Trasse „SuedLink“ kreuzt Stadtgebiet bei Jeddingen und Wittorf

Gegenwind für Windstrom

Viele Zuhörer verfolgten die Ausführungen zum Thema „SuedLink“. Fotos: Leeske

Nindorf - Von Henning Leeske. Eigentlich war schon alles klar: Die Stromtrasse „SuedLink“ sollte weit weg von Visselhövede im Rahmen der Energiewende den Süden der Republik mit Strom aus gigantischen Windkraftanlagen aus dem Norden versorgen. Jetzt ist alles anders, denn das Netzausbauprojekt, das von den beiden Übertragungsnetzbetreibern „TenneT“ und „TransnetBW“ umgesetzt wird, kreuzt das Visselhöveder Stadtgebiet westlich von Jeddingen und Wittorf. So sieht es der aktuelle Trassenverlauf vor. „SuedLink“ besteht aus zwei Gleichstromübertragungsleitungen zwischen Wilster und dem Raum Grafenrheinfeld sowie Brunsbüttel und Großgartach, die parallel geplant, gebaut und betrieben werden.

Da durch den Bau vor allem Landwirte der Region betroffen sind, hatte der Visselhöveder CDU-Gemeindeverband zu einem Informationsabend mit einem Vertreter von „TenneT“ in die Nindorfer Gaststätte Möhmes Hof eingeladen.

„TenneT“-Mitarbeiter Thomas Wagner präsentierte den „SuedLink“-Korridor 48a der Visselhövede betrifft: Die Gleichstromtechnik wird demnach durch Erdkabel in vier Gräben von je zwei Kupfersträngen verbaut. Die Trassenbreite würde dann maximal 34 Meter betragen. „Wenn statt der 325 Kilowattkabel die neuen 525 Kilowattkabel verwendet werden, brauchen wir nur zwei Gräben und entsprechend weniger Trassenbreite. Diese Entscheidung fällt noch in diesem Sommer.“

Für einen Kilometer Kabel werden drei bis vier Wochen Bauzeit kalkuliert. Dafür müssen riesige Kabeltrommeln per Lastwagen zur Baustelle gebracht werden. „Darum ist alle zwei Kilometer eine schwerlastfähige Zufahrt nötig. Gewässer, Straßen und Wälder werden durch Bohrungen mit einer Länge von bis zu einem Kilometer unterquert“, erläuterte der Fachmann.

Klingt erst mal relativ simpel, und Wagner vermittelte den Eindruck, dass das Großprojekt kein großer Eingriff für die Flächeneigentümer sei. Da hatte er aber die Rechnung ohne die Zuhörer gemacht, denn viele Fragen prasselten auf ihn ein. So wollt ein Landwirt wissen, wie die ausgehobenen Gräben wieder verfüllt werden. Wagner betonte, dass nur das Material eingesetzt werde, das ausgebaggert worden sei.

Die Bauern befürchten Ertragseinbußen auf den Bereichen, wo die Kabel unter ihren Feldern verlaufen. Das habe sich schon bei Gasleitungen gezeigt, die ebenfalls bei Wittorf verlegt worden seien. „Eine Wärmentwicklung von bis 40 Grad bei der Stromleitung ist möglich“, war zu hören. Wagner konterte: „Unsere langjährigen Erfahrungen besagen, dass es keine Ertragseinbußen bei den landwirtschaftlichen Flächen gibt.“

„Warum läuft die Leitung nicht einfach neben der Autobahn, dann muss auch weniger gestreut werden im Winter?“, lautete eine pragmatische Frage. „15 Prozent der Trasse wird an Autobahnen geplant, aber nur neben neuen, da alte Strecken wie die A 7 ungeeignet sind. Außerdem ist die Bündelung mit vorhandener Infrastruktur bei der Trassenwahl nur vorgesehen, wenn dies Vorteile bringt“, antwortete Wagner.

Spätestens als der „TenneT“-Vertreter die Entschädigungen vorstellte, bekam er ordentlich Gegenwind. Für den schnellen Vertragsabschluss gibt es nämlich laut Wagner einen Beschleunigungszuschlag innerhalb der ersten zwei Wochen. Ein Standardvertrag mit Interessensverbänden wie dem Landvolk werde zurzeit ausgearbeitet.

Kreislandwirt Christian Intemann riet seinen Berufskollegen jedoch von einer zu schnellen Unterschrift ab und nannte etliche Einschränkungen für den Flächeneigentümer oberhalb der Trasse. „Die umfassen jetzt schon mehr als eine DIN A4 Seite und betreffen nicht nur Landwirte“, wurde Intemann deutlich und zählte Beispiele auf. So dürften keine Pfähle gesetzt werden, Heidelbeerkulturen seien nicht erlaubt oder auch das einfache Abkippen eines Fuders Sand sei nicht mehr möglich. Auch wurde die Fragestellung erörtert, wie eine Ertragsminderung definiert werde und wer den Gutachter im Streitfall bestellen müsse. Entschädigungen sicherte der „TenneT“-Mann für die ersten drei Jahre zu und Schäden in der Bauphase würden unbürokratisch abgewickelt. Allerdings bei späteren Forderungen wegen Ertragseinbußen müsse genauer hingeschaut werden.

Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel sicherte die Zusammenarbeit der betroffenen Kommunen Scheeßel, Bothel und Visselhövede zu: „Wir haben gemeinsam ein Expertenbüro bezüglich der Überprüfung des Trassenverlaufs beauftragt. Und auch das Landvolk hat einen Fachanwalt in der Planung.“

Der weitere Fahrplan des Verfahrens sieht wie folgt aus: Bis 24. Juni läuft der Auswahlprozess mit der Möglichkeit der Stellungnahme an die Bundesnetzagentur. Danach folgt der Erörterungstermin der Stellungnahmen, anschließend legt die Bundesbehörde den Korridor fest. Im Dezember folgt das Planfeststellungsverfahren. Die Inbetriebnahme der Trasse ist für 2025/26 geplant.

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