Fragezeichen-Gottesdienst: Interview, Demo und der Versuch einer Aufklärung

Ängste der Demonstranten offenbar sehr diffus

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Anna Pralle (l.) und Karin Stegmann sorgten als „Demonstranten“ für Aufsehen beim Gottesdienst.

Visselhövede - Von Wolfram Zindler. Die evangelische Kirchengemeinde in Visselhövede bietet seit einiger Zeit sogenannte Fragezeichen-Gottesdienste an. Es werden dabei jeweils aktuelle Themen aufgegriffen. Diesmal waren es die Flüchtlinge, die viele Einwohner seit einigen Monaten intensiv beschäftigen.

Im voll besetzten Gemeindehaus, in dem während der Winterkirche die Gottesdienste veranstaltet werden, wurden zunächst Schlagzeilen der Presse zitiert und gefragt: „Immer mehr Flüchtlinge: Macht mir das Angst?“

Konkret und stellvertretend für viele Menschen in Deutschland stellten Mitarbeiter des Gottesdienst-Teams Fragen. „Wann kommt der Horror zu uns?“, „Sind meine Kinder noch sicher?“ In einem Anspiel wurden Transparente gezeigt und Deutschland-Fahnen geschwungen mit Rufen: „Wir sind das Volk.“ Ein Interviewer fragte die „Demonstranten“ nach ihren Beweggründen. „Wir wollen das christliche Abendland retten“, antworteten die, aber auf Nachfrage des Interviewers konnten sie nicht erklären, was sie damit meinen. Mit der Aktion sollte klar werden: Die Ängste der echten Demonstranten sind diffus.

An Stelle einer Predigt bezog Karin Stegmann vom Kirchenvorstand Stellung zu der Thematik. Sie stellte fest, dass die Demonstranten „in unserem Land wollen, dass andere etwas tun. Aber Klagen sind keine Antworten auf die Probleme, die mit den Flüchtlingen zusammenhängen.“

Irene und Thomas Wachtmann berichteten während des besonderen Gottesdienstes, dass sie für die Flüchtlinge in Visselhövede aktiv seien. „Die erste Begegnung war sehr spannend. Wir haben die Flüchtlinge angelächelt und bald sind wir umarmt worden. Wir haben blaue Zehen gesehen vom langen Wandern und haben Schuhe für nackte Füße besorgt.“

Irene Wachtmann erläuterte, dass sie zunächst Angst gehabt hätte, als Frau nicht ernst genommen zu werden. „Aber das ist unbegründet gewesen. Der Einsatz für die Flüchtlinge macht Spaß.“

Während des Gottesdienstes wurden intensiv Ängste und Fragen behandelt, allerdings blieb unberücksichtigt, dass die Einheimischen Erwartungen an die Flüchtlinge haben hinsichtlich der Werte – wie zum Beispiel der Frauenrechte.

Die Kirchengemeinde wird ein Frageforum zum Thema anbieten. Erstes Treffen ist am 14. März um 19.30 Uhr im Gemeindehaus.

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