Sie haben die Haare schön...

Schließung der Friseurläden macht Visselhöveder kreativ

Mehrere Polizisten zeigen vor der Wache: Ihre Haarlänge  würde sogar den früheren Erlass bestehen.
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Hier gibt es nichts zu meckern: Die Haarlänge der Visselhöveder Polizisten würde sogar den früheren Erlass bestehen.

In der Corona-Pandemie ist es mit einem Friseurbesuch oft schwierig. Die Visselhöveder reagieren darauf kreativ.

Visselhövede – Wer es vor dem Shutdown Mitte Dezember nicht mehr geschafft hat, sich die Mähne stutzen zu lassen, hat jetzt ein Problem. Denn mindestens bis einschließlich 14. Februar müssen auch die Friseure ihre Läden wegen der Corona-Beschränkungen dicht lassen. Also heißt es selbst zum Rasierer oder zur Schere zu greifen oder jemand anderen aus dem Haushalt zu bitten.

StadtVisselhövede
Fläche158,8 km²
Bevölkerung10.392
Postleitzahl27374

Viel mehr als Friseur im Homeoffice ist also nicht möglich. Während die Frauen mit langen Haaren immer noch recht schick aussehen und der vielleicht etwas graue Haaransatz einfach nachgefärbt werden kann, haben modebewusste Männer aktuell nicht nur wegen Corona die Pappnase auf.

So geht es auch Heinrich Freytag aus Wehnsen. „Der Hut passt nicht mehr“, meldet er, der eine „wahre Wolle“ an Haaren vorzuweisen hat, bei seiner Frau an. „Ich bringe ihm jetzt die Frisur ein bisschen in Form, aber mir fehlt ein Rasierer für die Nackenhaare und die Koteletten“, berichtet Irmgard Freytag lachend, die sich selbst nicht die Haare schneiden kann, aber auf Hilfe der Enkelin hofft. „Wenn die Frisur bei mir mal etwas länger ist, macht das auch nichts!“ Ihre Überlegung für ihren Mann: „Vielleicht jeden zweiten Tag ein bisschen schnippeln.“

Kein erhöhter Absatz von Haarschneideprodukten in Rossmann-Filiale

Dass der Absatz von Haarscheren und Haarschneidemaschinen seit Weihnachten gestiegen ist, können die Mitarbeiter de Visselhöveder Rossmann-Filiale aber nicht bestätigen: „Da verkaufen wir nicht mehr als zu anderen Zeiten.“ Sauer wird der Otto-Normalverbraucher aber, wenn er frisch frisierte Fußballstars im Fernsehen sieht. Umgehen die etwa die Corona-Regeln? Oder haben sie Friseurinnen zur Frau? Es ist einfach zum Haareraufen! Sollte man aus Verzweiflung wirklich selbst Hand anlegen? Oder wie früher, einen Kochtopf auf den Kopf setzen und die überstehende Matte abschneiden. Ist zwar praktisch, aber modern ist anders.

„Da ich lange Haare habe und im Moment nicht die Spitzen schneiden lassen kann, stecke ich sie hoch oder binde einen Zopf“, berichtet Edith Leibrandt, die ihren Pony vorne aber selbst stutzt. Und wie sieht es bei ihrem Ehemann Holger aus? „Mein Mann hat es auch gut, da ich den Umgang mit einer Haarschneidemaschine beherrsche!“

Und was ist mit denen, die nicht so gut im Umgang mit Schere und Kamm bewandert sind? Dürfen Friseure eigentlich Hausbesuche machen? „Nein, wir haben ein klares Verbot von der Handwerkskammer erhalten“, berichtet Friseurmeisterin Stefanie Rose. „Einzig Perücken auf Rezept darf ich verkaufen, da es für die Kunden als lebensnotwendig gilt.“

Heimbewohner der Seniorenresidenz Zur Mühle zeigen viel Verständnis

In der Seniorenresidenz Zur Mühle war bisher regelmäßig ein Friseur zu Gast. „Doch da mehrere Bewohner positiv getestet wurden, hat das Gesundheitsamt uns strikt den Besuch von außen verboten“, betont Geschäftsführer Manfred Meyer. „Wir selbst werden nicht an irgendwelchen Köpfen rumschnippeln. Im Moment heißt es, die Zeit einfach auszusitzen.“ Die Heimbewohner hätten dafür auch viel Verständnis. „Oft sind es aber die Angehörigen, die uns das Leben schwer machen und nicht den Ernst der Lage verstehen.“ Bewohner und die 127 Mitarbeiter müssten aktuell zwei Mal die Woche auf Corona getestet werden. „Das nimmt viel Zeit in Anspruch und bedeutet einen großen bürokratischen Aufwand, da ist die Länge der Haare eher nebensächlich“, so Meyer.

Zu denen, die wegen ihres Berufs mehr als andere auf ihr Erscheinungsbild achten müssen, gehört die Truppe der Polizeiwache am Marktplatz. „Zwar gibt es nicht mehr so rigorose Richtlinien wie früher, aber ein gepflegtes Erscheinungsbild ist schon wichtig“, sagt Stationsleiter Stefan Spillner. Und zum Glück sind die Frauen seiner männlichen Kollegen geschickt im Umgang mit Rasierer und Schere, „sodass wir alle noch recht gut frisiert aussehen.“ Das soll auch der Mann von Kommissarin Sabine Juschkat. „Denn der kommt morgen unter die Maschine und hat schon Angst“, sagt die Visselhövederin, die ihre Pistole gegen eine scharfe Klinge tauscht.

Mit einem Rasierer hat auch Anja Runge Bekanntschaft gemacht. Die Angestellte im Visselhöveder Hallenbad war bei ihrem Mann Jürgen in Behandlung und trägt die Haare jetzt im Fünf-Millimeter-Look. „Ist praktisch und sieht gar nicht mal so schlecht aus“, findet die Jeddingerin.

Alle, die keinen Hobbyfriseur kennen, hoffen auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, die angedeutet hat, dass sich „aus praktischen Gründen“ bei den Friseuren bald etwas tun könnte.

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