Fluggelände bei Lüdingen ab 2017 kaum mehr nutzbar

Gleitschirmsegler bekommen Kündigung

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Aktuell sind die Starts der Gleitschirmsegler noch nicht gefährdet, ab Winter steht die Zukunft des Clubs auf der Kippe.

Lüdingen - Von Jens Wieters. Keine gute Post lag jetzt im Briefkasten des Gleitschirmsegelclubs Thermikmöwen, der zwischen Lüdingen und Wittorf sein Fluggelände betreibt. Denn die Eigentümer haben dem Club zum 1. Januar 2017 rund die Hälfte der Fläche gekündigt.

Hintergrund ist wohl die mögliche Errichtung von Windkraftanlagen, die auf und neben dem Fluggelände nicht erlaubt wäre. Der kleine Flugplatz ist bisher im Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms des Landkreises Rotenburg nämlich ein klares Ausschlusskriterium für den Bau eines Windparks.

„Darum haben wir wohl vorsichtshalber die Kündigung bekommen“, vermutet Helmut Giesen, zweiter Vorsitzender des Clubs. Damit falle die für die Starts und Landungen beliebte Nord-Süd-Strecke komplett weg, so der Bremer, der mit seinen Gleitschirmseglerkameraden seit 1999 das Gelände nutzt. Die waren gerade besonders stolz, dass sie die Genehmigung einer Erweiterung um eine Ost-West-Schleppstrecke hinbekommen haben, so dass „wir zurzeit noch ein L-förmiges Gelände für alle vier Hauptwindrichtungen nutzen können“. Falle die Nord-Süd-Möglichkeit weg, lohne es sich kaum noch die Schirme überhaupt auszupacken. „Dann müssen wir uns wohl ein anderes Areal suchen“, so Giesen, der sich in Lüdingen, Hainhorst und Wittorf „richtig wohl fühlt“.

Kein Wunder, denn die Thermikmöwen haben auf dem Hof Meyer in Hainhorst einen eigenen Clubraum, können eine Werkstatt nutzen und haben einen kleinen Wetterschutz auf dem Fluggelände. „Einige von uns sind Mitglied im Schützenverein und auch beim Männergesangverein aktiv. Es wäre echt schade, wenn das alles wegbrechen würde“, so Giesen.

Der bestätigt aber auch, dass die Eigentümer der Flächen versprochen hätten, dem Club bei der Suche nach einem anderen Standort zu helfen, und vielleicht werde es ja auch nichts mit einem Windpark in der Region. „Aber für uns ist es bei Lüdingen ideal, denn wir haben eine 1.000 Meter lange Schleppbahn ohne jedes Hindernis. Das gibt es nicht so oft. Meistens steht irgendein Baum im Weg“, erklärt der begeisterte Gleitschirmsegler, der auf dem Gelände bei entsprechenden Witterungsbedingungen per Winde in die Lüfte gezogen wird, wo sich die Piloten in etwa 200 Metern Höhe vom Seil lösen.

Giesen kann aber die Landwirte verstehen, die angesichts immer weiter sinkender Erlöse neue wirtschaftliche Standbeine suchen würden. „Wenn es stimmt, dass die Betreiber der Windenergieanlagen den Flächeneigentümern bis zu 30.000 Euro Pacht pro Anlage zahlen, dann ist das eine Menge Geld, ohne großartig etwas dafür zu tun“, so Giesen.

So ganz falsch kann Giesen nicht liegen, denn wo der Wind oft und stark weht, lassen sich Spitzenpachten für die Windkraftanlagen mit rund 200 Metern Nabenhöhe erzielen: Bis zu 100.000 Euro pro Windrad und Jahr. Für schwache Standorte gibt es zwar nur 25.000 Euro, aber 50.000 bis 70.000 Euro pro Windrad und Jahr seien „gute Mittelwerte“, teilt die Deutsche Energie-Agentur (Dena) aus Berlin mit, die vom Bund und der Wirtschaft betrieben wird, um den Ausbau von Windenergie voranzutreiben. Es gebe mittlerweile viele Fälle, wo Grundbesitzer die Landwirtschaft gänzlich aufgegeben und ihr Land komplett für Windkraft verpachtet hätten.

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