Flüchtlinge in Visselhöveder Kaserne: Weiteres Amtshilfeersuchen vom Land

An der Grenze

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Kleiderspenden für die Flüchtlinge werden weiterhin dringend benötigt.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Kaserne Lehnsheide in Visselhövede wird noch in dieser Woche mit einer Zahl von 400 Flüchtlingen komplett ausgelastet. Am Mittwoch wurde bekannt, dass das Land Niedersachsen ein weiteres Amtshilfeersuchen erlassen hat, das den Landkreis zur Nothilfe verpflichtet.

184 Menschen leben aktuell in der seit vergangenem Freitag für die Asylsuchenden genutzten Ex-Kaserne. 138 Männer und 46 Frauen, davon 48 Kinder und 29 Familien – so der Stand am Dienstagabend. Noch am Mittwochabend sollten sich die nächsten zwei Busse mit rund 100 Flüchtlingen direkt von der deutsch-österreichischen Grenze auf den Weg in die Heidestadt machen.

Zunächst war von insgesamt 300 Menschen in der Notunterkunft die Rede, nun wird sich die Zahl auf 400 erhöhen – also so viel, wie auch für eine mögliche, spätere reguläre Erstaufnahmeeinrichtung im Gespräch sind: „Mit dem weiteren Eintreffen von 100 Flüchtlingen am Sonnabend ist die Kapazität in der Kaserne in Visselhövede erschöpft“, erklärte Landrat Hermann Luttmann (CDU). Derzeit sei der Krisenstab vor Ort damit beschäftigt, die Schlafplätze vorzubereiten.

„Noch passt alles“, sagte Kreissprecherin Christine Huchzermeier zu den neuen Zahlen. Aber, so Landrat Luttmann: „Wir erwarten, dass die Zahl der Flüchtlinge, die wir aufnehmen müssen, noch steigen wird. Für den Fall, dass die Notaufnahmeeinrichtung in Visselhövede nicht ausreichen sollte, prüft der Landkreis vorsorglich weitere Liegenschaften.“ Damit sind also Turnhallen oder andere Gebäude wieder im Gespräch.

Auf Landesebene wird sich aktuell vor allem mit den finanziellen Folgen beschäftigt. Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) rechnet im kommenden Jahr mit einem Anstieg der Flüchtlingsausgaben auf eine Milliarde Euro. Inwiefern deshalb bei geplanten Ausgaben in anderen Bereichen eingespart werden muss, lasse sich erst nach Vorliegen der Steuerschätzung Anfang November sagen, sagte Schneider am Mittwoch dem Haushaltsausschuss des Landtags in Hannover. „Ob wir sparen werden müssen, können wir noch nicht sehen.“ Mehrausgaben ergäben sich auf jeden Fall in der Bildung, wo für die Flüchtlingskinder zusätzliche Lehrer eingestellt und Betreuungsmöglichkeiten organisiert werden. Für 2015 betragen die Flüchtlingsausgaben demnach 617 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 172 Millionen Euro.

An die niedersächsischen Kommunen sollen für den Flüchtlingsauffang im kommenden Jahr 361 Millionen Euro gezahlt werden nach 284 Millionen im laufenden Jahr, sagte Schneider. So sollen zum Beispiel die Aufnahmepauschalen für Asylbewerber von derzeit 6195 auf dann 9500 Euro steigen, ab 2017 dann auf 10000 Euro, ist aus Hannover zu vernehmen.

Ungeachtet dessen ist der Landkreis Rotenburg weiter auf der Suche nach Spenden und Freiwilligen für den Betrieb in der Kaserne. Vor allem werden gesucht: warme gut erhaltene Kleidung insbesondere für kleine Männer, warme Schuhe, Hausschuhe, Wolldecken, Taschen, Koffer, Kinderbetten, Sportkleidung, Sportschuhe und Spielzeug, insbesondere Bälle oder Malzeug, gerne auch Spielzeug für draußen. Der Landkreis bittet darum, nur Sachen zu spenden, die in einem guten Zustand sind und die man auch selbst noch tragen beziehungsweise nutzen würden. Gebraucht wird vor allem alltagstaugliche Kleidung wie Hosen, Langarmshirts, Pullover, Jacken; aber keine Sackos, Abendkleider oder Blusen. Geschirr, Besteck und andere Küchenutensilien werden vor Ort nicht benötigt, da die Flüchtlinge über eine Großküche versorgt werden. Die Spenden können jeden Tag von 10 bis 12 Uhr an der Pforte der Kaserne in Visselhövede abgegeben werden.

Auch freiwillige Helfer sind gern gesehen. Diese können täglich zwischen 9 und 13 Uhr beim Sortieren der Kleiderspenden helfen. Insbesondere ab kommenden Montag – es sind Herbstferien und die Einrichtung dann voll belegt – werden noch Helfer gesucht.

Interessierte melden sich per E-Mail unter ehrenamt@lk-row.de. Sie sollten die Tage angeben, an denen sie helfen wollen. Die Helfer erhalten dann eine Bestätigung per E-Mail und weitere Infos zum Einsatz. Daneben werden freiwillige Helfer zur Unterstützung des Sanitätsdienstes gesucht. Die Helfer sollten eine Ausbildung als Krankenschwester, Krankenpfleger oder als Sanitäter absolviert haben. Interessenten wenden sich per E-Mail an rettungsdienst@lk-row.de.

Der Landkreis hat auch ein Spendenkonto für die Notunterkunft für Flüchtlinge in der Kaserne in Visselhövede eingerichtet:

Stichwort: Spende Flüchtlingsunterbringung Landkreis Rotenburg.

Bankverbindung: Konto 100 842, Bankleitzahl 241 512 35, Sparkasse Rotenburg-Bremervörde oder IBAN DE09 2415 1235 0000 100842, Sparkasse Rotenburg-Bremervörde. Eine Spendenbescheinigung könne, sofern gewünscht, ausgestellt werden.

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