Lokale Verantwortung ohne Parteibuch

Ratsfrauen starten Werbeaktion: „Für Politik ist es nie zu spät“

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Ratsfrau Dagmar Kühnast (l.) mit den möglichen Kandidatinnen für die Kommunalwahl.

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. Bei 21 Männern im Visselhöveder Stadtrat gehen wir vier Frauen manchmal unter. Da muss man dann und wann auch schon mal die Ellenbogen einsetzen“, machte die Nindorferin Astrid Kirmeß deutlich. Die CDU-Kommunalpolitikerin hatte gemeinsam mit Irene Becker (WiV), Pamela Helmke (CDU) und Dagmar Kühnast (SPD) zur Diskussions- und Informationsrunde zum Thema „Mehr Frauen in die Politik“ ins Café „NebenAn“ eingeladen. Die vier informierte unter anderem darüber, wie sie zu ihren Posten in der lokalen Politik kamen und wie sie die Sitzungen als Frauen erleben. „Als ich neu war, bin ich blauäugig an die Arbeit gegangen. Ich dachte, dass man Infos bekommt, daran arbeitet und abstimmt. Doch ich musste lernen, dass Informationen eine Holschuld sind. Da muss man einfach dranbleiben“, erkannte Pamela Helmke.

Die Kettenburgerin ist außerdem noch Vorsteherin ihres Dorfs und seit 2001 im Stadtrat. „Meinen ersten Kontakt zur Politik hatte ich bereits 1984 als Schülerin im Verkehrsausschuss. Da habe ich mich über das Sitzungsgeld gefreut“, so Helmke schmunzelnd. Sie gestand aber auch: „Zu meiner Anfangszeit gab es viele im Rat, die sich gerne reden gehört haben. Da waren die Sitzungen oft sehr langatmig.“

„In den Ortsräten geht es um Beleuchtung, Straßenbau, Fahrradwege und Hecken. Daher ist es für die Vorsteher und Ortsbürgermeister wichtig, auch im Stadtrat zu sitzen, um mitbestimmen und Einfluss nehmen zu können“, ging aus den Berichten der Ratsfrauen hervor, die sich auch in den jeweiligen Ausschüssen stark engagieren.

Seit Jahren in der Politik: Pamela Helmke.

„Da ich immer viel ehrenamtlich und mit Menschen gearbeitet habe, war es für mich klar, dass ich zum Beispiel im Ausschuss für Soziales, Kultur, Senioren, Sport und Landwirtschaft mitarbeite. Das ist für mich besser, als im Bauausschuss zu sitzen“, berichtete Irene Becker. Die Visselhövederin, die auch im Präventionsrat und in einigen Arbeitsgruppen aktiv ist, machte aber auch deutlich, dass es für die Kommunalpolitik „nie zu spät ist, denn ich bin erst mit 71 Jahren dazugestoßen“.

Schwitschens Ortsbürgermeisterin Dagmar Kühnast, seit zehn Jahren im Ortsrat und auch Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, sieht sich als Ansprechpartnerin für alle Bürger. „Hier gilt es, bei Problemen Lösungen zu finden und zu vermitteln. Aber auch repräsentative Aufgaben wie runde Geburtstage und Jubiläen gehören dazu. Der Nachteil: Das Budget für die kleinen Orte ist nicht riesig!“

Astrid Kirmeß (l.) und Irene Becker hoffen auf Interesse.

Drei Mal im Jahr trifft sich der Ortsrat. „Die Arbeit macht mir immer noch sehr viel Spaß. Es ist sehr vielfältig und man hat immer einen direkten Draht und sieht die Ergebnisse, die vor Ort und auch in der Stadt umgesetzt werden. Das ist auf Kreistagsebene schon anders!“

Besonders erfreulich seien die Reaktionen und Anregungen der Leute. „Man bekommt viel positive Resonanz und wird in seiner Arbeit bestärkt“, so Kühnast.

Einig sind sich die Politikerinnen parteiübergreifend darin, dass der Stadtrat dringend mehr Frauen braucht. „Wenn die nämlich im Rat unterrepräsentiert sind, dann ändert sich auch ruckzuck der Blickwinkel der Politik“, verdeutlichte Hedi Schmidt (Grüne), die zehn Jahre im Rat saß, aktuell aber nur noch hinter den Kulissen aktiv ist. „Es ist wichtig, dass wir Frauen in entsprechenden Gremien vertreten sind, um Einfluss zu nehmen und mitzuentscheiden. Frauen bringen viel Kompetenz ein und eigene Erfahrungen mit.“

„Wir brauchen also für die nächste Kommunalwahl 2021 mehr Frauen auf den Listen, denn die weibliche Sicht der Dinge ist für die lokale Politik sehr wichtig. Dabei bleiben wir aber alle bodenständig und haben keine realitätsfernen Fantasien“, so Astrid Kirmeß, die seit 2016 auch im Ortsrat Nindorf sitzt.

„Doch wie kann die Unterstützung aussehen? Kann ich auch mitmachen, ohne in einer Partei zu sein?“, wollte eine der zwölf Zuhörerinnen wissen. „Alle Fraktionen und alle Parteien sind bereit, Parteilose aufzunehmen“, versicherte Kühnast.

Ein Anruf genügt

Das Niedersächsische Sozialministerium hat das Programm „Frau.Macht.Demokratie“ ins Leben gerufen, um mehr Frauen für die Politik besonders auf kommunaler Ebene zu begeistern. Interessierte haben dabei die Möglichkeit, den etablierten Kräften unabhängig von einer Parteizugehörigkeit im Rahmen eines Trainingsprogramms über die Schultern zu schauen. Wer jetzt Lust auf Politik verspürt, kann sich einfach auf der Homepage der Stadt Visselhövede umsehen. Im dortigen Bürgerinformationssystem sind Pamela Helmke, Astrid Kirmeß, Dagmar Kühnast und Irene Becker zu finden. Auch die Visselhöveder Gleichstellungsbeauftragte Jeanine Bröske gibt Auskünfte unter der Rufnummer 04262 / 301116.

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