass er den Bürgermeisterposten nach der Kommunalwahl 2021 abgeben werde. Die Rathausmitarbeiter wurden am Freitagmorgen darüber informiert. Den Politikern habe er seine Entscheidung so früh mitteilen wollen, damit die Parteien genügend Zeit hätten, sich nach Kandidaten umzusehen.

„Es ist eine tolle Aufgabe, das Amt des Bürgermeisters ausüben zu dürfen und als Repräsentant, aber auch als Verwaltungschef die Entwicklung begleiten und auch mitsteuern zu dürfen. Im Rathaus arbeitet ein super Team und auch in den Außenstellen und in den Verantwortungsbereichen der Ortschaften sind engagierte Menschen, die mir toll zuarbeiten oder mit interessanten und herausfordernden Aufgaben auf mich zukommen. Die Lösungsfindung macht mir in den allermeisten Fällen auch wirklich Spaß“, bilanziert der ehemalige Leiter der Scheeßeler Eichenschule. „Trotzdem ist die Arbeit, jedenfalls so wie ich sie verstehe und bisher gemacht habe, aber auch sehr kräftezehrend.“

Goebel gab den Fraktionen eine kleine Empfehlung für die Suche nach einem Kandidaten mit auf den Weg: „Aus meiner Sicht wäre es für Visselhövede sicherlich gut, wenn die Parteien sich auf einen neutralen, gemeinsamen Kandidaten einigen können. Ich denke, diese Situation hat Visselhövede in den vergangenen Jahren sehr gut getan und hat sicher an vielen Punkten der konstruktiven Lösungsfindung gedient.“

Aber: Für einen Bürgermeister sei die Arbeit ohne eine Fraktion im Hintergrund nicht ganz so leicht. Es sei immer wieder das Suchen nach Mehrheiten für die besten Ideen.

„Dieses Suchen nach den besten Lösungen für Visselhövede werde ich auch in den verbleibenden zwei Jahren meiner Amtszeit fortsetzen und auch darüber hinaus werde ich der Stadt treu bleiben und mich aktiv in die weitere Entwicklung einbringen“, so Goebel.

Eckhard Langanke, Chef der WiV-Fraktion, der bei der Bürgermeisterwahl im Mai 2014 mit 28,7 Prozent das Nachsehen gegen Goebel (71,3) hatte und 2021 aufgrund seines Alters nicht mehr kandidieren darf, „akzeptiert diese Entscheidung“, und er habe „nichts anderes erwartet“. „Jetzt können wir uns alle auf die Suche nach einem Kandidaten machen. Wenn er den Vorstellungen der WiV entspricht, kann es natürlich auch eine von allen Parteien getragene Person sein.“ Langanke wird sich aber dafür aussprechen, jemanden zu nehmen, der „aus der Region kommt und die Begebenheiten kennt“, damit der neue Bürgermeister gleich am ersten Tag 100 Prozent geben könne und kaum Einarbeitungszeit benötige.

CDU-Fraktionschef Willi Bargfrede dankt Goebel, für „diese sehr faire Art“, den Kandidaturverzicht bereits jetzt mitzuteilen. „So haben wir genügend Zeit, jemanden zu suchen.“ Er sei nach allen Seiten offen: „Wenn jemand um die Ecke kommt und die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt, kann ich mir auch einen gemeinsamen Kandidaten vorstellen“. Grundsätzlich sei es aber schön, wenn die Bürger eine Wahl hätten. „Mal gucken, vielleicht findet sich auch jemand in den Reihen der Parteien“, will Bargfrede aktuell „nichts ausschließen“. Er persönlich würde vielleicht ebenfalls eine Person favorisieren, die mit der Region vertraut ist. „Wir brauchen keinen Dr. Dr. aus Süddeutschland, der uns erklärt, wie das Leben funktioniert.“

Dagmar Kühnast, SPD-Fraktionsvorsitzende, will das Ganze „jetzt sacken lassen“. Sie und ihre Fraktion hätten sich eine zweite Wahlperiode Goebels gewünscht, „um die vielen Ideen, die er mit angeschoben hat, noch umzusetzen“. Aber natürlich gehe die Gesundheit vor. „Aber dennoch bedauern wir diesen Entschluss sehr, zumal wir das Gefühl haben, dass seine Art nicht nur in der Politik gut ankommt, sondern auch bei den Menschen der Stadt.“ Jetzt werde man sich Gedanken über einen Kandidaten machen. „Ob ein gemeinsamer oder mehrere, wird die Zeit ergeben.“

„Ich hoffe noch auf den Rücktritt vom angekündigten Rücktritt“, so Heiner Gerken von den Grünen. „Denn wir haben gerne mit Goebel zusammengearbeitet.“ Der Bürgermeister habe bisher viel für ein positives Image der Stadt getan und werde das sicherlich auch in den kommenden Jahren tun. „Bis dahin kann noch viel passieren“, so Gerken. Lasse sich Goebel dennoch nicht umstimmen, hätten die Grünen auch „nichts gegen einen gemeinsamen Kandidaten“.

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