Redakteur vs. Leser: Malwettbewerb im Kindergarten / Bunte Tiere und eine strenge Jury

„Geopard“ mit blauen Punkten

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Am Ende steht der Sieger fest: Im Duell Redakteur gegen Leser gewinnt Jens Wieters gegen Willi Reichert (r.).

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Elefant“, „Pferd“, „Kaninchen“, „Geopard“ (was auch immer das ist). Die Drei- bis Sechsjährigen aus dem Visselhöveder Kindergarten Fabula sind völlig aus dem Häuschen. Ist ja auch kein Wunder. Denn einen Malwettbewerb, bei dem sie nicht nur sagen dürfen, was gemalt werden soll, sondern auch Jury sind, erleben sie nicht alle Tage. „Toll, der Onkel von der Zeitung tritt gegen einen echten Künstler an. Mal gucken, wer besser malt“, ist Blondschopf Justin schon ganz gespannt.

80 große Kinderaugen blicken gebannt auf den Wettbewerb, den es in dieser Form im Fabula noch nicht gegeben hat.

Ich hingegen finde es gar nicht so toll, denn meine künstlerischen Werke liegen Jahre – ach was, Jahrzehnte zurück. Und damals hießen die noch „Malen nach Zahlen“. Aber kneifen gilt nicht, schließlich muss ich im Wettbewerb Redakteur vs. Leser meinen Mann stehen. Der Herausforderer sitzt links von mir und ist ein Mann vom Fach. Das sieht man nicht nur an der künstlertypischen Schiebermütze, sondern auch an der Art wie er die Ölkreiden hält und die jetzt noch weißen Papierblätter behandelt – als wären es die zarten Wangen einer hübschen Frau.

Willi Reichert heißt mein Konkurrent. Seines Zeichens Kunstmaler, der mit Gleichgesinnten schon mal die Muße hat, darüber zu diskutieren, ob Zebras quer- oder längsgestreift sind. Jahrelang war er der Macher des Projekts „Kultur im Sonnentau“ und der Chef im Wasserturm.

Meine Chancen stehen also nicht unbedingt gut, aber ich bin ein Kämpfer – auch auf ungewohntem Terrain. Die Aufgabenstellung ist einfach: Die rund 40 Kinder einigen sich auf ein Tier, das Reichert und ich innerhalb von zwei Minuten zu Papier bringen müssen. Die Erzieherinnen achten genau darauf, dass kein Strich mehr gemacht wird, nachdem der Schlussgong ertönt. Es werden insgesamt fünf Runden ausgespielt – pardon, ausgemalt.

Los geht's: Ich muss möglichst schnell einen Elefanten zeichnen. Aber wo fange ich an? Am Rüssel oder an den Beinen? Muss er unbedingt grau sein?

Kann er ja nicht, schließlich hat mir mein Gegner genau diese Farbe weggeschnappt. Macht nichts, wird mein Elefant eben rosa. „Das kommt bei den Mädchen bestimmt auch besser an“, habe ich mir bereits eine kleine Taktik zurechtgelegt.

„Stopp“, ruft eine Erzieherin. Ich bin zwar noch nicht so ganz fertig, aber ich finde, dass mein Elefant gelungen ist. Das Rüsseltier meines Gegners ist zwar detaillierter und auch die Proportionen stimmen, aber mein Elefant hat doch das gewisse Etwas. Oder nicht? Das Urteil folgt auf dem Fuße: „Der sieht ja witzig aus. Vorne irgendwie wie ein Nashorn und hinten wie ein Königspudel“, lacht mich der fünfjährige Tom aus.

Zum Glück wird ja erst am Ende abgerechnet und vier Versuche habe ich ja noch. Jetzt müssen wir ein Krokodil malen. Schnell schnappe ich mir das Grün und ruckzuck ist das gefährliche Tier mit großen, scharfen Zähnen und einem dicken Panzer fertig. Weit vor der Zeit. Triumphierend schaue ich zu meinem Nebenmann. Pah, mein Kroko ist viel besser.

Aber abwarten, es gibt ja noch drei Durchgänge. Als nächstes gestalte ich ein hübsches Pferd mit langer Mähne und als Bonbon einen Cowboy im Sattel. Das wird bei den Jungs ja wohl ordentlich Sympathien bringen.

Weiter geht es mit einem sogenannten Geopard. „Das ist eine Mischung aus Leopard und Gepard“, sagt die vierjährige Lisa. Na gut, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Also bekommt mein „Geopard“ blaue und grüne Punkte. Der macht schon was her.

Das dicke Ende kommt zum Schluss: Ein Warzenschwein soll es sein. Aber wie um Himmels willen kriege ich die Warzen auf die Speckschwarte? Ich linse zum Nachbarn. „Ey, abgucken ist nicht“, werde ich nicht nur von den strengen Erzieherinnen, sondern auch von den Kindern ermahnt. Okay, dann eben ohne Warzen.

Nach fünf mehr oder weniger gelungenen Bildern naht die Entscheidung. Willi Reicherts Tiere hängen links an der großen Fensterfront, meine Farbkleckse rechts. Seine sind meiner Meinung nach sehr gelungen, meine eher mittelprächtig. Wir beiden Künstler bekommen eine Glasschale und jedes der 40 Kinder eine Murmel. Gefallen Reicherts Bilder besser, bekommt der eine Kugel, sprechen meine Tiere die Kinder eher an, bekomme ich eine Kugel.

Schon nach wenigen Minuten ist klar: Es wird ein Kantersieg – und zwar für mich. 28 zu 12! Deutlicher geht es kaum. Ob es daran gelegen hat, dass ich den Kids im Vorfeld heimlich eine große Dose Lollis versprochen habe? Schnurzpiepegal – Sieg ist Sieg. Und die Lollis bekommen die Kinder in der nächsten Woche.

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