Petition von Sittensener Müttern findet auch in Visselhövede Unterstützung

Gegen die Früheinschulung

Elternsprecherin Conny Lutz (hinten Mitte) mit Müttern beim Aufhängen der Unterschriftenlisten.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Im Visselhöveder Kindergarten Fabula verweilen immer mehr Eltern vor dem schwarzen Brett, zücken Augenblicke später einen Kugelschreiber und setzten ihren Namen auf die Liste. Denn auch am Rande der Heide erhebt sich mehr und mehr der Protest gegen die Früheinschulung.

Kinder, die bis zum 30. September eines Jahres sechs Jahre alt werden, sind aktuell schulpflichtig. „Eine Rückstellung von der Einschulung ist nicht oder nur sehr schwierig möglich. So gibt es immer wieder fünfjährige Kinder, die zwar schulpflichtig, aber noch nicht schulfähig sind“, klagen viele Eltern. Eltern, Erzieher und Lehrer hätten keine Möglichkeit, für diese Kinder Sonderregelungen einzuleiten. Die Anforderungen, die sowieso schon an Lehrer und Schüler gestellt würden, alle Kinder unter einem Dach zu beschulen, seien häufig zu hoch. Dies führe oftmals zu Misserfolgs- und Frustrationserlebnissen auf Seiten der Kinder. „Deshalb fordern wir, dass der Stichtag auf den 30. Juni zurück verlegt wird“, sagen Anne-Mareike Kahrs, Imke Kuhlmann und Kerstin Wenzel aus Sittensen, die jetzt eine online-Petition (www.openpetition.de) eingerichtet haben und viele Unterstützer brauchen.

„Wir sind auf jeden Fall dabei“, betont Conny Lutz, Eltersprecherin des Kindergartens Fabula. „Unser Kindergarten steht voll hinter der Aktion und es haben schon viele Eltern unterschrieben.“

Genau wie die Sittensener Mütter ist auch Lutz der Ansicht, dass die Einschulung mit fünf Jahren nicht in allen Fällen gut ist. „Kinder, die mit fünf eingeschult werden, bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie bräuchten.“

In der Begründung der Eingabe an den Landtag heißt es unter anderem, dass das Verbleiben in der Eingangsstufe oftmals eine Möglichkeit sei, die aber zum Misserfolgs- und Frustrationsempfinden bei den Kindern führe. „Deshalb wollen wir diesen Kindern die Chance einräumen, zu einem späteren Zeitpunkt eingeschult zu werden.“

Ein weiteren Aspekt bringen Fachleute in die Diskussion: Früh eingeschulte Kinder bekommen häufiger die Diagnose ADHS und entsprechende Medikamente als ihre älteren Klassenkameraden. Das geht aus einer Studie des Versorgungsatlas und der Ludwig-Maximilians-Universität München über das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom hervor.

Von den Kindern, die erst kurz vor dem Stichtag zur Einschulung sechs Jahre alt wurden, erhielten demnach 5,3 Prozent im Laufe der kommenden Jahre die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung). Bei den rund ein Jahr älteren Kindern in der Studie waren es 4,3 Prozent.

Wenige Wochen oder Tage zwischen Geburtstag und Stichtag können somit gravierende Folgen haben. „Unsere Studie zeigt, dass die traditionelle Einschulungspolitik, bei der die Schulpflicht an gegebene Stichtage geknüpft wird, die Diagnosehäufigkeit psychischer Erkrankungen bei Kindern beeinflussen kann“, schreiben die Forscher.

„Auch darum hoffe ich, dass möglichst viele Eltern die Petition unterstützen“, so Conny Lutz.

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