300 Flüchtlinge kommen in der Kaserne Lehnsheide unter / Behrens stellt sich „der Situation“

„Brauchen Hilfe auf allen Ebenen“

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Im März gab es noch andere Pläne für die Kaserne Lehnsheide: Bürgermeister Ralf Goebel (l.) nach der Unterzeichnung der Kaufverträge mit Michaela und Joachim Behrens.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die Nachricht war zwar vorhersehbar, aber dennoch löste sie gestern Vormittag „Betroffenheit“ (Bürgermeister Ralf Goebel) aus: Die Visselhöveder Kaserne Lehnsheide wird Erstaufnahmelager für Flüchtlinge. Schon heute kommen die ersten 100 Menschen, am Sonntag folgt die gleiche Anzahl, und ebenso am nächsten Mittwoch. Bis zu 450 Menschen könnten es werden – aber niemand weiß es genau.

Bis gestern Morgen war Goebel, der heute beim Krisengipfel mit Landrat Hermann Luttmann (CDU) weilt, davon ausgegangen, dass „wir am Wochenende rund 20 Menschen aufnehmen, die wir in angemieteten Wohnungen unterbringen“. Doch noch während des Pressegesprächs kam per Mail die Nachricht aus dem Kreishaus, dass die Kaserne Erstaufnahmelager wird. „Das ist schon ganz schön schräg, dass wir nicht darüber informiert, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, so Goebel – wohlwissend, dass es auch dem Landkreis nicht anders geht, der die Anweisung vom Land bekommt.

Im Vorfeld habe er sich mit Joachim Behrens, der ab dem 1. Januar Eigentümer des 19 Hektar großen Kasernenareals ist, zwar schon über die Möglichkeiten der Flüchtlingshilfe unterhalten, aber „uns schwebte eher ein Qualifizierungszentrum für die Personen vor, die hier ein Bleiberecht bekommen“.

Jetzt bestünde aber offenbar dringender Handlungsbedarf, so dass es zunächst nur darum gehe, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten. „Alles andere ist nachrangig.“

Problematisch sieht Goebel die Versorgung der Flüchtlinge und die Bewirtschaftung der Kaserne: „Die Kommune kann das auf gar keinen Fall übernehmen und auch die ehrenamtlichen Helfer sind total überfordert. Da läuft also nichts.“

Er stehe dem Merkel-Standardspruch „Wir schaffen das“ sehr skeptisch gegenüber: „Die Stadt braucht sofort Hilfe auf allen Ebenen: Es müssen zusätzliche Ordnungskräfte zum Einsatz kommen, die Flüchtlinge sind medizinisch unterversorgt, so dass weitere Ärzte im Stadtgebiet nötig sind.“ Nicht zuletzt müsse auch das Personal in der Verwaltung aufgestockt werden.

Goebel, der die Kommunalpolitik mittels eines Arbeitskreises in die Thematik integrieren will, rechnet für die Zukunft mit Protesten aus der Bevölkerung: „Ich kann auch die Ängste verstehen, aber das ist eine Extremsituation, die wir bewältigen müssen.“

Die Kasernenlösung entbinde die Stadt nicht davon, die übrige Quote zu erfüllen, die nach Größe der Kommune gestaffelt sei. „Bisher haben wir die Menschen nur im Stadtgebiet untergebracht, jetzt werden wir auch auf die Dörfer ausweichen müssen. Zum Glück gibt es Hauseigentümer, die uns Wohnraum vermieten“, berichtet der Verwaltungschef, der in solchen Situationen auch Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäuser als Unterbringungsmöglichkeit ins Kalkül zieht.

Auch Joachim Behrens, Chef des Unternehmens „jbs“ aus Scheeßel und ab Januar Eigentümer der Liegenschaft, wird „halbstündig von immer neuen Situationen“ überrascht. „Wir sind zwar vom Landkreis und von der Bundeswehr in Gesprächen beteiligt worden, aber wir hatten doch andere Pläne.“ Da sein Unternehmen nicht die ganze Fläche benötige, habe er im Vorfeld bereits einige Verträge mit Mieter geschlossen. „Mit denen müssen wir jetzt sprechen und andere Lösungen finden.“

Behrens hat den Standpunkt, dass „wir uns dieser Aufgabe stellen müssen, auch wenn wir uns andere Abläufe gewünscht hätten.“ Schön sei, dass der Landkreis die Belegung der Kaserne organisiere und nicht das Land. „Da sind uns die Leute doch bekannter.“ Ein Rücktritt vom Kaufvertrag kommt für Behrens nicht infrage: „Wir planen weiter damit, dass wir Mitte 2016 von Scheeßel nach Visselhövede umziehen. Und auch dem Bundesamt für Immobilienaufgaben ist noch kein Fall einer Rückabwicklung bekannt.“

Die ersten 100 Flüchtlinge kommen am Freitag - Visselhöveder Kaserne wird Erstaufnahmelager Kommunen an der Grenze - „Wir gehen von 300 aus“

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