Wittorf Z1: Dea-Mitarbeiter reagieren auf Vertuschungsvorwürfe

„Flüssigkeit ist nicht versickert“

Mike Schreiter (l.) und Heinz Oberlach erläutern die Reparatur in der vergangenen Woche. - Foto: Wieters

Wittorf - Von Jens Wieters. „Damit eines ganz klar ist: Bei den Arbeiten in der vergangenen Woche sind keinerlei Flüssigkeiten ins Erdreich gesickert, sondern sie wurden aufgefangen und ordnungsgemäß entsorgt.“ So reagiert Mike Schreiter, Betriebsleiter der Dea-Verpressanlage Wittorf Z1 für Lagerstättenwasser in Wittorf-Grapenmühlen auf die Vorwürfe, dass ein ernster Zwischenfall vertuscht werden soll.

Dem Umweltaktivisten Bernd Ebeling war aufgefallen, dass an der Anlage außerhalb der Routine-Wartungsarbeiten Männer mit Gasmasken an Rohrverschraubungen hantiert hatten. Außerdem hat er eine rötliche Flüssigkeit auf den Betonflächen festgestellt.

Schreiter klärt auf: „Die Anlage wird das ganze Jahr über rund um die Uhr von einer Messwarte fernüberwacht. Zusätzlich kommt jeden Tag ein Mitarbeiter auf das Gelände und schaut, ob alles einwandfrei funktioniert. Dabei wurde ein Leck über dem Gitterrost des sogenannten Bohrlochkellers festgestellt.“

Der hermetisch durch Betonwände abgedichtete, rund drei Meter tiefe Keller ist quasi der Kopf der eigentlichen seit Mitte der 90er Jahre aktiven Verpressbohrung, wo das bei der Erdgasförderung anfallende Lagerstättenwasser, in rund 1000 Meter Tiefe gepumpt wird.

„Dorthin ist das Lagerstättenwasser getropft. Unser Techniker hat sofort die Anlage abgeschaltet und den zuständigen Instandsetzungstrupp verständigt“, betont Schreiter. Der habe festgestellt, dass eine Dichtung an einem Flansch leicht defekt gewesen sei.

„Der Flansch wurde demontiert und die Dichtung erneuert. Das bei der Arbeit im dichten Keller ausgetretene Lagerstättenwasser wurde mit Wannen aufgefangen und mit eine Saugwagen aufgenommen und fachgerecht entsorgt. Es gab also keinerlei Gefahr“, erklärt Schreiter, der den Vorfall „als nichts Besonderes“ bezeichnet, da auf einer technischen Anlage immer mal irgendetwas kaputt gehen könne. „Dann ist es umso besser, wenn wir unsere Sicherheitsvorkehrungen haben.“

Die Arbeiter müssten aus Arbeitsschutzbestimmungen bei bestimmten Tätigkeiten Atemschutz tragen. Ohnehin dürfe niemand die Anlage ohne entsprechende Schutzkleidung betreten.

Die von Ebeling angesprochene rötliche Flüssigkeit in einer Auffanggosse, seien noch Rückstände von Ölbindemitteln gewesen, die während der routinemäßigen Wartung vor einigen Wochen angefallen seien. „Das hat aber mit dem Lagerstättenwasser nichts zu tun, denn das ist transparent und nicht rot“, so Schreiter. Das Bindemittel habe sich mit Regenwasser vermischt und werde jetzt zusammen mit dem Laub entsorgt. „In die Umwelt kann durch die versiegelte Fläche auch das nicht gelangen.“ Nach der Reparatur sei die Anlage wieder hochgefahren worden und seitdem wieder problemlos in Betrieb.

In der Regel würden drei bis vier Lkw täglich die Anlage ansteuern und das Lagerstättenwasser mittels großer Pumpen in separate Tanks leiten. Vor dort führe eine Leitung zum eigentlichen Bohrloch, dass 1981 in eine Tiefe von rund 5 000 Meter getrieben worden sei. „Urspünglich wollte man dort Gas fördern, wurde aber nicht fündig, so wird die Bohrung anderweitig genutzt.“

Wie lange noch, wissen auch Schreiter und Dea-Sprecher Heinz Oberlach nicht genau: „Sicherlich so lange, wie es der Gesetzgeber zulässt.“

Oberlach kann die Ängste der Bevölkerung verstehen, denn es sei „kein Himbeersirup“, der ins Erdreich verpresst werde. „Aber wir haben hier kein Tschernobyl und kein Fukushima, denn das Lagerstättenwasser ist überall unter uns.“

Dass dem Konzern vorgeworfen werde, brisante Unterlagen nicht herauszurücken und zum Beispiel der Initiative Wittorfer für Umwelt und Gesundheit (WUG) Informationen nicht weiterzugeben, kann Oberlach nicht verstehen: „Nach dem Brand des Aktivkohlefilters 2012 gab es diverse Tüv-Gutachten, die auch den zuständigen Behörden vorliegen. Allerdings stand dort unmissverständlich drauf, dass sie nicht veröffentlich werden dürfen. So waren uns die Hände gebunden.“ Im Übrigen habe Dea die WUG bei mehreren Veranstaltungen ausführlich über die Anlage informiert.

Mike Schreiter findet es „schade, dass so viel Aufsehen um die Anlage gemacht wird“. Bei normalen Wartungsarbeiten habe neulich ein Kamerateam des NDR plötzlich auf der Betonplatte gestanden und ohne zu fragen die Dea-Leute gefilmt. „Das ist nicht in Ordnung, denn wir müssen auch unsere Mitarbeiter schützen.“

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