Für mehr Flexibilität

Visselhöveder Stadtverwaltung nimmt Homeoffice-Ausbau in den Blick

Kämmerer Lars Mielczarek sieht die Entwicklung Richtung Homeoffice.
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Kämmerer Lars Mielczarek sieht die Entwicklung Richtung Homeoffice.

Visselhövede – Noch gibt die Tür des Visselhöveder Rathauses beim Herunterdrücken der Klinke nicht nach – ab Montag soll das wieder anders sein: Erstmals seit rund eineinhalb Jahren wird der Verwaltungssitz wieder zu den regulären Zeiten geöffnet sein. Aber auch wenn das Rathaus diesbezüglich einen Schritt Richtung Vor-Corona-Ära macht: Was das Arbeiten von Zuhause angeht, war Corona eher ein Katalysator für eine Entwicklung, die nun sogar in einer Betriebsvereinbarung festgehalten werden soll.

„Wir sind jetzt mit dem Personalrat und den Bereichsleitungen dabei, ein Modell zu vereinbaren, in dem die Mitarbeiter zum einen die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeit flexibel zu gestalten, aber das zugleich auch Präsenzzeiten festlegt“, erläutert Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel. Das kann noch ein Knackpunkt werden, da neben der flexiblen Gestaltung Ruhezeiten eingehalten werden müssen. „Es gibt ja auch die, die um sieben Uhr abends die Kinder ins Bett bringen und dann noch zwei Stunden arbeiten. Nur – wie gehe ich damit um, wenn morgens zeitig die Präsenzzeit beginnt? Da sind wir jetzt in der Klärung.“ Dennoch ist Goebel von dem anstehenden Wandel überzeugt: „Das ist besonders für junge Familien hilfreich. Zumindest haben wir da schon sehr viele positive Rückmeldungen bekommen.“

Als es im Frühjahr 2020 während des ersten Lockdowns für viele Mitarbeiter zwangsweise ins Homeoffice ging, hatte die Stadt in einem ersten Schritt zusätzliche Laptops angeschafft und ausgestattet. Mit denen wählten sich die Nutzer auf dem Rathaus-Server ein. „Dazu haben wir A- und B-Teams eingerichtet, die abwechselnd im Rathaus waren, um beispielsweise Zweierbüros nur einfach zu belegen“, so Goebel. Das habe sich auch schnell eingespielt. „Jetzt, für die Rückkehr zu normalen Öffnungszeiten, sind wir auch alle geimpft, das gibt allen Mitarbeitern auch mehr Sicherheit“, sagt Goebel.

Dennoch will die Verwaltung mit der Betriebsvereinbarung einen Schritt nach vorne machen. Was sie dabei berücksichtigen will, sind die unterschiedlichen Interessen und die Möglichkeiten der verschiedenen Abteilungen. „Manche freuen sich, wieder hier im Rathaus zu sein und dass das Zuhause wieder das Zuhause ist, andere genießen die Flexibilität. Manche haben wenig, manche haben viel Publikumsverkehr“, so Goebel.

Corona war die Erprobungsphase von etwas, was wir ohnehin schon im Blick hatten.

Kämmerer Lars Mielczarek

Ein Bereich, der relativ wenig mit Besuchern von Außen zu tun hat, ist die Kämmerei. Dort ist Homeoffice nicht erst seit Corona ein Thema. „Wir haben seit einer Softwareumstellung vor einigen Jahren die Möglichkeiten, mehr von zu Hause zu machen“, sagt Kämmerer Lars Mielczarek. „Corona war da die Erprobungsphase von etwas, was wir ohnehin schon im Blick hatten.“ Er sieht sich selbst produktiver im Homeoffice, „auch Familie und Beruf in Einklang zu bringen ist so einfacher.“ So sind bisher 75 Prozent des Haushaltes für 2022 am heimischen Schreibtisch entstanden. „Natürlich, das Persönliche fehlt. Aber wir sind alle telefonisch und per E-Mail erreichbar.“ Das sieht auch der Verwaltungschef so: „Der kurze Dienstweg, die schnelle Rückfrage an der Bürotür – das bleibt in diesem System auf der Strecke“, bedauert Goebel. „Das ist per E-Mail etwas langwieriger.“ Grundsätzlich sieht er einen künftigen Effekt darin, dass es irgendwann nicht mehr in allen Bereichen feste Büros geben wird, sondern dass die Arbeitsplätze flexibel sind.

Auch andere Modelle sind in der Erprobung, so haben drei Mitarbeiterinnen des Rathauses die „Co-Working-Space“-Aktion in Schwitschen. „Alle drei haben dieses Umfeld als sehr positiv und inspirierend empfunden“, freut sich der Bürgermeister. „Natürlich arbeiten wir auch daran, dass sich immer mehr Anliegen digital klären lassen.“ Anträge müssten immer noch analog ausgefüllt und per Post zugesandt werden, „die Abstimmung vorweg läuft aber inzwischen auch schon viel über digitale Kanäle“, so Goebel.

Für Lars Mielczarek ist das digitale Angebot ein wichtiger Aspekt: „Die Kommune ist ein Dienstleister, Stichwort E-Government. Der Bürger soll viele Leistungen online regeln können.“ Für ihn ist die Betriebsvereinbarung ein wichtiger Schritt in die Zukunft. „Wir wollen Fachkräfte, und dann müssen wir ihnen da auch etwas bieten – und das ist Flexibilität. Corona war da nur der Auslöser, der das Ganze aufgebrochen hat.“

Auch Goebel ist überzeugt: „Wir müssen Erfahrungen sammeln und offen damit umgehen, wie und in welchem Rahmen Arbeit künftig anders möglich ist. Das Interesse bei den Mitarbeitern ist auf jeden Fall da.“ Die Aufgabe sei nun, das in Fahrt zu bringen. Mit der Betriebsvereinbarung wolle die Stadt zunächst einen Rahmen schaffen, so Goebel. „Im nächsten Jahr schauen wir, wie das bis dahin funktioniert hat.“

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