Impftermine gibt`s schneller

Visselhöveder Friseursalons sind die nächsten Wochen ausgebucht

In den nächsten drei Wochen gibt es keine Termine mehr: Susanne Schweda-Drewes (v.l.), Ina Beerhorst, Andrea Golz, Rainer Glöckner und Carina Seidler.
+
In den nächsten drei Wochen gibt es keine Termine mehr: Susanne Schweda-Drewes (v.l.), Ina Beerhorst, Andrea Golz, Rainer Glöckner und Carina Seidler.

Visselhövede – „Nein. Montag geht nichts mehr. Auch Dienstag sieht es schlecht aus. Und der Mittwoch ist ebenfalls voll!“ Wer in den vergangenen Tagen Telefonnummern der Friseure in der Region gewählt hat, musste sich sehr oft mit diesen Antworten begnügen und sich auf eine Warteliste setzen lassen. Denn ab Montag sind die Künstler mit der schnellen Schere die ersten, die ihre Salons nach einer monatelangen Corona-bedingten Schließung wieder öffnen dürfen. Ein Impftermin gegen Corona ist fast schneller zu bekommen, als einen Termin zum Haare schneiden.

„Bei uns klingelt das Telefon bis der Akku leer ist“, so Astrid Winzer vom gleichnamigen Salon an der Visselhöveder Goethestraße. Besonders seit klar ist, dass die Friseure ab dem 1. März wieder zu Kamm, Farbe und Bürste greifen dürfen und entsprechende Hinweisschilder auf die Hotlines an den Türen hängen, wurden die Termine auch schon mal kurz vor Mitternacht vergeben.

„So manch einer wollte sich schon in dieser Woche die Haare schneiden lassen, nachdem in der Zeitung gestanden hatte, dass wir wieder aufmachen dürfen. Allerdings haben diese Kunden schon angerufen, bevor sie zu Ende gelesen hatten und vom 1. März erfahren haben“, sagt Sonja Winzer, die im Geschäft ihrer Mutter ein kleines Nagelstudio betreibt, aber ab Montag auch als Friseurin unterwegs ist, weil ihre Nagelbank noch nicht genutzt werden darf. „Die Nagelstudios bleiben weiterhin geschlossen. Ein Unding“, schimpft Sonja Winzer. Denn zwischen den Kundinnen und ihr sei nicht nur jede Menge Abstand, „immerhin zwei Armlängen“, sondern eine große Kunststoffscheibe trenne sie zusätzlich. „Dort ist ein kleiner Ausschnitt frei, wo die Kundinnen immer nur eine Hand durchstecken können“, erläutert Winzer.

Golz-Azubi León Jeske wird trotz Lockdown am Modelkopf trainiert.

In ihrem Job müsse sowieso immer auf größte Hygiene geachtet werden, darum gehörten eine gründliche Desinfektion aller Geräte und des Mobiliars sowie ein Mund-Nasenschutz auch vor Corona zum Standard der Studios. „Dass wir nicht arbeiten dürfen, ist mehr als unverständlich, schließlich halten wir viel mehr Abstand als beim Haareschneiden“, ärgert sich Sonja Winzer, die sich auch noch an eine andere Ungereimtheit im Shutdown des vergangenen Jahres erinnert: „Damals durften wir zeitweise keinen Pony schneiden, weil wir dann zu dicht am Gesicht der Kunden waren. Aber mit einer halben Frisur wollte auch niemand wieder nach Hause gehen.“

Putzaktion im Salon

Ihre Mutter Astrid musste nicht nur ihr Geschäft dicht machen, sondern seit knapp einem Jahr fallen auch die Kinderhaarschnitte fast komplett weg. „Weil die Vorgaben fordern, dass wir jedem Kunden die Haare waschen müssen. Und das machen die ganz jungen Kinder natürlich nicht so einfach mit“, seufzt Astrid Winzer, die aber froh ist, „dass ich endlich wieder arbeiten kann“. Denn nur neue Farbe an den Salonwänden anzubringen, aber keine Kunden zu bedienen, mache eben nicht wirklich Spaß, sagt sie.

Auch Andrea Golz aus Jeddingen, Inhaberin des Salons Haarmonie, freut sich auf Montag, „weil ich meinen Beruf und auch die Kunden so liebe“. Zurzeit startet sie mit ihrem Team eine „Putzaktion“ im Salon, „damit am Montag alles startklar ist“.

„Jetzt kommt aber das große Aber: Termine gibt es weder in der kommenden Woche noch in der darauf. Die ersten drei Wochen sind komplett dicht“, sagt Golz.

Sonja Winzer hilft ihrer Mutter Astrid, um frische Farben in den Salon an der Goethestraße zu bringen.

Bei der Bedienung ihrer Kunden kann sie sich wieder auf ihre Mitarbeiter „total verlassen“, auch wenn die in den ersten Wiedereröffnungswochen quasi von Licht bis Licht und noch eine Schicht arbeiten müssten. „Klar, wir gehen über die normalen Öffnungszeiten hinaus, dafür hatten wir vor der Schließung auch einige Ausfälle, da Kunden aufgrund eigener Quarantäne Termine absagen mussten. So konnten die Angestellten früher gehen.“

Wegen des zu erwartenden Andrangs kommt Andrea Golz wohl kaum dazu, sich um die Buchführung ihres Ladens zu kümmern. „Denn das ist durch die sich ständig ändernden politischen Beschlüsse hinsichtlich der Überbrückungshilfen gar nicht so einfach“, betont Golz, die sich eine deutliche Vereinfachung gewünscht hätte. Mittlerweile würden sich allein mit ihrem Geschäft drei Steuerberater beschäftigen. „Aber jetzt sind wir erst mal so richtig froh, dass es wieder losgeht. Und wir hoffen, dass die Öffnung nicht nur von kurzer Dauer ist“, spricht Golz wohl stellvertretend für alle Friseure – und bestimmt nicht nur für die.  jw

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Scheeßel: Filmdreh mit Heimvorteil

Scheeßel: Filmdreh mit Heimvorteil

Scheeßel: Filmdreh mit Heimvorteil
Leipzig, München, Rotenburg

Leipzig, München, Rotenburg

Leipzig, München, Rotenburg
Die DRK-Rettungswache in Rotenburg ist immer in Bereitschaft

Die DRK-Rettungswache in Rotenburg ist immer in Bereitschaft

Die DRK-Rettungswache in Rotenburg ist immer in Bereitschaft
Sanierung der Bundesstraße mit Radweg in Sottrum beginnt Mitte August

Sanierung der Bundesstraße mit Radweg in Sottrum beginnt Mitte August

Sanierung der Bundesstraße mit Radweg in Sottrum beginnt Mitte August

Kommentare