Stadtrat verabschiedet Resolution gegen Gasförderung

„Es ist genug“

Der Protest in der Region wächst. Foto: Leeske

Visselhövede - Von Jens Wieters. Der Rat der Stadt Visselhövede lehnt die „Erkundung und Förderung von Gas- und Ölvorkommen – unabhängig von der Art und Weise der angewandten Methode“ ab. Eine entsprechende Resolution wurde am Donnerstagabend einstimmig bei zwei Enthaltungen auf den Weg gebracht. Damit schließt sich Visselhövede ähnlich lautenden Beschlüssen des Kreistags des Heidekreises und der Städte Bad Fallingbostel und Walsrode an. Denn genau in diesem Bereich will der deutsche Ableger des kanadischen Konzerns Vermilion Energy, Erkundungsbohrungen vornehmen, um die in rund 4 600 Meter Tiefe vermutete Gasblase anzuzapfen.

Zwar hat Visselhövede wie auch die anderen Städte keine rechtliche Handhabe, um die Vermilion-Pläne zu durchkreuzen, weil das Landesbergamt die zuständige Behörde ist. Aber die Kommune kann es den Kanadiern ein wenig schwerer machen, ihr Vorhaben umzusetzen.

„So wird die Stadt für diese Zwecke keine städtischen Grundstücke und Wegerechte zur Verfügung stellen“, wie es in der Resolution weiter heißt. Gleichzeitig werden die zuständigen Instanzen aufgefordert, „Schäden von Menschen, Tieren, Umwelt, Trinkwasser und Lebens- und Wirtschaftsraum“ abzuwenden. Für den Fall, das Vermilion doch bohren darf, fordert die Stadt Visselhövede, dass „es ein Verbot von Bohrungen im Vorranggebieten zur Wassergewinnung“ gibt. Außerdem sollen Grundwassermessstellen eingerichtet und eine Umweltverträglichkeitsprüfung angeordnet werden.

Des Weiteren geht die Stadt davon aus, dass Luftmessungen vor, während und nach der Erkundung und Förderung durchgeführt werden. Vermilion soll außerdem auf das Abfackeln per offener Flamme verzichten, die Wasserversorgung über städtisches Wasser organisieren und im Vorfeld ein Gutachten über die für die Wassergewinnung relevanten Gebiete auf bis zu 500 Meter Tiefe sowie über die Qualität der Oberflächengewässer erstellen lassen.

„Der mögliche Zusammenhang zwischen der Erdgasförderung und den erhöhten Krebsfällen in der Samtgemeinde Bothel soll sich in Visselhövede nicht wiederholen“, fordert Eckhard Langanke von der WiV, der den Resolutionsantrag gestellt hatte und der von den Grünen noch erweitert worden war. „Wir stehen mit unseren Forderungen auch nicht allein da, denn mittlerweile wurden in der Region knapp 7 000 Unterschriften gegen Gasbohren gesammelt“, so Langanke. Heiner Gerken (Grüne) betonte, dass die Resolution ausdrücke, „dass wir die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst nehmen“. So lange die Krebsfälle nicht geklärt seien, dürfe auch nicht weiter gebohrt werden.

Man habe bereits viele negative Erfahrungen mit der Gasförderung gemacht wie Quecksilber im Boden und Feuer auf den Anlagen. „Erdgas ist ein Dinosaurier, und es ergibt keinen Sinn, das letzte Loch auszupumpen“, so Gerken. Astrid Kirmeß (CDU) stellt schlicht und ergreifend klar: „Es ist genug gebohrt worden bei uns in der Region. Wir sind ein Flächenland und müssen mit der Natur leben. Mit der Resolution senden wir ein gutes Zeichen.“

Den „Druck auf Vermilion“ will auch Lothar Cordts (SPD) „erhöhen“. Der Schutz von Mensch und Natur müsse Vorrang haben vor wirtschaftlichen Interessen. „Es kann auch nicht sein, dass es Planungen für Bohrungen bei Bleckwedel gibt, obwohl das Verdener Wasserschutzgebiet nur wenige hundert Meter weg ist“, so der Nindorfer. Bürgermeister Ralf Goebel findet die Resolution auch „gut und richtig“, appellierte aber an alle Beteiligten, dass man fair miteinander umgehen müsse: „Denn auch bei dem Konzern arbeiten Menschen und es darf bei allen Diskussionen nicht zu Anfeindungen kommen.“

Ob der Konzern Vermilion von dieser Resolution bereits etwas geahnt hat, bleibt vorerst noch unklar. Aber das für Ende April angekündigte Nachbarschaftsforum, bei dem das Unternehmen über seine Pläne informieren wollte, wurde jetzt erneut abgesagt. „Jetzt wird das Forum Ende Juni, Anfang Juli stattfinden“, so Vermilion am Freitag.

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