Engpass bei der Verteilung

Gelber Sack: Nie war er so wertvoll wie heute

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Wohl dem, der eine Rolle hat: Die Gelben Säcke sind zurzeit recht rar im Visselhöveder Stadtgebiet. Die Entsorgungsfirma verspricht aber weitere Verteilstandorte.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Bürger werden so langsam wütend und Geschäftsleute sauer: Denn im Visselhöveder Stadtgebiet gibt es offenbar einen Engpass bei den Gelben Säcken, in denen im Rahmen der lokalen Abfallentsorgung leichter Verpackungsmüll abgegeben werden kann.

Mittlerweile bekommen die Säcke schon den Spitznamen „gelbes Gold“, weil sie so rar sind. „Das wird sich aber in ein zwei Wochen ändern“, verspricht Hermann Cordes von der Entsorgungsfirma Oetjen in Seedorf. „Seit Anfang des Jahres waren wir jeden Samstag beim Visselhöveder Baumarkt und wollten eine Rolle Säcke abholen“, schimpft zum Beispiel der Visselhöveder Gerald Lutz. Dort hätten die „immer freundlichen Mitarbeiter“ aber bei jedem Besuch abwinken müssen und betont, dass „es leider noch keine neuen Säcke gebe“.

Jahrelang wurden neben Schrauben, Holzleisten und Dämmwolle im Baumarkt auch die Gelben Säcke verteilt. „Damit ist es jetzt aber vorbei“, sagt Büroleiter Frank Wulf. „Wir verteilen die Säcke nicht mehr, weil die Nachschubfrage immer wieder Probleme gemacht hat.“ Das habe natürlich bei den Kunden für Verärgerung gesorgt, „obwohl wir hier vor Ort überhaupt nichts dafür konnten“. Jetzt hätten die Mitarbeiter „gelinde gesagt, keine Lust mehr, angeblafft zu werden“, so Wulf.

„Das ist echt ärgerlich“

So musste sich Familie Lutz auf den Weg zum Drogeriemarkt Rossmann an der Wiesenstraße machen, um vorsichtig nach den wertvollen Plastiktüten zu fragen. „Aber auch dort haben wir keine mehr bekommen, weil es zurzeit wohl die einzige Verteilstelle im Stadtgebiet ist. Das ist echt ärgerlich“, so Gerald Lutz.

„Das wird sich aber in den nächsten ein, zwei Wochen ändern“, informiert Hermann Clausen, Disponent bei der Firma Oetjen Rohstoffhandel in Seedorf.

Denn zurzeit sei er dabei, „mindestens zwei weitere Verteilstellen im Visselhöveder Stadtgebiet“ vertraglich zu binden, sodass dann ausreichend Gelbe Säcke für die rund 3 .500 Haushalte im Visselhöveder Stadtkern sowie Schwitschen, Hiddingen und die kleineren Ortsteile zur Verfügung stehen würden. „Weitere Ausgabestellen sind der Edeka-Markt Marquart in Jeddingen und die Bäckerei Tamke in Wittorf“, erläutert Cordes.

Dass es vorübergehend zu Lieferschwierigkeiten gekommen war, sei auch den Umständen bei der Auftragsvergabe geschuldet so Cordes. Bekanntlich hatte die Firma Optisys mit Sitz im schleswig-holsteinischen Wedel bei Hamburg die Ausschreibung des Dualen Systems für die kommenden Jahre gewonnen. Doch jetzt die Rolle rückwärts: Das Unternehmen wurde kurz vor Weihnachten 2017 an Remondis verkauft. Der Auftrag blieb damit bei der Seedorfer Remondis-Tochter Oetjen Rohstoffhandel.

Geld für die Bereitstellung bekommen die Verteilstellen übrigens nicht, wie Cordes erläutert. „Aber dennoch haben die Säcke den positiven Effekt, dass mehr Kunden die Geschäfte besuchen.“

Coupons bei bedarf per Post

Bis vor einigen Jahren gab es die Säcke auch noch im Visselhöveder Rathaus. „Aber auch früher, war es mit dem Nachschub schon immer so eine schwierige Sache“, berichtet Ordnungsamtsleiter Mathias Haase. „Die Säcke wurden im Meldeamt ausgeben, wenn dort aber Publikumsverkehr war, und die Leute eine halbe Stunde warten mussten, um dann die Antwort zu bekommen, dass keine Säcke mehr vorrätig seien, waren die nicht erbaut“. Also habe man die Palette in den Flur gestellt, „aber dann war sie innerhalb weniger Tage komplett leer, was auch nicht im Sinne des Erfinders ist“, so Haase. Darum habe man im Rathaus den Entschluss gefasst, von einer weiteren Verteilung abzusehen.

Dem Missbrauch der Gelben Säcke wird seit rund vier Jahren mit Coupons begegnet, die an den jährlich vom Landkreis herausgegebenen Müllkalender angebracht sind. „Das sind Gutscheine für sechs Rollen, die jeweils 13 Tüten beinhalten“, erläutert Oetjen-Mitarbeiter Cordes. „Sollte mehr Bedarf bestehen, schicken wir nach Aufforderung auch weitere Coupons per Post.“

Vorher habe das Unternehmen im Landkreis Rotenburg rund sieben Millionen Gelbe Säcke verteilt und nur viereinhalb Millionen wieder eingesammelt. „Die Leute haben die Tüten einfach für andere Zwecke genutzt. Das bedeutete für unser Unternehmen einen wirtschaftlichen Schaden, denn wir bekommen die Säcke vom Dualen System Deutschland nicht erstattet“, gibt Cordes an.

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